Das ehemalige Restaurant und Kino "Tivoli". Zweiter Teil


Das Tivoli als Kino

Das Tempelhofer "Tivoli"

Teil 2. Das Tivoli als Kino

Das zum Komplex gehörende Wohnhaus am Tempelhofer Damm Ecke Friedrich-Karl-Straße

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Zweiter Teil. Inhalt und Kapitelübersicht

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Das Tivoli als Kino

Unter den Angehörigen der Familie Opitz wechseln die Pächter der Gastwirtschaft: nach Gräske wird es Helmuth Nieke, welcher 1901 von Hermann Stein abgelöst wird. Nieke wie auch Stein hatten offenbar das damals als Werbeträger beliebte Medium "Postkarte" für sich entdeckt. Zwei der obigen Postkarten in diesem Bericht nennen die Namen beider Inhaber.

 

Unter Magarethe Raffalovich (geb. Opitz) ist als Mieter im Eckhaus an der Berliner Straße schließlich der Schankwirt Alexander Hoffmann vermerkt, welcher die Gaststätte Tivoli nun als Pächter betreibt. Im November 1911,  ein Jahr nach Übernahme des Tivolis durch Frau Raffalovich, wird der Antrag Alexander Hoffmanns genehmigt, den Saal in ein Kino umzubauen. Das Kino als neue Unterhaltungsform begann sich allmählich zu etablieren und auch in Tempelhof entstehen nun die ersten größeren Lichtspieltheater.

 

Die Ausrichtung der beweglichen Bestuhlung und Tische dieses ersten Kinoumbaus des Tivoli erfolgte dabei in Richtung der alten Bühne, die nun eine flexible Leinwand erhielt und so bei Bedarf weiterhin für Konzerte oder Theateraufführungen (wie der Schriftwechsel mit den Baubehörden zeigt) nutzbar war.  

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Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Bauzeichnung von 1911 zum Umbau der Großgaststätte in ein Kino.

18 | Baugenehmigung von 1911 für die Nutzung des Saalbaus als Kinomatographen-Theater mit Einzeichnung der flexiblen Bestuhlung und des neuen Vorführraums. Quelle: Bauaktenarchiv des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg. 


Bestuhlungsplan nach dem ersten Umbau des Tempelhofer Tivolis in Berlin.

19 | Der genehmigte Bestuhlungsplan für das "Kino-Theater" vom 29. Februar 1920.

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In der Vorhalle des Saalbaus an der Friedrich-Karl-Straße erfolgte der Einbau eines Projektionsraums, welcher hinter dem mittleren Pfeiler angeordnet wurde. Über eine kleine Treppe gelangte der Vorführer zu seinem in halber Raumhöhe gelegenen Arbeitsplatz. Die Verlängerung der Treppe bis in den Keller allerdings wurde von der Baupolizei aus Sicherheitsgründen nicht genehmigt. Für den Lichtstrahl der Projektoren war dort ein Durchbruch geschaffen worden. Zudem bestand eine Entlüftung des Vorführraums über das Dach der Vorhalle.

 

Der von der Vorhalle zum kleinen Garten an der Friedrich-Karl-Straße abgehende ehemalige Haupteingang hatte im Zuge des Umbaus nunmehr lediglich die Funktion eines Notausgangs. Der neue Zugang erfolgte nunmehr über den überkuppelten ehem. Ausgang und Durchgang zum Biergarten im linken Seitenflügel. Ebenso konnten hier die vom Durchgang aus abgehenden Nebenräume wie Garderobe und Toiletten von den Kinogästen genutzt werden. 


Den ersten schweren Eingriff in die Bausubstanz stellte dabei die Vermauerung der Oberganden-Fenster des Saalbaus dar, die 1912 rückwirkend im Zuge des Umbaus zu einem Kino genehmigt worden war. Angeblich hatten Zugluft und eine Vereisung der Fensterflächen im Winter diesen Eingriff notwendig gemacht. Die Beschwerde eines Konkurrenten offenbart, das Hoffmann in der Nutzung des Tivolis ein ansonsten eher ungewöhnliches wirtschaftliches Konzept verfolgte. So gab es im weiterhin auch als Theater zu nutzendem Saal weder ein - sonst vorgeschriebenes - Alkohol- oder Rauchverbot. Die Eintrittspreise waren dadurch gegenüber anderen Kinos in der Umgebung verhältnismäßig gering, da Hoffmann über den Verkauf von Bier seinen Gewinn erwirtschaftete.

 

Im Ersten Weltkrieg richtete die Heeresverwaltung im Tivoli - wie auch in anderen Kinos der Umgebung - ein Reserve- Lazarett ein. Dabei übernahm Hoffmann die Verpflegung der Verwundeten. Unmittelbar nach dem Ende des Ersten Weltkriegs ändern sich die Besitzverhältnisse des Tivolis. Alexander Hoffmann, bisheriger Pächter, kauft im Dezember 1918 für 304.000 Mark von Magarethe Raffalovich das Tivoli. Dieser Wechsel gab ihm nun offenbar die Möglichkeit, Planungen für eine erheblich umfassendere Umgestaltung der Gaststätte im Eckhaus durchzuführen. Bereits als Pächter hatte er hier weitergehende Vorstellungen gehabt, die jedoch von der Eigentümerin aus Kostengründen nicht genehmigt worden waren.

 

Die Bezeichnung Hoffmanns als "Cafetier" im Berliner Adressbuch von 1920 statt als "Gastwirt" weist darauf hin, dass das bisherige Lokal im Eckgebäude und in Teilen des Saalbaus nun in ein Café umgewandelt werden sollte, wie auch entsprechende Eintragungen in den Bauzeichnungen zeigen. 

Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Bauzeichnung von 19019 zum Umbau und Erweiterung des Saalgebäudes.

20 | Im Nachtrag zur Baugenehmigung von 1919 ist die umfassende Umgestaltung des Eingangsbereiches zu Lasten des Vorgartens an der Friedrich-Karl- Straße erkennbar. Der ehemalige Eingangsbereich im linken Seitenflügel sollte hingegen dem geplanten neuen Café im Eckgebäude zugeschlagen werden. Quelle: Bauaktenarchiv des Bezirksamtes Tempelhof-Schöneberg. 

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Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Eintrag des neuen Polizeiamtes in der Friedrich-Karl-Straße von 1925.

21 | Eintrag im Berliner Adressbuch von 1925. Das Polizeiamt 13 unter Leitung von Regierungsrat Dr. Schlichting beherbergte auch das Polizei-Revier 201. 

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1919 legte Hoffmann den Baubehörden Pläne zur Genehmigung vor, den an der Friedrich-Karl-Straße gelegenen Vorgarten mit einem neuen Eingangsgebäude zu überbauen. Hierdurch konnte der bisherige Eingang im linken Saalanbau nun komplett dem künftigen Kaffee im Eckhaus zugeschlagen werden. Die Ausrichtung der Bestuhlung und der Bühne blieben nach den von Otto Krüger entwickelten Entwürfen zunächst unverändert. 

 

Zwar wurden die geplanten Maßnahmen zum Bau eines Eingangsgebäudes bis zum 22. Mai 1919 durchgeführt, doch Hoffmanns Idee, im Eckhaus ein Café einzurichten kam jedoch nicht zur Ausführung. Statt dessen wurden die zusätzlich geschaffenen Räume im linken Seitenflügel an die Berliner Polizei vermietet, die hier das für Tempelhof zuständige "Polizeiamt 13" einrichtete.

 

1921 wurde die Fa. Ellermann & Förster Pächter des Kinos im ehem. Saalbau. Auf Wunsch des neuen Pächters und mit Genehmigung des Eigentümers Alexander Hoffmann wurde dieses nun einem kompletten Umbau unterzogen.  


Markantester Teil des Umbaus war der Bau eines Bühnenhauses auf dem Dach der in diesem Zusammenhang abgerissenen Kegelbahn im rechten Seitenflügel. Die Verbindung zwischen dem gleichzeitig auch die Kinoleinwand enthaltenden Bühnenhaus und dem Saal wurde mit einem Mauerdurchbruch hergestellt. Durch die neue Anordnung der Bühne konnte die Bestuhlung im Saal um 90 Grad gedreht und so die Anzahl der Sitzplätze auf 734 erhöht werden. Die alten Logen in der ehem. Vorhalle wurden dabei zugunsten eines Wandelganges abgebrochen und an das obere Ende der Sitzreihen verlegt.

 

Die noch freien Räume hinter der Bühne sowie im Keller wurden von dem Likörfabrikanten Paul Wilke (später "Deutsche Destillerie vormals Paul Wilke") angemietet, um hier eine Likörfabrik samt Büroräumen und Lager einzurichten. Doch war diese Nutzung, wie diverse Dokumente zeigen, nur schwer mit den Brandschutzanforderungen eines Kinobetriebs in Einklang zu bringen. Es erfolgte zwar eine Genehmigung, jedoch unter erheblichen Auflagen, die immer wieder von den zuständigen Behörden angemahnt werden mussten und schließlich zu einer Produktion von Mineralwasser in dem Gebäude führten.

 

Im April 1926 stellte der Eigentümer Alexander Hoffmann einen Antrag zum Bau einer neuen Kegelbahn im Kellerbereich des linken Saalanbaus. Die alte Kegelbahn gab es auf Grund des Umbaus und der Nutzung der Kellerräume als Fabrik im Jahr 1921 ja nicht mehr. Die Ausführung der neuen Kegelbahnen oblag dem Baugeschäft Wilhelm Lemcke, dessen Pläne im Mai des Jahres geprüft und schließlich genehmigt wurden.

Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Genehmigte Bauzeichnung von 1921 mit dem überbauten ehem. Vorgarten und der Likörfabrik von Paul Wilke.

22 | Der am 21. November 1921 genehmigte Bauantrag verdeutlicht weitere Veränderungen im ehem. Saalgebäude. Die Bühne wurde nun in den rechten Seitenflügel verlegt, die Verbindung zum Saal mit einem Wanddurchbruch hergestellt. Die Sitzreihen wurden um 90 Grad parallel zur Straße gedreht, was die Anzahl der Plätze auf 800 erhöhte. Statt einem Café zog im linken Seitenflügel sowie im angrenzenden Eckhaus eine Polizeidienststelle ein, während im rechten Flügel unmittelbar hinter der Bühne sowie in den Kellerräumen durch Paul Wilke eine Likörfabrik eingerichtet wurde - eine im Sinne des Brandschutzes nicht ganz konfliktfreie Beziehung.  

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Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Grundrisszeichnung der neuen Kegelhalle im Keller.

23 | Der am 21.5.1926 genehmigte Bau der neuen Kegelbahn unter dem linken Saalanbau. 

Die neue Kegelbahn bestand im Grunde - wenn auch mindestens seit dem Ende des zweiten Weltkriegs nicht mehr in Betrieb - bis zum denkmalgerechten Umbau des Gebäudes. Beim Abbruch fanden sich, wie der vorhergehende Eigentümer des Gebäudes berichtete, versteckte Waffen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Wann und wie diese dorthin kamen bleibt ein Geheimnis.

 

Die Waffen wurden, da es sich um seltene Stücke aus der Zeit des Ersten Weltkriegs handelte, durch den vorhergehenden Eigentümer an einen zugelassenen Militaria - Händler bzw. einem Schützenverein abgegeben. 

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6 |  Der Umbau zum Großkino

1930 zog das Polizeiamt "Kreuzberg-Tempelhof", vormals Nr. 13, das seit dem Umbau im linken Seitenflügel des Saalgebäudes des Tivoli und im Eckhaus untergebracht war, an den Belle-Alliance-Platz 5. Das zugehörige Revier 201 wurde zur Friedrich-Franz-Straße 34 verlegt. Damit standen insbesondere im Bereich des linken Saalanbaus an der Friedrich-Karl-Straße erhebliche Flächen zur freien Verfügung, die vor allem auf Antrag des neues Pächters, der Fa. Bruno Juhnke & Max Lohde GmbH (der jüdische Unternehmer Bruno Juhnke betrieb u. a. das Lankwitzer Thalia sowie die Kurfürst-Lichtspiele in Alt-Tempelhof), einem weiteren Ausbau des Kinos wie auch der Schaffung zusätzlicher Ladenflächen zu Gute kommen sollten.

 

Diese Maßnahmen griffen erneut im erheblichen Umfang in die Gebäudestruktur ein. Um den Logenbereich zu erweitern, wurde u. a. die den Seitenflügel vom Saalbau trennende Wand durchbrochen und eine neue tiefer in den Seitenflügel versetzt, was den Einbau von Stahlträgern zur Abfangung der darüberliegenden Wandfläche des Saalbaus notwendig machte.

 

Durch den Umbau wurde nicht nur das Sitzplatzangebot im Bereich der Logen vergrößert, sondern vor allem ein u-förmig den Zuschauersaal umschließender Wandelgang geschaffen, der an jeder Seite Zugangstüren in den Saal hinein erhielt.

Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Bauzeichnung der innerhalb des Saals geplanten Umbaumaßnahmen von 1930.

24 | Die am 7.8.1930 genehmigte Bauzeichnung lässt gut erkennen, an welchen Stellen das Mauerwerk verändert worden ist (rot) oder zusätzliche Stahlträger eingezogen wurden (blau). Zudem wurden die alten Logen im südlichen Wandelgang entfernt, um den Kinosaal nun von drei Seiten aus erreichen bzw. verlassen zu können. 

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Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Bauzeichnung der 1930 geplanten Umbaumaßnahmen.

25 | Im Querschnitt ist zu sehen wie der Eingangs- und Dachbereich des linken Anbaus unter Abriss der alten Kuppel neu gestaltet wurde. 

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Der bisherige, mittig zum Saal gelegene Eingang von der Friedrich-Karl-Straße sowie der anschließende, erst 1919 geschaffene Vorraum werden bis auf einen Notausgang in Ladenflächen umgewandelt. Der Zugang zum Kino erfolgt nun ausschließlich vom linken Anbau aus, dessen Eingang auf voller Breite Türen erhält, zu denen einige Stufen von der Straße aus hinauf führen. Unmittelbar an dem Eingang schließt sich der neue Vorraum mit Kassen usw an. Im hinteren Teil des Seitenflügels folgen dann die langgestreckte Garderobe und die zur Außenwand der Gartenseite verlegten Toiletten.

 

An der Gartenseite bestehen unmittelbar neben den Toiletten Räumlichkeiten für auftretende Künstler sowie zwei weitere Ausgänge. Auch für die Musiker hatte man eigene Räume vorgesehen, denn das Kino besitzt, wie noch üblich in jener Zeit, unmittelbar vor dem Bühnenpodium einen besonderen Bereich für ein größeres Orchester zur Untermalung von Filmen oder für Varieté- und Konzertvorführungen. 

 

Der Vorführraum wurde aus der Vorhalle auf das Dach des linken Anbaus verlegt. Zu ihm führte eine stählerne Wendeltreppe und eiserne Laufstege. Das Dach des Vorführraums besaß dieselbe Höhe wie die des Bühnenanbaus auf der gegenüberliegenden Seite, wodurch die Symmetrie des Gebäudes auch an dessen Peripherie gewahrt blieb. Die Ausführung der Umbauten oblag dem Architekturbüro Fritzsche & Löhbach, die hier mit dem erweiterten, nun 967 Plätze fassenden Kinosaal eines der größten Kinoetablissements Berlins schufen.


Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Fassadenriss des Kinos nach dem Umbau von 1930.

26 | Genehmigter Fassadenriss vom 10. Mai 1930. Die Änderungen im Dachbereich sind ebenso eingezeichnet, wie die abzubauende alte Kuppel. Beide Saalanbauten sind nun durch den aufgesetzten Vorführraum (linker Anbau) und dem Büro über der Bühne (rechter Anbau) höher als die Eingänge zum Kino bzw. der vorgelagerte Ladenzeile.  

Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Querschnitt des neuen Bühnenaufbaus.

27 | Genehmigte Bauzeichnung von 1921 mit Änderungen von 1931. 

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Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Bauzeichnung des Schlußzustands des Kinosaals nach Umbau.

28 | Bauzeichnung des Schlusszustandes nach dem Ende der Umbaumaßnahmen von 1930. Entstanden ist ein erheblich großzügigeres Kino mit größerem Sitzplatzangebot, erweiterten Logen, großen Garderobenbereich und umlaufenden Wandelgang.  

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Einhergehend mit dem Umbau des Kinos im alten Saalbau folgt auch eine Versachlichung der Fassade zur Friedrich-Karl-Straße. Die Kuppel über dem Kinoeingang, ein letztes Relikt der einstigen Großgaststätte, entfällt ebenso wie letzte Stückdekore. Stattdessen wird eine auffällige Leuchtreklame installiert, um das Kino äußerlich stärker kenntlich zu machen.

 

Dabei wird - zeittypisch, man denke nur an den Titania-Palast - das Eingangsgebäude mit einer den Dachbereich um 2,40 m überragenden, von innen erleuchteten Stahl-Glas-Konstruktion ("Licht-Reklame-Turm") versehen, welche den senkrecht über insgesamt 7,55 m verlaufenden Namenszug des Kinos trägt. Der über den Eingangstüren mit ihrem schmalen Vordach liegende, fensterlose Fassadenbereich (hinter dem sich der Vorführraum befindet) wird mit einer großformatigen Plakatfläche und einer auf dem Dach montierten, vorkragenden Beleuchtungsanlage versehen, um so auf die neuesten Kinofilme aufmerksam zu machen.  

Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Blick in den Kinosaal.

29 | Der Kinosaal nach dem Umbau 1930. 

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Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Garderobe im Wandelgang des Kinos.

30 | Die sich im Wandelgang befindende Garderobe des Kinos nach dem Umbau von 1930. 

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Um das im Grunde in einer Nebenstraße gelegene Kino besser von der Berliner Straße (dem heutigen Tempelhofer Damm) erkennbar zu machen, wird eine weitere Leuchtschrift mit dem Kinonamen und einem in die Friedrich-Karl-Straße weisenden Pfeil auf dem an der Straßenecke gelegenen Dachbereich des Eckhauses montiert. Der gesamte Gebäudekomplex - vom Eckgebäude bis hin zu den Läden in der Friedrich-Karl-Straße - wird darüber hinaus mit einem die Gebäudeteile zusammenfassenden umlaufenden Lichtband versehen.

 

Auch hinsichtlich der Innenausstattung des Kinos ging man nun endgültig weg von der alten Gestaltung der ehem. Gaststätte. Die Wand- und Deckenflächen werden in ihrem üppigen Dekor reduziert und im Stil der Zeit versachlicht. Erhalten bleibt die die Wandflächen zur Decke hin begrenzende umlaufende Stuckatur sowie die schmalen Pilaster, welche die Wandflächen unterteilen. Zusätzliche Akzente setzt ein neues umlaufendes Lichtband, welches Teile der Saalbeleuchtung aufnimmt. 


Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Ansicht des Kinos in den 1930er Jahren.

31 | Blick auf das Gesamtensemble in den 1930er Jahren mit der neuen Neon-Werbung. Längst ist aus dem Eckgebäude die Gaststätte verschwunden. An ihrer Stelle haben das bekannte Sanitätshaus "M. Pech" sowie das Lebensmittelgeschäft "Nordstern" Ladenlokale eingerichtet. 

Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Ansicht des Eckgebäudes zum Tempelhofer Damm.

32 | Das Eckgebäude mit ehem. Saalanbau heute. Längst verschwunden ist die Dachlaterne, einige der Dachgiebel- und Gauben blieben hingegen erhalten. An Stelle des Kinos im ehem. Saal befindet sich heute der Selfmade Näh- und Creative Store. 

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Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Bauzeichnung der zu installierenden Neonreklame.
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33 | Zeichnung der geplanten und ausgeführten Neonwerbung an der Fassade des Kinos und des Eckhauses, entworfen vom Architekturbüro Fritzsche & Löhbach (von Hans Fritzsche und Friedrich Löhbach stammte u. a. das Arbeitsamt in der Friedrichstraße). Es wird ein umlaufendes Neonband installiert, das sich an der Fassade des Kinos und an den inzwischen entstandenen Geschäftsanbauten an der Friedrich-Karl-Straße wiederholt. Zudem wird auf dem Dach des Eckhauses der Namenszug des Kinos mit einem nach rechts weisenden großen Pfeil installiert. Auch das Kino selbst erhält an dem eigens senkrecht zur Fassade angefügten und von innen beleuchteten Metallgerüst den Neon - Schriftzug "Tivoli". Darüber hinaus wird auch die über den Kinokomplex hinausragende Brandmauer des Eckhauses mit dem - hier allerdings nur aufgemalten - Namenszug des Kinos versehen. 


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7 | Ein Kinoprospekt des Tivoli von 1924

Irgendwann konnte ich im Laufe meiner Arbeit über das "Tivoli" auch ein altes Kinoprospekt auffinden. Dieses Prospekt ist aus verschiedenen Gründen interessant. Neben der Darstellung der damaligen Kinofilme ist es vor allem das "Drumherum", wie etwa die Werbung längst vergangener Geschäfte, da diese Auskunft über das damalige Umfeld des Kinos gibt.

 

Ein Beispiel hierfür ist die Anzeige für das "Kaufhauses Tempelhof" des jüd. Kaufmannes Edmund Elend. Dieser besaß zunächst ein einfaches Ladengeschäft in Tempelhof. 1913 errichtete Elend dann an der heutigen Ecke Tempelhofer Damm / Kaiserin - Augusta - Straße das "Kaufhaus Tempelhof". In den 1930er Jahren wurde das Haus unter dem Namen "Sera" zwangsarisiert wurde. Nach dem Krieg von Carl Walden weitergeführt, wird das Kaufhaus 1967 durch Karstadt übernommen.

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Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 1.
Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 2.

Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 3.
Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 4.
Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 5.
Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 6.
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Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 7.
Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 8.

Das noch heute erhaltene  Wohn- und Geschäftshaus "Zum Kurfürst" an der heutigen Straßenecke Tempelhofer Damm / Alt - Tempelhof gab sowohl dem Restaurant und Café "Zum Kurfürst" als auch den "Kurfürst - Lichtspielen" (die wie das Tivoli ab 1931 von Bruno Juhnke betrieben wurden) ihren Namen. Es wurde 1911 - 1912 durch Carl und Emil Schneider an Stelle des für die Tempelhofer Dorfgeschichte bedeutsamen Gasthofes der Familie Kreideweiß errichtet. Die Kurfürst- und Tivoli-Lichtspiele waren ab den 1920er Jahren unter einer Geschäftsleitung vereint.

 

Der im Tivoli gezeigte Film "Im letzten Augenblick" von 1923 gehörte zu einer Reihe von ca. 40 national wie international höchst erfolgreichen "Stuart Weebs" - Kriminalfilmen, in denen der namensgebende Gentleman- Detektiv Stuart Weebs meist durch den Schauspieler Ernst Reicher verkörpert wurde. Reicher schrieb auch einige der Drehbücher der "Stuart Weebs" - Filme und führte zudem Regie. Gedruckt wurde das Kinoprospekt im Übrigen von der Mariendorfer Druckerei Franz Bärenwald, Chausseestraße (Mariendorfer Damm) 306.  

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