Baudenkmal Lortzingclub?
Ein Clubhaus mit Geschichte. Teil 2
Topanker
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8 | Gebäudebeschreibung. Erdgeschoss
Diele, Garderobe und Wartebereich
Das zurückhaltend als „Landhaus“ bezeichnete Wohnhaus der Familie Bartel entsprach allen damaligen Ansprüchen nach Zweckmäßigkeit und, angesichts der Stellung Paul Bartels, nach Repräsentation.
Von der Straße betritt man das Gebäude über eine drei Stufen umfassende Treppe, die durch die Höhe des Kellergeschosses bedingt ist. Man erreicht zunächst einen als Windfang dienenden Vorraum, der in die geflieste "Diele" (später passender als "Halle" bezeichnet) führt. Die Diele wird von einem großen, gegenüber dem Eingang liegenden Kamin dominiert, welcher, obwohl funktionsfähig, weniger der Erwärmung (das Gebäude besaß von Anfang an eine Zentralheizung), als der Repräsentation dient. Den Besuchern steht rechts des Eingangs zur Diele eine Garderobe zur Verfügung, der sich unmittelbar eine Toilette anschließt.
Hatte der Besucher seine Garderobe abgelegt und sich erfrischt, so wandte er sich dem Wartebereich auf der linken Seite der Diele zu. Gleich neben dem Windfang konnte er auf den in der Wand eingelassenen Holzbänken Platz nehmen.
| Die Gartenseite des heutigen Clubhauses. Die Fenster blieben im Original erhalten, ebenso wie die Fledermausgaube. Verschwunden ist hingegen das Schwimmbad, das sich einst links an die Terrasse anschloss.
Links der Diele lag auch der erste, kleinere der beiden als Bürozimmer genutzten Räume (siehe Grundriss oben). Vorstellbar, dass dieser als Vorzimmer bestimmt war. Direkt von dem ersten kleineren Bürozimmer wie auch von der Diele war das zweite größere Bürozimmer zu erreichen, welches unmittelbar an der Gartenseite des Hauses lag.
Dieses zweite, an der Westseite des Hauses gelegene Bürozimmer war Teil einer noch aus zwei weiteren Zimmern bestehenden, sich entlang der Gartenseite entwickelnden Raumflucht, die miteinander jeweils durch eine Schiebetür verbunden waren. So konnten bei entsprechenden Anlässen ein großer, 11 m langer Saal geschaffen werden. Ihr Licht erhielten diese Zimmer zum einen durch die Fenster und Türen der Gartenseite - sowie zur Querbelichtung durch die Fenster der beiden Stirnseiten, die genau in der Achse der Schiebetür lagen. Leider wurde das östliche Fenster in neuerer Zeit vermauert, was die Lichtverhältnisse nachhaltig veränderte.
| ...der gegenüberliegende Raumteil an der Ostseite. Hier wurde das stirnseitige Fenster vermauert, lediglich die Fenster zur Gartenseite (links) verblieben. Zur Küche besteht eine Durchreiche (rechts), die benachbarte Tür zum Anrichteraum ist verschlossen und hinter der Holzverkleidung verborgen.
Küche und Anrichteraum. Treppe zum Obergeschoss.
Das Östliche der drei Zimmer der Gartenseite, das vermutlich als Speiseraum genutzt wurde, besaß eine Durchreiche zur Küche und eine heute leider zugestellte Tür zum Anrichteraum, in dem die in der angrenzenden Küche zubereiteten Speisen abgestellt und in den Salon weitergegeben werden konnten.
Anrichteraum und Küche erhielten eine noch heute erhaltene Bodenfliesung. Die gelben Wandfliesen hingegen blieben nur in dem ehem. Anrichteraum erhalten, da sie in der Küche im Rahmen eines Jugendprojektes durch modernes Fliesenmaterial ersetzt wurden.
Vom Anrichteraum besteht auch ein Zugang zum Keller, um die hier lagernden Vorräte bequem erreichen zu können. Die Küche besitzt des Weiteren eine Tür zum über der Garagenzufahrt an der Hauswand entlanglaufenden schmalen Terrassenumgang. Zwischen Anrichteraum und der Garderobe befindet sich der Zugang zum Obergeschoss, das über eine gewundene hölzerne Treppe erreicht wird.
| Blick vom ehem. Anrichteraum in die Diele. In diesem Bereich blieben die gelben Wandfliesen sowie die schachbrettartigen Bodenfliesen erhalten. Möglicherweise sind die Bodenfliesen auch in der Diele unter dem Linoleum noch vorhanden.
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9 | Obergeschoss. Kinder- und Schlafzimmer
Von der Treppe aus verbindet ein mittig verlaufender Flur alle Räume des Obergeschosses. Auf der östlichen Gebäudeseite liegen die beiden ursprünglich als Kinderzimmer genutzten Räume, in denen noch immer die Wandnischen der sich einst hier befindenden Schränke zu sehen sind.
Den Kinderzimmern schloss sich das erste kleinere Badezimmer an, dem links und rechts des Flures diverse Kammern folgten, die dem früheren Hauspersonal als Wohnraum dienten.
An der westlichen Gebäudeseite lagen die beiden, durch eine Zwischentür verbundenen Schlafzimmer des Ehepaars Bartel. Während das zur Straßenseite gelegene Schlafzimmer über einen offenen Zugang zum Ankleideraum verfügte, gelangte man vom Schlafraum an der Gartenseite über eine Zwischentür zum zweiten, erheblich größeren Badezimmer des Obergeschosses.
Kammern, beide Badezimmer und das Treppenhaus erhielten Tageslicht durch die seitlichen Giebelfenster, die Schlafzimmer durch die Fenster der Stirnseiten.
Ein besonderer Mechanismus
Fensterläden gab es damals an vielen Häusern. Doch während man sonst die Läden durch die geöffneten Fenster zu schließen oder zu öffnen hatte, gab es in der Villa der Familie Bartels dafür eine besondere Vorrichtung.
Neben jedem Fenster befindet sich ein unscheinbarer Knauf - dem oberen Ende einer herausziehbaren Kurbel. Mit ein paar Umdrehungen schließen oder öffnen sich die Fensterläden dann wie von selbst - und ohne, dass man sich dem eventuell stürmischen oder gar regnerischen Wetter aussetzen musste...
| Erst bei Betätigung des Mechanismus wird klar, wozu die Kurbeln dienen - zum Öffnen oder Schließen der Fensterläden. Damit entfiel das sonst in Wohnhäusern übliche Hinauslehnen, um die Läden - womöglich bei Wind und Wetter - zu öffnen oder zu schließen. Schön ist ebenfalls, dass überall auch die alten Kastenfenster erhalten blieben.




















