Gebt dem Bahnhof sein Dach zurück!


Bahnhof Yorckstraße (S2, S25)

Gebt dem Bahnhof sein Dach zurück!

Ein Plädoyer für den Bahnhof Yorckstraße (S2, S25)

Inhalt und Kapitelübersicht

Ihr Klick zum Kapitel

Vorgeschichte1

1 | Das Bahnhofsgebäude heute

Bild und Text: Lutz Röhrig 

Zugegeben, eine Schönheit ist er derzeit nicht – der S-Bahnhof Yorckstraße an der S2. An der Straßenseite präsentiert er sich mit einer hellen Putzfassade, welche lediglich durch die Eingangstüren, zwei relativ modernen Fenstern und einer umlaufenden Dachkante zum mit Teerpappe gedeckten Flachdach unterbrochen wird. Nichts, was einem wirklich ansprechen würde – doch das Geheimnis dieses Bahnhofs liegt im wahrsten Sinne des Wortes unter seiner Oberfläche. 


Möchten Sie regelmäßig über alle Neuigkeiten auf zeit-fuer-berlin.de informiert werden?

Dann melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an.


Und wie diese einstmals ausgesehen hat, das kann man am Nachbargebäude, in welchem sich lange Zeit die legändere Kneipe „Zum Umsteiger“ befand, anhand des dortigen roten Ziegelmauerwerks, dem Spitzgiebel und seinem traditionellen Ziegeldach zumindest erahnen. Beide Gebäude sind von der Straße aus gesehen mit einer relativ hohen, gleichfalls glattverputzten Mauer miteinander verbunden. 

Berlin Broken English Kreuzberg Körtestraße 10 Gewerbehof

| Die Front des Gewerbehofes Körtestraße 10 teilen sich eine Eisdiele sowie, rechts des Torweges, das "Broken English". 

farbe1

2 | Genau hinschauen bitte!

Das Broken English in Berlin - Kreuzberg, Körtestraße 10. Seifen und Körperpflege.al.

| Original englische Drogerieartikel: Vor allem Seifen von der Insel. 

Wer genau hinschaut, entdeckt mehr. Vor allem von der gegenüberliegenden Straßenseite aus – dort, wo sich heute der Zugang zum gleichnamigen U-Bahnhof befindet. Von hier erst nimmt man den kleinen seitlichen Turmanbau am Gebäude des S-Bahnhofs war – und das mit dem Nachbargebäude übereinstimmende rote Ziegelmauerwerk, das der S-Bahnhof auf der dem Nachbargebäude gegenüberliegenden Seite besitzt. Unwillkürlich fragt man sich, ob das Bahnhofsgebäude wirklich so modern ist, wie es von der Straßenseite aus wirkt. 

 

Betritt man das Bahnhofsgebäude, ist diese Frage schnell beantwortet. Man erblickt originales, im Inneren jedoch gelb verklinkertes Mauerwerk, zum Teil mit weiße Wandfliesen belegt oder wabenartiger Bodenbelag, welcher gleichfalls noch aus der Erbauungszeit des Bahnhofsgebäudes stammt. Tatsächlich wurde der Bahnhof am 1. Mai 1903 eröffnet. Für seine Anlage an den bereits 1901 in Betrieb genommenen separaten Vorortgleisen vom Bahnhof Lichterfelde Ost zum Potsdamer Ring- und Vorortbahnhof musste aus Platzmangel ein Teil des bestehenden Bahndamms an der Yorckstraße abgetragen werden. Um auch im Erdgeschoß Fenster anlegen zu können, war daher an den Seiten des Gebäudes die Anlage von Höfen notwendig. Verantwortlich war für den in märkischer Gotik ausgeführten Bahnhofsbau der Landbaumeister Karl Cornelius, welcher zahlreiche Bahnhöfe und Bahnbauten, wie etwa den Bahnhof Lichterfelde Ost oder den Wasserturm am Bahnhof Ostkreuz errichtete. 

farbe0

3 | Das Nachbargebäude

Blickt man heute auf den Bahnhof und das benachbarte „Restaurations- und Wohngebäude“, so könnte man die Ansicht vertreten, dass wohl letzteres zeitgleich mit dem Bahnhof errichtet worden ist. Tatsächlich jedoch entstand dieses 1905 nach Entwurf der Architekten Hermann Klitscher und Hermann Afdring für den Bauherrn Louis Grandjean. Grandjean beabsichtigte, hier eine Gaststätte zu betreiben. Auf Grund des schmalen, ebenfalls in den Bahndamm hineingeschobenen Grundstücks war nur eine Anordnung der Funktionsräume übereinander möglich.

 

So befand sich im Erdgeschoß die Gaststätte, in der darüber liegenden Etage die Küche und im obersten Stockwerk die Privatwohnung Granjeans. Im Keller lagerten die Vorräte und befanden sich die Gästetoiletten. Stilistisch orientierten sich Auftraggeber und die Architekten bei dem 1905 fertiggestellten, gleichfalls im Stil der Märkischen Gotik ausgeführten Restaurations- und Wohngebäude am benachbarten Bahnhof. 

 

Beide Gebäude – der Bahnhof Yorckstraße ebenso wie das benachbarte Restaurations- und Wohngebäude – sind auf Grund ihrer Funktion wie auch ihrer Stilistik als Ensemble zu betrachten, zu dem im erweiterten Sinne auch die benachbarten Yorckbrücken sowie der Bahnhof Yorckstraße-Großgörschenstraße (S1) gehören und stehen folgerichtig unter Denkmalschutz. Doch immer wieder tauchen Pläne auf, die einen Abbruch der Gebäude zur Zielsetzung haben. Sei es auf Wunsch der Bahn oder benachbarter, am Bau von Wohnungen interessierter Investoren. 

Berlin Broken English Kreuzberg Körtestraße 10 Gewerbehof

| Die Front des Gewerbehofes Körtestraße 10 teilen sich eine Eisdiele sowie, rechts des Torweges, das "Broken English". 

farbe1

4 | Genau hinschauen bitte!

Das Broken English in Berlin - Kreuzberg, Körtestraße 10. Seifen und Körperpflege.al.

| Original englische Drogerieartikel: Vor allem Seifen von der Insel. 

Wer genau hinschaut, entdeckt mehr. Vor allem von der gegenüberliegenden Straßenseite aus – dort, wo sich heute der Zugang zum gleichnamigen U-Bahnhof befindet. Von hier erst nimmt man den kleinen seitlichen Turmanbau am Gebäude des S-Bahnhofs war – und das mit dem Nachbargebäude übereinstimmende rote Ziegelmauerwerk, das der S-Bahnhof auf der dem Nachbargebäude gegenüberliegenden Seite besitzt. Unwillkürlich fragt man sich, ob das Bahnhofsgebäude wirklich so modern ist, wie es von der Straßenseite aus wirkt. 

 

Betritt man das Bahnhofsgebäude, ist diese Frage schnell beantwortet. Man erblickt originales, im Inneren jedoch gelb verklinkertes Mauerwerk, zum Teil mit weiße Wandfliesen belegt oder wabenartiger Bodenbelag, welcher gleichfalls noch aus der Erbauungszeit des Bahnhofsgebäudes stammt. Tatsächlich wurde der Bahnhof am 1. Mai 1903 eröffnet. Für seine Anlage an den bereits 1901 in Betrieb genommenen separaten Vorortgleisen vom Bahnhof Lichterfelde Ost zum Potsdamer Ring- und Vorortbahnhof musste aus Platzmangel ein Teil des bestehenden Bahndamms an der Yorckstraße abgetragen werden. Um auch im Erdgeschoß Fenster anlegen zu können, war daher an den Seiten des Gebäudes die Anlage von Höfen notwendig. Verantwortlich war für den in märkischer Gotik ausgeführten Bahnhofsbau der Landbaumeister Karl Cornelius, welcher zahlreiche Bahnhöfe und Bahnbauten, wie etwa den Bahnhof Lichterfelde Ost oder den Wasserturm am Bahnhof Ostkreuz errichtete. 

farbe0

5 | Schlechte Aussichten...

Mit der in Ausführung begriffenen Sanierung des U-Bahnhofs Yorckstraße wird nun zugleich auch die Forderung erhoben, endlich mit einem zeitgemäßen Umbau des S-Bahnhofs Yorckstraße zu beginnen, der dann - endlich - einen direkten Zugang zum U-Bahnhof sowie einen Aufzug für mobilitätseingeschränkte Personen erhalten solle. Was diese, im Grunde dringend notwendige Modernisierung dann für Folgen für das seit über hundert Jahren bestehende Bahnhofsgebäude haben wird, bleibt abzuwarten. 

 

Zu befürchten ist jedoch wiederum der Gedanke an einem Abbruch des Bahnhofsgebäudes, insbesondere auf Grund seines scheinbar nur wenig historisch konformen Zustandes. Dabei könnte eine denkmalgerechte Restaurierung das Bahnhofsgebäude in ein Schmuckstück verwandeln. Und selbst für eine Aufzugsanlage wäre in den derzeit verschlossenen ehemaligen Gepäck- und Fahrkartenschalterräumen mehr als genügend Platz. Der Fahrstuhl könnte bis in den Kellerbereich hinabgeführt werden, von wo aus dann eine Unterquerung der Yorckstraße bis in den U-Bahnhof hinein möglich wäre. Auch für die Anlage einer großzügigen Treppe, welche den sonstigen Fahrgästen, die nicht auf den Aufzug angewiesen sind, zur Verfügung stehen würde, wäre hier gleichfalls genügend Raum. 

Berlin Broken English Kreuzberg Körtestraße 10 Gewerbehof

| Die Front des Gewerbehofes Körtestraße 10 teilen sich eine Eisdiele sowie, rechts des Torweges, das "Broken English". 

farbe1

Das Broken English in Berlin - Kreuzberg, Körtestraße 10. Seifen und Körperpflege.al.

| Original englische Drogerieartikel: Vor allem Seifen von der Insel. 

Die Wiederherstellung des Äußeren des Bahnhofs sollte mit Blick auf die Wirkung des gesamten Ensembles ebenfalls angestrebt werden. Der auf den Klinkern aufgetragene Putz ist zu entfernen, der abgebrochene Giebel wiederherzustellen. Krönender Abschluss der Arbeiten wäre die Wiederherstellung des Ziegeldaches -  so bereits 1985 in den Schriften der Berliner Denkmalpflege empfohlen. Doch wir alle Wissen, das der Gedanke an einer denkmalgerechten Sanierung von eigentlich auch unter Denkmalschutz stehenden Gebäude oft nur eine Illusion ist. Allzu einfach ist es, den Bahnhof abzureißen und durch ein modernes Funktionsgebäude zu ersetzen – vermutlich, des planerischen Aufwandes wegen, ohne direkten Zugang zum U-Bahnhof. Denn mit dem Bau eines direkten Zugangs hätte im Grunde bereits jetzt angesichts der umfassenden Sanierung des U-Bahnhofs begonnen werden müssen.

 

Die spitz formulierte Forderung „gebt dem Bahnhof sein Dach zurück“ ist somit mehrdeutig zu verstehen. Sie ist im Grunde eine Mahnung das bestehende Ensemble aus Bahnhofs- und Restaurationsgebäude zur erhalten. Sie ist aber auch eine Forderung, den Zustand des Bahnhofsgebäudes dringend zu verbessern und – endlich – eine bequeme direkte Verbindung zum gegenüberliegenden U-Bahnhof, die auch mobilitätseingeschränkten Personen zu Gute kommt, herzustellen. Das jahrzehntelange (seit 1985!) Provisorium des hölzernen, mit vielen Treppenstufen versehenen unansehnlichen Übergangs muss endlich ein Ende finden. Für einen stark frequentierten Umsteigebahnhof im Herzen einer europäischen Hauptstadt ist die bestehende Situation ein wohl denkbar unwürdiger Zustand. Darum: gebt den Bahnhof Yorckstraße sein Dach zurück!

farbe0