Über mich -

- und einer Idee für unsere Stadt

Blick auf Kurfürstendamm und Gedächtniskirche.

Über mich - und einer Idee für unsere Stadt


 Zeit für Berlin - und meine Motivation


Autor Lutz Röhrig

| Autor, Fotograf und Webmaster Lutz Röhrig. Foto Andrea von Fournier 

für Märkische Allgemeine Zeitung.

 

Mein Name ist Lutz Röhrig und ich bin der Autor, Fotograf und Webmaster von zeit-fuer-berlin.de. Oft werde ich gefragt, was mich antreibt und bewegt, eine Internetseite zu schaffen, die sich derart intensiv mit den Veränderungen in unserer Stadt, denen vor allem unsere Läden, Kinos, Restaurants und Firmen unterliegen, beschäftigt.  Nun, vielleicht liegt es daran, dass ich in Kreuzberg "vor undenklich langer Zeit", wie unsere drei Kinder sagen würden, aufgewachsen bin.

 

Weniger mythisch  ausgedrückt also zu jener Zeit, als die großen Flächenabrisse, durch die Block für Block, Straße für Straße, alles verschwand, was zuvor noch Alltag war: die Freunde, der kleine Laden in der Straße, das alte Kino - alles wurde durch uniforme Neubauten ersetzt, in denen es kaum mehr das gab, was man öffentliches Leben nennen würde. Alles spielte sich fortan hinter mit Unmengen an Namen versehenen Klingelschildern ab, zu denen man meist keinen Zutritt hatte. 

 



Man muss sich das einmal vorstellen. Seine eigene Kindheit wird Haus für Haus entsorgt. Kunstvoller Stuck oder verschnörkelte Hauseingänge galten plötzlich als Ausdruck einer überholten Architekturauffassung, die es beinahe um jeden Preis zu beseitigen galt. Zugleich verschwanden mit den Häusern auch all jene Dinge, die man als Kind schätzte. Den Laden an der Ecke, in dem man so manche Mark seines Taschengeldes für Süßigkeiten oder Comic – Hefte ließ, das Spielwarengeschäft, in dessen Kellerräumlichkeiten sich die vielgeliebte Modellbahnabteilung befand, das Kino, in dem man einst  schüchtern die Hand seiner Angebeteten hielt… ach, die Liste jener Dinge ist riesengroß.

 

Nach dem ich schon die Kameras meiner Großmutter nutzen durfte, bekam ich dann aus Anlass meiner Konfirmation, die damals ja noch ein echtes Großereignis war, aus deren Anlass Familie, Bekannte und Freunde in kampfstarken Bataillonen aufmarschierte, meine erste wirklich moderne Kamera geschenkt. Mein Onkel hatte mein Interesse wahrgenommen. Nun gab es kein Halten mehr. Neben Onkel und Tanten wurde vor allem mein sich stetig vergrößerndes Umfeld fotografiert. Was gestern noch stand, konnte schließlich morgen schon nicht mehr da sein.

 

Lutz Röhrig für www.zeit-fuer-berlin.de- sowie Jürgen Wölffer, Martin Woelffer und Gregor Gysi

| Der Schreiber dieser Zeilen (links vor der Bühne stehend), fotografiert von seiner Partnerin während der Kameraarbeit. Meinen Fragestellungen und Anmerkungen können sich selbst die "Politik" und die beiden Theaterdirektoren nicht entziehen. Die zufällig ins Bild geratene Zuschauerin hat dabei leider das Nachsehen...

 



Aus meinem Archiv. Im Laufe der Zeit kam mir so einiges vor die Kamera...

 

Wilhelm von Boddien im Gespräch mit zeit-fuer-berlin.de
Hans Rosenthal
Evelyn Künneke
Sven Dohrow, The Twins

| Wilhelm von Boddien - Hans Rosenthal - Jürgen Drews - Manfred Sexauer (Musikladen) - Evelyn Künneke - Sven Dohrow (West-Berliner Band "The Twins")

 


| Auch jemand, der sich meinem "Konfirmationsgeschenk" nicht entziehen konnte. Lang ist es her, das jener Herr im dunklen Anzug für einen kessen jungen Berliner zwangsläufig etwas Zeit haben musste...

 

Wer nun aber glaubt, dass die Zeit der Abbrüche von wertvoller Bausubstanz vorbei sei, sich auf eine längst veränderte Haltung der Stadtentwicklung beschränkt, der irrt jedoch. Es ist für mich anrührend und bewegend, wenn ich durch die Straßen meiner Stadt gehe und dabei entdecken muss, dass schon wieder eines jener Bauwerke dem Abbruch weichen muss, das bis vor Kurzem ob seines historischen Wertes noch unter Denkmalschutz stand oder für dessen Erhalt engagierte Berliner einst protestierten. Dass dieses Schicksal keineswegs nur irgendwelche Beliebigkeitsbauten in abgelegenen Nebenstraßen trifft, zeigt das Beispiel der beiden Bühnen der „Theater am Kurfürstendamm“.

 

Deren Tragödie hat in Berlin ein langes Vorspiel. So wurden, wie bereits erwähnt, ganze Straßenzüge meiner Kreuzberger Heimat in den 1960er -1980er abgebrochen und durch Neubauten wie dem „Neuen Kreuzberger Zentrum“ (NKZ) ersetzt. Eine monströse Architektur, die mit ihren verschachtelten Gängen und der "robusten“ Fassadengestaltung das gesamte Umfeld negativ beeinflusst hat und zum Kriminalitätsschwerpunkt werden ließ. 

 


 Zeit für Berlin - und einer Architektur im Abbruch


Berlin ist eine Stadt im Wandel. Bauwerke, an denen wir jahrzehntelang vorbeigegangen sind, verschwinden urplötzlich -abgebrochen in nur wenigen Tagen. Dass sie eine interessante Geschichte zu erzählen gehabt hätten, erfahren wir meist erst posthum. Doch dann ist es zu spät.

 

So gibt es seit einiger Zeit trotz aller Proteste die alten Theater am Kurfürstendamm nicht mehr, deren Kern noch aus der Zeit der "Berliner Secession" stammte. Kein geringerer als Max Liebermann sorgte dafür, dass es am Kurfürstendamm nicht nur Ausstellungsräume für die Bildnisse moderner Künstler, sondern auch einen Theaterraum gab. Heutige Investoren interessiert dies eher weniger. Wer ist schon Liebermann oder jene seltsame Kunstströmung am beginn des 20 Jahrhunderts, der wir letztlich nichts geringeres als die moderne Form der Malerei verdanken...

 

| Mit den abgerissenen historischen Häusern der Kurfürstendamm - Theater verbindet sich -  mit der Berliner Secession unter Max Liebermann und den Theater - Architekten Oskar Kaufmann, der das Haus 1921 umbaute -  sowohl ein Stück bedeutender Kunst- als auch Architekturgeschichte, die nun auf den Müll der Bauschuttentsorgung gelandet ist...

 


 Zeit für Berlin - und dem Laden an der Ecke


| Seit 1913 ist Musik-Bading in der heutigen Karl-Marx- Ecke Thomasstraße ansässig. Einst Fachhandel für Grammophone, dann Fachgeschäft für Fernseher und Schallplatten - und zuletzt für Musikinstrumente, Noten und Zubehör. Ein Brand am Silvesterabend 2017 zerstörte dieses einmalige Geschäft mit historischen Vorführräumen aus der Grammophon - Ära...

 

Mein Beruf, eher kaufmännisch intendiert, führte mir dann drastisch vor Augen, welch schweren Stand auch weltweit bekannte Familienunternehmen haben können. So blieben mir aus jener Zeit meiner ersten Berufsjahre auch hier nur Erinnerungen. Längst sind die Filialen dieses Unternehmens in den Einkaufsstraßen unserer Stadt geschlossen, die drei zugehörigen Fabriken abgerissen. Allein der Name blieb – als werbender Aufdruck anderer neuer Eigentümer.

 

Viele kennen noch den kleinen Laden in ihrer Straße, in der sie aufgewachsen sind und den längst die Zeit mit sich nahm. Oder das ehedem bekannte Geschäft, über das auch schon einmal die Zeitung geschrieben hatte - und irgendwann verschwand.

 

Doch dann ist es zu spät, um noch schnell ein paar Fragen nach der Geschichte des Ladens zu stellen oder gar Fotos zu machen für jene, die nach uns kommen und uns einmal fragen werden, was denn so besonderes war an jenem Geschäft, von dem wir aus unseren Erinnerungen erzählen. Und Bilder der Medien, sofern es sie jeweils gibt, sind längst nicht die eigenen, die eine ganz andere, ausführlichere Geschichte erzählen...

 


 Zeit für Berlin - und dem kleinen Kino in der Straße


Vielen ist noch das Kino ein paar Querstraßen weiter in Erinnerung geblieben, in dem sie vielleicht einst ihr erstes Rendezvous hatten, und dass trotz Film - CDs, Blue-rays, Fernsehen oder Internet-Streaming die Zeiten überdauerte.

 

Doch plötzlich findet man hier, statt nicht mehr ganz so neuer Hollywood - Filme nur noch allseits bekannte Textilketten oder Supermärkte. Bald kann sich niemand mehr erinnern, dass es je jenes heimelige Lichtspieltheater, in dem wir vielleicht einst unsere erste große Liebe schüchtern geküsst hatten, überhaupt einmal gegeben hätte.

 

Auch heute noch stirbt so manches Lichtspieltheater in unserer Stadt, und dies keineswegs nur auf Grund der wirtschaftlichen Auswirkungen von Corona. Ende 2019 schloss das Kino im Sony Center, 2020 das Colosseum an der Schönhauser Allee. 

| Das Moviemento am Kottbusser Damm in Kreuzberg. Deutschlands ältestes noch in Betrieb befindliches Kino. Bis in die 1970er Jahre war der große, später in drei kleine Kinosäle aufgeteilte Saal noch durch die Leinwand geteilt. Hinter der Leinwand sahen die Zuschauer auf verbilligten Plätzen den hier für sie seitenverkehrten Film korrigiert durch einen Spiegel.

 


 Zeit für Berlin - und all den liebenswerten Dingen


| Der Schneider der Stars. Im Mai 2016 schloss Günter Adam sein Atelier, in dem er schon für Jack White, Harald Junke, Wolfgang Völz, Meret Becker oder Klaus Löwitsch Anzüge gearbeitet hatte, für immer sein Atelier in der Meinekestraße am Kurfürstendamm. 

Meine Internetseite möchte aber nicht nur an Vergangenes erinnern, sondern vielmehr dazu aufrufen, all das zu unterstützen, was es in unseren Straßen noch immer gibt. Sie appelliert dazu, statt den Laptop für die nächste Bestellung aufzuklappen, einfach mal vor die Tür zu gehen und den Händler an der Ecke seine Aufmerksamkeit zuzuwenden. Was man da alles abseits de Einkaufs sieht und erfährt.

 

Einfach heute einmal nicht die Blu-Ray in den Rechner legen, sondern mal wieder ins Kino gehen. Das Erlebnis dort ist doch ein anderes, als auf dem Sofa Zuhaus. Und wissen Sie was? Plötzlich ist einem der Kiez, in dem man wohnt, nicht mehr egal. Man nimmt wieder am Leben Teil, dass einem umgibt. Es muss ja nicht immer die große Liebe von damals sein, die man wieder zufällig bei seinen Entdeckungen in der Stadt trifft. Es kann auch die Partnerin sein, die man einschließlich der Kinder einmal au Entdeckungsreise mitnimmt.

 

 Kann man seine Erinnerungen wieder zurückbringen? Sicher nicht. Aber man kann das festhalten, was man heute sieht. Bleiben Sie mir und meiner Leidenschaft für unsere im Wandel begriffene Stadt verbunden. Ein Klick auf den Newsletter – Button genügt…

 

Ihr Lutz Röhrig

 



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