Ein Unfall in der Admiralstraße


...vor 40 Jahren!

Ein Unfall
in der Admiralstraße

...vor 40 Jahren!

Ein Unfall in der Kreuzberger Admiralstraße Anfang der 1980er Jahre. neben dem Unfallgeschehen sind hier vor allem die noch nicht abgebrochenen Häuser interessant.

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Feuerwehr in Berlin


Feuerwehr in Berlin

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1 | Ein Termin

Bild und Text: Lutz Röhrig 

Irgendwann zu Beginn der 1980er Jahre hatte ich einen Termin. Irgendeine schulische Angelegenheit. Ich ging, vom Planufer kommend, die Admiralstraße entlang, um vom Kottbusser Tor aus mit der U-Bahn weiterzufahren. Die Admiralstraße hatte sich zu dieser Zeit bereits stark gewandelt. Die vielen Geschäfte, die es bis zuletzt dort noch gab, waren längst verschwunden. Geschäfte voller Erinnerungen – auch für uns Kinder etwas unangenehme. Waren wir etwa in Begleitung unserer Großmutter, um z. B. in den Zoo zu fahren, so wurden wir oft lange von so manchem Ladeninhaber aufgehalten, welcher plötzlich aus seinem Geschäft trat, um mit ihr ein paar oder gar noch mehr Worte zu wechseln. Und auch die ein oder andere Besorgung war dort durch uns zu erledigen, die uns nur vom Spielen abhielt.


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Diese „Gefahren“ bestanden längst nicht mehr. Die Geschäfte waren mit Brettern zugenagelt, traurige Reklamereste erinnerten noch an sie. Niemand arbeitete oder wohnte in den Häusern mehr, die, bis auf wenige Ausnahmen, zum Abbruch für eine nie verwirklichte Autobahn bestimmt waren. Keine Frau Dürner stand mehr vor ihrem Fischladen, kein „Fahrrad Mietzner“, keine Frau Lampke mit ihrem Schallplatten – und Elektroladen, kein Bäcker Kuntze oder Schlächter Ross.

Ds erste unfallfahrzeug blieb im Bereich der Kreuzung Admiral- und Kohlfurter Straße liegen.

| Das mitten auf der Kreuzung an der Unfallstelle liegengebliebene Fahrzeug (ein Ford Escort Serie 2). Aus heutiger Sicht aber viel interessanter ist das Umfeld. Der Blick geht entlang der Admiralstraße hin zur Admiralbrücke. Rechts blieben einige wenige Altbauten vom Abbruch verschont. Das im Vordergrund einst stehende Eckhaus zur Kohlfurter Straße  (nach rechts geht es zum Wassertorplatz) ist jedoch bereits ebenso abgebrochen, wie die hinter dem Sportplatz stehenden Gebäude. 

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2 | Der Unfall

Das zweite fahrzeug wurde jedoch über den Gehweg hinweg bis zu einem Verteilerkasten geschleudert.

| Das zweite Fahrzeug  (ein Kadett C- Coupe) erhielt durch den Zusammenprall derart viel Energie, dass es sich waagerecht auf zwei Rädern an dem hellbraunen Fahrzeug (ein Opel Rekord D) vorbeischob und erst durch einen Verteilerkasten der Post zum stehen kam. Das Gebäude im Hintergrund ist das dem Sportplatz gegenüberliegende Eckhaus zur Kohlfurter Straße. Nach links würde man zur Kottbusser Brücke kommen. Die ersten beiden, weiß eingefassten ehem. Schaufenster, gehörten zum Lebensmittelgeschäft von Frieda Pohl. Hinter der Motorhaube des Unfallfahrzeugs befand sich einst ein Schreibwarengeschäft mit großer "Geha"-Werbung, dem sich dann nach dem Hauseingang das Spiel- und Kurzwarengeschäft anschloss.

Mit den Geschäften verschwand damit auch so manche Skurrilität. So zum Beispiel das Nagelstudio, das gleich neben dem durch einen Sportplatz ersetzten Eckhaus zur Kohlfurter Straße seine Räume hatte. Gruselige Fotos waren da im Schaufenster von deformierten Zehennägeln zu sehen. Auch der Obstladen in dem noch vorhandenen Eckhaus gegenüber war verschwunden, samt dem Spielwarenladen im Gebäudeteil an der Kohlfurter. Immerhin stand es noch, wenn auch mit Brettern vernagelt.

 

Ein lauter Knall ließ mich plötzlich, eben an jener Straßenecke angelangt, damals zusammenzucken. Zwei Fahrzeuge waren an der Kreuzung zusammengestoßen. Doch während das eine Fahrzeug völlig demoliert auf der Kreuzung liegen blieb, hatte das zweite Fahrzeug durch den Zusammenprall eine derartige Wucht erhalten, das es sich – wie in einem schlechten Actionfilm – seitlich aufrichtete, an einem parkenden Fahrzeug auf dem Bürgersteig vorbeifuhr und hier erst an einem grauen Verteilerkasten der Post zum Halten kam. Nicht auszudenken, hätte dort jemand auf dem Bürgersteig gestanden…

 

Aufgeschreckte Passanten liefen, nach den ersten Schrecksekunden, zu dem Fahrzeug, dessen Fahrer in dem auf zwei Rädern seitlich stehenden Fahrzeug auf die gegenüberliegende Seite gerutscht war. Ob er das Drama womöglich unverletzt überlebte, ist mir nicht mehr in Erinnerung geblieben – denn schnell musste ich meine Kamera aus der Wohnung am Planufer holen.

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3 | Fahrzeugbergung mit Drehleiter

Als ich zurückkam, war der Fahrer längst geborgen und die Feuerwehr mit ihrer Drehleiter (damals noch auf MAN – Kurzhauber Fahrgestell) dabei, das am Verteilerkasten gestrandete Fahrzeug zu bergen. Keine einfache Aktion, da es angehoben werden musste. 

 

Ein Verkehrsunfall war im Grunde natürlich auch schon damals eine alltägliche Angelegenheit. Doch in der Rückschau, nach nunmehr über 40 Jahren, sind die Bilder von Interesse. Längst ist das Eckhaus, vor dem sich der Unfall ereignete, abgebrochen worden und auch viele der anderen Häuser sind verschwunden. Die gesamte Straße hat heute durch den Bau der Jens-Nydahl-Grundschule, welcher den gesamten Kreuzungsbereich einnimmt, einen völlig anderen Charakter erhalten.

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Die Feuerwehr bereitet mit einer Drehleiter den Hubvorgang zur Bergung vor.

| Um das Fahrzeug zu bergen reichte eine Drehleiter der Feuerwehr. Routiniert wurden Gurte unter das Auto gezogen, an dem die Hebevorrichtung der Drehleiter befestigt werden konnte. Damals war die Feuerwehr noch mit MAN Kurzhauberfahrzeugen ausgerüstet.


Hubgurte umschlingen das Fahrzeug.

| Der Hubvorgang beginnt - und die Tagespresse (mit brauner Lederjacke vor dem Fahrzeug hockend) ist mittlerweile auch vor Ort. 

Das Fahrzeug wird über den Verteilerkasten hinweg gehoben.

| Das Fahrzeug wurde mittlerweile über den Verteilerkasten gehoben und ein paar Feuerwehrmänner sorgen dafür, das es die richtige Richtung beibehält. Der Journalist davor in "Kampfstellung" um das beste Foto. 

Aufsetzen des Fahrzeug auf der Fahrbahn.

| Die Vorderräder des Fahrzeugs berühren fast schon wieder den Boden. Und auch die "Journaille" macht die letzten Fotos. 

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4 | Ausblick. Die moderne Admiralstraße 

Die Kreuzberger Admiralstraße heute.

| Die selbe Straßenecke heute (das Eckhaus stünde links) . Längst sind die Altbauten abgerissen. Der Straßenquerschnitt wurde durch den Bau der Jens-Nydahl-Grundschule verengt. Zudem verläuft ein Verbindungsgang unter der Straße, welcher die beiden Gebäudeteile verbindet. Dadurch müssen Fußgänger nun eine kleine Rampe hinauf gehen. 

Die bereits halb im Abbruch befindliche Admiralstraße beherrschte damals eine Tristesse, wie sie auch weite Teile Kreuzbergs dominierte und in Wim Wenders „Der Himmel über Berlin“ so gekonnt zum Ausdruck kam.

 

In der Mitte der Kreuzung befindet sich heute das 1985 entstandene Denkmal der Künstlerin Ludmilla Seefried-Matejkova, welches (neben zwei auf dem Sockel sitzenden Punks) zwei Admiräle zeigt, wie sie mit ihren Ferngläsern nach der alten Admiralstraße Ausschau halten. Ob sie diese jemals wieder finden werden?

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