Der Schiffsanleger Kottbusser Brücke Teil 1


Die Reederei Otto Schmidt und die Ankerklause

Der Anleger Kottbusser Brücke

Teil 1. Die Reederei Otto Schmidt und die Ankerklause

Ankerklause und Schiffsanlegestelle Kottbusser Brücke

Erster Teil. Inhalt und Kapitelübersicht

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Vorwort1

 1 | Die Lösung eines alten Rätsels...


Text: Lutz Röhrig  Bild: Familie Schmidt und Lutz Röhrig

Manchmal ist es ein Anruf, welcher die Lösung eines alten Rätsels bringt. Eines Tages erreichte mich ein Anruf. Sein Name, so stellte sich der Anrufer vor, sei Schmidt. Heinz Schmidt, Sohn von Hans Schmidt. Er sei auf den Artikel über den Schiffsanleger Kottbusser Brücke und dem zugehörigen Lokal "Ankerklause" aufmerksam gemacht worden - und auch auf die im Text gestellten Fragen. Nicht nur auf diese könne er als letzter noch lebender Nachkomme der Reederei "Otto Schmidt" Antwort geben...  


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Und so kam es zu einem äußerst spannenden Nachmittag bei Kaffee und von uns mitgebrachten Kuchen. Alte Fotos wurden gezeigt und viele, bislang kaum bekannte Dinge über die einst stadtbekannte Reederei Otto Schmidt erzählt. Denn die üblichen Quellen geben über die Reederei, trotz ihrer damaligen Bekanntheit, nur wenig Auskunft. Die Kehrseite: Der Artikel über den Schiffsanleger musste nun umfassend ergänzt und erweitert werden...

  

Schiffspatent des Wilhelm Schmidt, 1859.

| Schiffspatent des Wilhelm Schmidt, Wittenberge 1859, dem Ururgroßvater von Heinz Schmidt. Familienbesitz.

 


Die alte Bier-Halle an der Waisenbrücke.

| Die hier bereits zu einer Bierhalle umgewandelte ehem. Obsthalle. Bei der Dame rechts soll es sich um Frau Auguste Schmidt handeln. 

 

Und so beginnt die Geschichte des später an der Kottbusser Brücke errichteten Anlegers im Grunde bereits vor der Jahrhundertwende, als Otto Schmidt (15.4.1859-1916) und seine Frau Auguste (geb. Lange, 2.5.1868-1921) mit ihrem Kahn Obst und Gemüse nach Berlin brachten, das sie in einem eigens errichteten hölzernen Verkaufshäuschen an der damaligen Straße "An der Stralauer Brücke" verkauften.

 

Die zwischen der damaligen Waisenbrücke und der Jannowitzbrücke gelegene Uferstraße hatte den Namen nach der schon damals nicht mehr bestehenden Stralauer Brücke über den Königsgraben erhalten, der hier einst von der Spree abzweigte und für den Bau der Stadtbahn zugeschüttet worden war. Erst nach dem Ende umfangreicher Bauarbeiten (Anlage des Waisentunnels der U-Bahn, Neubau der Ufermauern) war am 15. Dezember 1930 die Straße "An der Stralauer Brücke" mit in das bereits seit 1905 bestehende "Rolandufer" einbezogen worden.

 

Otto Schmidt entstammte einer Schifferfamilie, bereits sein Urgroßvater Wilhelm Schmidt war Elbschiffer in Havelberg gewesen. Für unsere Geschichte ist eben jenes Verkaufshäuschen an der nach dem Krieg abgebrochenen Waisenbrücke von Wichtigkeit, das im weiteren Verlauf ans Maybachufer unmittelbar neben der Kottbusser Brücke gelangen sollte. 

 


Taufschein für Hans Schmidt.

| Taufschein für den am 20. März 1895 geborenen Hans Schmidt. Sein Vater Karl Wilhelm Otto Schmidt (Otto Schmidt sen.) ist hier als "Gemüsehändler" angegeben. Die Taufe fand am 26. Januar 1896 in der Parochialkirche statt.

 

Die Waisenbrücke mit der Obst-Halle.

| Eine im Grunde bekannte Ansicht der heute nicht mehr bestehenden Waisenbrücke, Aufgenommen etwa um 1900. Links im Hintergrund das im Krieg zerstörte Kaufhaus Neu-Köln mit seinem hohen Eckturm, daneben läge das hier nicht zu sehende Märkische Museum. Im Hintergrund rechts die Petrikirche. Im Vordergrund die für unsere Geschichte interessante Obst - Halle am Rolandufer. Postkarte: Sammlung Röhrig.

 


Reederei2

 2 | Gründung der Reederei Otto Schmidt


Nach dem Tod von Otto Schmidt Senior im Jahr 1916 wurde die Obst-Halle in eine Bier-Halle, welche den Namen "Zur Spreenixe" erhielt, umgewandelt, wie eine alte Postkarte von 1918 zeigt. Otto Schmidts Sohn, Otto jun. (25.9.1900-5.8.1966) begründete dann am 2. September 1920 die "Reederei Otto Schmidt", die er zusammen mit seinen beiden Brüdern Hans (20.3.1895-29.11.1954) und Paul (6.6.1889-20.9.1963) betrieb. Auch die Anlegestelle der neuen Reederei lag nach wie vor "An der Stralauer Brücke".

 

Erstes Motorschiff der Reederei war die je nach Quelle zwischen 130-180 Personen fassende "MS FORELLE", mit der 1921 der Schifffahrtsbetrieb aufgenommen wurde. Im Dienst blieb sie bei der Reederei vermutlich bis ca. 1924, da dann der erste Neubau, die "MS Pik AS" bei der Werft Bruno Winkler für die Reederei Schmidt fertiggestellt worden war. Das Schiff wies jedoch eine derart schlechte Wasserlage auf, so dass das Heck zusätzlich beschwert werden musste. Das Schiff wurde spätestens 1928 verkauft, wurde jedoch bereits 1925 an andere Reedereien weitergegeben. 

 

1925/26 muss die Reederei Ihren angestammten Liegeplatz "An der Stralauer Brücke" auf Grund der Baumaßnahmen aufgeben. Das gesamte Ufer einschließlich der Schiffsanlegestellen wurde neu gestaltet und erhielt sein heutiges Aussehen ohne Buden und Badeanstalten. Otto Schmidt entschied, die Hauptanlegestelle ans Neuköllner Maybachufer unmittelbar neben der Kottbusser Brücke zu verlegen. Hier gab es bereits eine der Reederei gehörende Anlegestelle. 

 

Das Restaurant "Spree-Nixe" an der Waisenbrücke.

| Die Postkarte, welche den Datumsstempel von 1918 trägt, zeigt die nun zur Bier - Halle "Spreenixe" umgewandelte ehem. Obst-Halle. Neu entstanden ist zu diesem Zeitpunkt eine quer zur Bierhalle verlaufende Schiffsbrücke. Postkarte: Sammlung Röhrig.

 


Anzeige der Reederei Schmidt Rolandufer 1.

| Eine Anzeige aus der Zeit kurz nach der Verlegung der Anlegestelle zur Kottbusser Brücke. Das Büro am Rolandufer hat hier noch die Nummer 1.

 

Aus Sparsamkeit, aber wohl noch mehr aus Sentimentalität den verstorbenen Eltern gegenüber beschloss die Familie Schmidt, das alte Verkaufshäuschen zur neuen Anlegestelle mitzunehmen. Auf Grund der Unterquerung des Landwehrkanals durch die heutigen U-Bahnlinie 8 und dem damit verbundenen Bau einer Wehrkammer besteht an der Kottbusser Brücke ein mit Fenstern besetzter gemauerten Sockel - optimale Voraussetzungen, um das alte Verkaufshäuschen von der Waidendammer Brücke, wo es gleichfalls auf einen Sockel stand, nun hierhin zu versetzen. 

 

Trotz der Verlegung der Hauptanlegestelle zur Kottbusser Brücke verblieb das Büro der Reederei Otto Schmidt weiterhin an der Waisenbrücke, allerdings nannte die Adresse sich ab 1930 auf Grund der Umbenennung der Uferstraße "Rolandufer". Auch die Hausnummer wechselte: von 1 nach 9. Stets blieb es aber das Haus kurz vor der Ecke zur Waisenstraße.

 

Die Reederei Otto Schmidt stellte in den kommenden Jahren weitere Neubauten in Dienst, zu denen auch die nach den vier Assen des Kartenspieles benannten Schiffe gehörten. Bald war sie als "Reederei der vier Asse" stadtbekannt, obwohl auch Schiffe unter anderer Namensbezeichnungen in ihren Diensten standen. Zum geschäftlichen Erfolg der Reederei trugen vor allem - neben Ausflugsfahrten in die Umgebung Berlins wie z. B. Potsdam - Fernfahrten mit der "MS KREUZ AS" von Berlin aus nach Stettin und Hamburg bei.

 

Außer den Fahrten nach Potsdam, wo sich an der Langen Brücke eine Schiffsanlegestelle der Reederei befand, gehörte aber auch Glindow am Scharmützelsee (heute ein Ortsteil von Werder an der Havel) - dem ehem. Stammsitz der Familie - mit zu den Zielen der Reederei Schmidt. 

 


Anlegestelle Kottbusser Brücke in den frühen dreißiger Jahren.

| Die Anlegestelle Kottbusser Brücke in den frühen 1930er Jahren - noch ohne die "Ankerklause". Im Hintergrund das im Krieg zerstörte Kaufhaus Jahndorf.

 

Die Brüder Paul, Hans und Otto Schmidt.

| Von links nach rechts, die drei Schmidts: Paul, Hans (der Vater von Heinz Schmidt) und Otto in den 1950er Jahren.

 


Krieg3

 3 | Krieg und Nachkriegszeit


Der Krieg sorgte in seinen letzten Jahren für eine weitgehende Einstellung des Schifffahrtsbetriebs. Treibstoff war knapp, viele Schiffe und Anlegestellen waren zerstört. Zudem behinderten Trümmer der von der Wehrmacht in den letzten Tagen des Kriegs gesprengten Brücken, insbesondere in den Berliner Gewässern und Kanälen, jeglichen Verkehr.

 

Auch die Kottbusser Brücke war durch die Sprengungen der Wehrmacht schwer gezeichnet. Nur ein kleiner Rest einschließlich der imposanten Sandstein - Balustrade war auf der Seite des Plan- und Fraenkelufers stehengeblieben und diente den Fußgängern als behelfsmäßiger Übergang. Erst 1949 begann der Wiederaufbau dieser wichtigen Straßenverbindung.  

 

Den Krieg unbeschadet überstanden hatte die 1938 erbaute „Pik-As“, die Schmidt 1947 an seinen Freund Johann Blasen weitergab. Blasen war Schweizer Staatsbürger und ließ das Schiff in "Helvetia" umbenennen. Mit der "Helvetia" unternahm Schmidt Fahrten nach Glindow. Der besondere Status des Schiffs gab eine gewisse Garantie für die zunehmend eingeschränkten Fahrten aus West-Berlin heraus in die "Sowjetische Besatzungszone" (ab 1949 DDR), zu der auch Glindow, der einstige Stammsitz der Familie Schmidt, nun gehörte. 1951 ging das Schiff wieder an Schmidt zurück, der es in "Karo-As" umbenannte. 

  

Wiederaufbau der Kottbusser Brücke. Legung der ersten Brückenbögen.

| Der Wiederaufbau der Kottbusser Brücke hat im Frühjahr 1949 begonnen. Auf der linken Seite der Brücke ist noch ein Rest der alten Brücke sichtbar, welcher die Sprengungen der Wehrmacht in den letzten Kriegstagen überstanden hatte. Zerstört ist auch das Eckhaus am Kottbusser Ufer (heute Fraenkelufer) Ecke Kohlfurter Straße. Im Vordergrund der Anleger mit der links im Anschnitt zu sehenden Ankerklause.

 


Fast fertiggestellte Kottbusser Brücke.

| Der Wiederaufbau der Kottbusser Brücke ist im vollen Gange. Unten rechts die "Ankerklause" und direkt an der Brücke der Zeitungsstand.

 

Auch die „Herz-As“ hatte den Krieg überstanden und wurde lediglich instand gesetzt. 1946 kaufte Schmidt, der die Reederei weiterhin mit seinen Brüdern Hans und Paul betrieb, die 1928 gebaute „MS Barbara“ aus Holland, die er auf 36,5 m verlängern und in „Pik-As“ umbenennen ließ.  

 

Ein besonderes Schicksal hatte die "Kreuz As", das ehemals größte Schiff der Reederei Schmidt. Ab 1937 führte das Schiff Transportdienste für die Wehrmacht durch. Dabei wurde sie 1944 mit einer Ladung Flugbenzin bei Schildhorn von einer Brandbombe getroffen und sank. 1954 wurde das Wrack gehoben und in der Werft Glindow aufgelegt. Doch statt eines Einsatzes für die Reederei Joachim Schmidt in Glindow erwarb 1957 Otto Schmidt das Schiffswrack und ließ es bis Juli 1958 aufarbeiten und zudem auch erheblich vergrößern. Schmidt hatte damit wieder seine "vier Asse" zusammen, allerdings konnte er mit seinen Schiffen nun 1500 Personen, statt, wie vor dem Krieg, ca. 980 Personen befördern.

 


Die Kottbusser Brücke und Ankerklause 1947.

| Die "Karo-AS", ursprünglich als "Pik-As" für Schmidt erbaut, hatte Schmidt 1947 an seinen Schweizer Freund Johann Blasen weitergegeben, der das Schiff in Helvetia umtaufte. Aus dieser Zeit stammt das kurz vor dem Bug zu sehende Schweizer Wappen. 1951 ging das Schiff wieder an als "Karo-As" an Schmidt zurück. Auf dem Foto liegt das Schiff an der inzwischen wiederhergestellten Kottbusser Brücke. Im Hintergrund die Ruine des "Union - Kaufhauses" am Kottbusser Damm. Später wird hier das Kaufhaus "Bilka" entstehen, das zur Hertie - Gruppe gehörte. 

 

Die Ankerklause in den 1950er Jahren.

Die Aufnahme der Ankerklause stammt von einem ehem. Mitarbeiter eines Getränkeunternehmens, welcher die zur Verfügung gestellten Werbeträger (wie hier die Leuchtreklame auf dem Dach) vor Ort zu fotografieren hatte. Zwischen der "Ankerklause" und dem Zeitungskiosk besteht noch immer eine Lücke, um die zum Wasser hinabführende Treppe erreichen zu können. Foto mit freundlicher Genehmigung von "H.Bmaier/gluecksflaschenpost@aol.com"

 


Werbung für Coca-Cola.

Auch diese Aufnahme entstammt dem ehem. Mitarbeiter des Getränkeunternehmens. Noch fehlt am Gebäude der Ankerklause die spätere Erweiterung mit dem großen Fenster (auf der Seite des Treppenabgangs zur Anlegestelle). Foto mit freundlicher Genehmigung von "H.Bmaier/gluecksflaschenpost@aol.com"

 

Erweiterung der Ankerklause.

| Irgendwann Anfang der 1960er Jahre begann man damit, das Gebäude der Ankerklause bis zum benachbarten Zeitungskiosk zu erweitern. 

 


Prospekt der 1950er Jahre.

| Prospekt der Reederei Schmidt nach der Inbetriebnahme aller 4 Asse. Das Büro der Reederei befand sich nun am Linke Ufer 44.

 

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 4 | Joachim Schmidt in Glindow


Noch wird im Berliner Adressbuch der mittlerweile im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands (ab 1949 DDR) liegende Stammsitz der Familie Schmidt in Glindow (Werder) als "Zweigstelle" der Reederei Schmidt am Maybachufer 7 genannt.  Dementsprechend gehen mit Unterstützung Otto Schmidts auch in Glindow die Arbeiten zum Wiederaufbau eines Reedereibetriebs voran. Hier erwarb der weiterhin in Glindow lebende älteste Sohn von Hans Schmidt, Joachim Schmidt, zwei während des Kriegs im Scharmützelsee gesunkene Wracks und setzte diese wieder instand. Am 28. Juni 1947 erhält die "Schmidt Fahrgastschiffahrt Glindow" die Gewerbegenehmigung. Mit seinen beiden Salon-Schiffen "Rheingold" und "Karo-As" befuhr er die Linien Potsdam (Lange Brücke)- Glindow sowie Potsdam - Phöben. Zudem transportierte er Obst und Gemüse auf dem Wasserweg aus Glindow und Werder nach Berlin und bot seine Schiffe für Betriebsausflüge an. Wie Fotografien jener Zeit zeigen, fuhr er mit diesen Schiffen auch zur nun in West-Berlin gelegenen Anlegestelle an der Kottbusser Brücke.

  

Anzeige der Reederei Schmidt 1950er Jahre.

| Noch warb die Reederei Schmidt mit ihrer "Zweigstelle Glindow", wie dieser Ausschnitte aus dem Berliner Adressbuch von 1951 zeigt. Doch die sich abzeichnende Teilung Deutschlands bedeutete bald die endgültige Trennung des West-Berliner und des Glindower Schiffsbetriebes.

 


Fahrplan der Reederei Schmidt 1950er Jahre.

| In den frühen 1950er Jahren - das Büro der nun West-Berliner Reederei Otto Schmidt ist längst vom Rolandufer zum Maybachufer verlegt - werden noch Fahrten in die "Zone", auch zum alten Familienstammsitz in Glindow, unternommen. Erst 1952 war es West- Berlinern verboten, in die "Zone" (Umland) zu fahren.

 

Auch Joachim Schmidts Privatleben prosperierte: Am 4. April 1948 gab er "seiner Hildegard" das Jawort. 1957 erweiterte Joachim Schmidt seine Geschäftstätigkeit und kaufte - nach erhaltener Genehmigung zur Eröffnung eines Lastfuhrbetriebs - seinen ersten LKW, einen alten Renault, den er mühevoll aufarbeitete. 1958 musste Schmidt einen Kommissionsvertrag mit dem VEB Güterkraftverkehr in Potsdam abschließen. Auch die ihm hieraus auferlegten Transporte erfüllte er zuverlässig.

 

1962 stellte Joachim Schmidt seinen Schifffahrtsbetrieb ein und verkaufte seine Schiffe. Fortan konzentrierte er sich nur noch auf den Speditionsbetrieb. Nach dem Tod Joachim Schmidts im Jahr 1985 übernahm sein Sohn Manfred den Betrieb. Er führte ihn als Privatbetrieb weiter, was in der DDR mit ihren staatlich gelenkten Firmenkonglomeraten keineswegs einfach war. Doch der Betrieb überlebte. Heute, nach über 70 Jahren, gehört die Spedition Schmidt zu den erfolgreichen, noch  inhabergeführten Unternehmen der Region. Aktueller Geschäftsführer ist weiterhin Herr Manfred Schmidt.

 


Blick auf den Anleger Kottbusser Brücke in den 1950er Jahren.

| Die Anlegestelle an der Kottbusser Brücke im Jahre 1947. Außen rechts die "Rheingold", die zuvor der Reederei Max Pohl gehört hatte. Ebenfalls Max Pohl hatte die zuvor unter den Namen "Freischütz" gelaufene "Karo As" gehört. Beide Schiffe fuhren für die "Schmidt Fahrgastschiffahrt Glindow" -der Reederei von Joachim Schmidt. Ganz links die "Helvetia", spätere "Pik-AS". 

 

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 5 | Weihnachtsbaumverkauf an der Brücke


Das Winterhalbjahr stellt seit jeher nicht nur die Berliner Reedereien vor Probleme. Die Schiffe lagen ungenutzt an den Anlegestellen vor Anker, allenfalls Reparaturen oder Umbauten fanden in jener Zeit noch statt. Doch Otto Schmidt blieb auch in dieser Jahreszeit nicht untätig. So bezog er zunächst aus Dänemark, später aus einem eigenen Wäldchen als einer der größten Weihnachtsbaumhändler Berlins seine Ware, die er per Bahn anliefern ließ und an der Kottbusser Brücke an Deck seiner Schiffe verkaufte. Alljährlich war dies ein stadtbekanntes Ereignis, über das die Berliner Abendschau ebenso wie die Tagespresse berichteten. Stets einen lustigen Spruch auf Lager, wurde der allseits beliebte Otto Schmidt seine Ware geradezu im Handumdrehen los. 

 

Weihnachtsbaumeinkauf Otto Schmidts.

| Otto Schmidt, der mit seinem Wagen alljährlich nach Dänemark fuhr, um Weihnachtsbäume zu bestellen.  Das KB - Kennzeichen steht übrigens für "Kommandantura Berlin" und wurde ab 1947 bis 1956 für Fahrzeuge in West-Berlin ausgegeben.

 


Kino6

 6 | Kino auf dem Wasser


Das Kino an der Kottbusser Brücke.

| Zeitungsartikel des "Telegraf" vom 9. März 1952 über das "Schwimmende Kintopp".

 

Zu einer besonderen Idee, um wenigstens eines der im Winter meist stillliegenden Schiffe besser auszulasten, kam es an einem Neujahrsmorgen im Jahr 1952, als "ein Kapitän ohne Fahrgäste, ein Theaterdirektor ohne Theater (Wulf Rittscher war ehemaliger Direktor des im im Krieg zerstörten "Berliner Theater" in Kreuzberg) und ein Reporter mit einer Schnapsidee" beisammensaßen. Man solle doch "auf dem Schiff Theater oder Kino machen" schlug der Reporter vor. Sechs Wochen später war es dann soweit. Ein offenbar selbst angefertigtes Plakat am Ufer kündete von der neuen Möglichkeit, auf der "Karo-As" nunmehr Stummfilme sehen zu können. 

 

Der Zuschauerraum auf dem Schiff fasste hundert Personen, "wenn diese dicht gedrängt wie Sprotten in der Kiste" auf ihren Stühlen beisammen saßen. Rechts neben der Leinwand saß der Erklärer, dahinter, inmitten des Publikums in einer Loge, der "Herr Operateur" G. Schwieger. Seine Künste wurden vom Publikum bejubelt, insbesondere, wenn er an erotischen Stellen einen roten Filter, bei Eifersucht einen gelben vor die Linse legte. 

 

Auch für musikalische Untermalung der Stummfilme war gesorgt: Am Piano saß meist der mit Otto Schmidt befreundete Fabrikant Willi Hagedorn, der gegenüber der Schiffsanlegestelle im Erdmannshof am heutigen Linkeufer (damals Kottbusser Ufer 39-40) seine "Nougat- & Marzipanmassen – Fabrik Hagedorn & Co." betrieb. 

 

Das Kino auf der Pik-As lebte, so lässt sich dies aus einem "bewegten" Zeitungsartikel des "Telegraf" vom 9. März 1952 schließen, weniger von der hohen künstlerischen Qualität der gezeigten Filme, als von den als Kinomachern versammelten Spaßvögeln und der Stimmung an Bord.