Bruno Taut Kottbusser Damm Bürknerstraße Foto Lutz Röhrig

 Bruno Taut. Vier Beiträge



Bruno Taut. Teil 2.2

Wohnhaus Kottbusser Damm / Bürknerstraße



Zweiter Teil

Kapitel 5 - 6




 5 | Ehemalige Bäckerei - Das Kulturprojekt Spektrum



Die Bäckerei


Bereits in den alten Bauplänen hatte  der Eigentümer  Arthur Vogdt an der Ecke Spremberger Straße / Bürknerstraße die Einrichtung einer "Bäckerei und Konditorei" berücksichtigt. Offenbar hatte es kurz nach Abschluss der eigentlichen Baumaßnahmen Gespräche mit den potenziellen Mietern seiner Ladenlokale gegeben, die zu nachträglichen Änderungen im Grundriss führten.

 

Die geänderten Pläne mussten dann erneut der damaligen Baupolizei zur Genehmigung vorgelegt werden. Diese korrigierten Zeichnungen mit der Unterschrift Arthur Vogdt's blieben bis heute erhalten. 

 

Im Adressbuch der Gemeinde Rixdorf von 1912 findet sich ein erster Eintrag der in der Bürknerstraße 12 Ecke Straße 10c (heute Sprembergerstraße) ansässigen Bäckerei R. Bachmann. Die Bäckerei existierte und wechselnden Inhabern bis nach der Wende vom 20. ins 21. Jahrhundert. Doch dann kam das Aus, die Geschäftsräume nun standen leer. 

 

Bruno Taut Kottbusser Damm Bürknerstraße Bäckerei Spremberger Straße Foto Lutz Röhrig

| Adressbuchausschnitt von 1912 der Gemeinde Rixdorf

 


Bruno Taut Kottbusser Damm Bürknerstraße Bäckerei Spremberger Straße Foto Lutz Röhrig

| Korrigierte Grundrisszeichnung der Bäckerei und Konditorei. Die Zeichnung trägt die Unterschrift des Bauherrn und Architekten Arthur Vogdt


Kulturprojekt Spektrum


Berlin Neukölln Bruno Taut Kunstgalerie Spektrum Lieke Ploeger

| Kunstgalerie "Spektrum". Tresen aus Glasbausteinen. Am Tresen Frau Lieke Ploeger. Aufnahme Lutz Röhrig.

 

2014 begannen Lieke Ploeger und Alfredo Ciannameo mit umfassenden Bauarbeiten für ihr in den Räumen der alten Bäckerei geplantes Kunst- und Kulturprojekt "Spektrum". Wände wurden verstärkt, Heizung und Toilettenanlage erneuert, damit aus der ehemaligen Bäckerei ein "Eventroom" für Aufführungen und Tagungen werden konnte.

 

Mitte 2015 war es dann soweit. Lieke Ploeger und Alfredo Ciannameo eröffneten im Taut – Haus einen Ort, welcher im Unterschied zu vielen anderen Projekten dieser Art in Berlin, Technik und Kunst zusammenbringt. An derartigen Räumen, die audivisuellen Künstlern, Performern, Filmvorführungen und Ausstellungen eine gemeinsame Bühne geben, mangelt es noch in Berlin. Das "Spektrum" wird als ein „offener Ort“ geführt, der unterschiedliche Künstler zusammenbringen soll. Abschottungen und Trennungen nach Kunstrichtungen wie bei klassischen Kunsträumen gibt es hier nicht. Dementsprechend gemischt ist auch das jeweilige Publikum - und die Atmosphäre auch während der Veranstaltungen völlig zwangslos... 

 


Bruno Taut Kottbusser Damm Spremberger Straße Foto Lutz Röhrig

| Kunstgalerie "Spektrum". Die Aufnahme zeigt die Galerie während des Umbaus 2014. Hierbei fanden sich im ehem. Toilettenbereich auch noch Fliesen aus der Erbauungszeit und der Nutzung der Räume als Bäckerei. Ich bedanke mich bei Frau Lieke Ploeger, Mitbegründerin des Spektrums, für die Überlassung des Fotos.

 

Bruno Taut Kottbusser Damm Spremberger Straße Foto Lutz Röhrig

| Kunstgalerie "Spektrum". Eventraum nach dem Umbau. Aufnahme Frau Lieke Ploeger.

 


| Kunstgalerie "Spektrum". Aufenthaltsbereich. Aufnahme Lutz Röhrig.

 

 Neukölln Bruno Taut Kunstgalerie Spektrum

| Kunstgalerie "Spektrum". Im Toilettenbereich fanden, wie Frau Ploeger berichtete, einige der im Keller aufgefundenen Türen aus der Erbauungszeit des Hauses wieder Verwendung. Aufnahme Lutz Röhrig.

 


Bruno Taut Kottbusser Damm Spremberger Straße Foto Lutz Röhrig

| Kunstgalerie "Spektrum". Eventraum nach dem Umbau während einer Veranstaltung. Deutlich sind am Mauerwerk die - absichtlich belassenen - Spuren der Vornutzung erkennbar. Copyright: Dario Muriel Giorgio & Elena Vertebra. Freundliche Überlassung durch Frau Lieke Ploeger.


 6 | Eine Spurensuche im Taut - Haus. Was blieb an Details



Treppenhaus Kottbusser Damm


Bruno Taut Kottbusser Damm Eingang Foto Lutz Röhrig

| Auch im Bereich des Kottbusser Damms ist die ursprüngliche Tonplatten - Verkleidung Tauts weitgehend verschwunden. Statt dessen wurde in den 1960er Jahren diese für die Zeit typische Verkleidung aus schwarzen und vereinzelten bunten Fliesen angebracht. Treppenstufen und Tür noch original, jedoch letztere durch aufgesetzte Metallplatte und Schloss auf der Außenseite stark verändert.

 

Bruno Taut Kottbusser Damm Treppenhaus Foto Lutz Röhrig

| Treppenhaus Kottbusser Damm. Hier ist - wie auch in den anderen Aufgängen - das originäre Treppengeländer erhalten geblieben. Inwieweit auch die - mehrfach erneuerte - Farbgebung noch original ist, ist für mich nicht feststellbar. Original sind auch die braun-weißen Bodenfliesen.

 


Bruno Taut Kottbusser Damm Treppenhaus Wohnungseingänge Foto Lutz Röhrig

| Treppenhaus Kottbusser Damm. Viele der Türen mit ihren vertikalen Profilen in den Kassetten sind noch originär, teilweise sogar die Schlösser. Leider wurden die Klingelanlagen irgendwann ausgetauscht. Lediglich die alten Klingelbretter blieben.

 

Bruno Taut Kottbusser Damm Treppen Foto Lutz Röhrig

| Treppenhaus Kottbusser Damm. Tauts Treppengeländer scheint gegenüber der Gestaltung von Häusern der Jahrhundertwende einfach und schlicht. Doch die Raffinesse liegt im Detail. Man beachte die Profile unterhalb der Stufen und die Eierstabdekore an den Treppenwangen.

 


Bruno Taut Kottbusser Damm Treppenhaus Fenster Foto Lutz Röhrig

| Treppenhaus Kottbusser Damm. Die Fenster dieses Haus dürften zu den wenigen Beispielen gehören, die trotz des Krieges noch erhalten blieben.

 

Bruno Taut Kottbusser Damm Hauseingang Foto Lutz Röhrig

| Treppenhaus Kottbusser Damm. Eingangstür zur Straße. Besonders interessant - neben der Ornamentik - die ebenfalls klappbaren Seitenflächen.



Ehemaliger Saalbau


Bruno Taut Kottbusser Damm Eingang Ballsaal Foto Lutz Röhrig

| Die drei Bogenportale an der Bürknerstraße. Wenn es eine gemeinsame Verbindung zum zweiten Taut - Haus am oberen Ende des Kottbusser Damm gibt, dann die Betonung von Veranstaltungsstätten durch drei Bogenportale. Während beim zweiten Taut - Haus hinter diesen Bögen den Besucher ein Kino erwartet, dann war es hier der weithin bekannte Saalbau der "Kottbusser Klause". Linkes Portal der Eingang zum Saalbau, in der Mitte zum Treppenhaus und rechts - mit Pförtnerloge - der Künstlereingang mit Garderobe und Treppenaufgang zur Galerie. Auch hier sind noch Reste der Tonplatten - Verkleidung Tauts vorhanden.

 

Bruno Taut Kottbusser Damm Torweg Foto Lutz Röhrig

| Benachbarte Hofdurchfahrt, Blick in Richtung Bürknerstraße. Hier blieben noch Türen und seitliche Fliesen erhalten. Auch im Bodenbereich findet sich noch der originäre Bodenbelag.

 


Bruno Taut Kottbusser Damm Torweg Leuchte Foto Lutz Röhrig

| Zur originären Ausstattung scheint auch diese fest in der Wand eingemauerte Lampe zu gehören, neben der man etwas simpel eine moderne gesetzt hat. 

 

Bruno Taut Kottbusser Damm Torweg Leuchte Foto Lutz Röhrig

| Klappt man die Lampenabdeckung auf, so blickt man auf Vorkriegs - Technik, die vielleicht schon seit den Tagen Tauts dort so vorhanden ist. 

 


Bruno Taut Kottbusser Damm Hof Ballsaal Foto Lutz Röhrig

| Blick in den II. Hof entlang des ehem. Saalbaus. Im Hintergrund die Treppe zum rückwärtigen Ausgang. An der Wand sind noch deutlich die zugemauerten Türen und Fensteröffnungen zu erkennen, an denen einst wohl auch Fensterläden angebracht waren. Die hier noch vorhandenen Riegel und Scharniere lassen dies erahnen.

 

Bruno Taut Kottbusser Damm Hof Ballsaal Hintereingang Foto Lutz Röhrig

| Der rückwärtige Saaleingang mit seiner geschwungenen Treppe. Typisch auch für die Zeit die Verwendung von weiß glasierten Ziegelsteinen für den Hofbereich. Auch das Geländer ist noch originär.



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