Der Umsteiger. Teil 3


Entwicklung der Bautzener Straße

Standortkarte Restaurantgebäude "Zum Umsteiger"
Bezirkskarte Tempelhof-Schöneberg

Der Umsteiger

Geschichte eines Gaststättengebäudes
Teil 3

Dritter Teil. Inhalt und Kapitelübersicht
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Dach11

11 | Gebt dem Bahnhof sein Dach zurück

Auf Grund der Zeitereignisse steht das ehem. Restaurationsgebäude scheinbar allein inmitten der derzeit noch verbliebenen 29 Brücken der Yorckstraße. Der stilistischen Zusammenhang, den das Haus früher mit dem benachbarten Bahnhofsgebäude besaß, ist heute bestenfalls zu erahnen.

 

Denn der Bahnhof Yorckstraße hat seine ursprüngliche Fassade weitestgehend verloren. Es fehlen das riesige Dach und der den Haupteingang bis hinauf in den Dachbereich zierende Giebel. Betritt man jedoch das Bahnhofsgebäude, so fühlt man sich in eine andere Zeit versetzt. Weitgehend erhalten blieben hier die originäre Wandfliesung, die alten Handläufe und große Teile der Bodenfliesen. Die Eingangshalle  besitzt noch ihre teils vermauerten ehem. Schalterräume sowie die alten Obergadenfenster. 

 

Und auch der Zugang zum Bahnsteig erfolgt heute wie einst von der Eingangshalle aus durch einen kurzen, die Gleise unterquerenden Tunnel, der gleichfalls fast vollständig sein ursprüngliches Erscheinungsbild wahren konnte. Selbst die alten, an den Ecken montierten metallenen Stoßkanten sind teilweise noch vorhanden. Und wer die zugegebenermaßen hohe Treppe hinauf zur Bahnsteigebene geht, wird auch hier vieles entdecken, dass es heute auf anderen Bahnhöfen längst nicht mehr gibt. 

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Das bislang einzig bekannte Foto des S-Bahnhofs Yorckstraße vor den Veränderungen der Nachkriegszeit.

| Das bislang einzig bekannte Foto des Bahnhofs vor den Veränderungen der Nachkriegszeit.  Es zeigt das Gebäude wohl kurz nach dessen Fertigstellung im Jahre 1902. Noch gibt es das Restaurationsgebäude am rechten Bildrand nicht. Der Bahndamm erstreckt sich, durch eine Ziegelmauer gegen den Hof des Bahnhofsgebäudes geschützt, noch bis an die Yorckstraße.


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Fassadenriss des Bahnhofs Yorckstraße (S2) von 1902. Das Foto des alten Bauplans entstand noch in der Kneipe "Zum Umsteiger".

| Fassadenriss des Bahnhofs Yorckstraße (S2) von 1902. Das Foto des alten Bauplans entstand noch in der Kneipe "Zum Umsteiger". 

Der Bahnsteig besitzt noch seine alten, das Dach tragenden Säulen der Jahrhundertwende. Eine Besonderheit sind die zusätzlichen hölzernen Abstützungen des Daches, die wie das Dach selbst aus der Nachkriegszeit stammen. 

 

Wenn auch die der Yorckstraße zugewandte Fassade des alten Bahnhofsgebäudes zu einem unbekannten Zeitpunkt - auch die Bahn konnte mir hierzu keine näheren Angaben machen - hinter einer glatten Putzschicht verschwunden ist, so bleibt doch dem genauen Betrachter nicht verborgen, dass die seitliche, dem Restaurantgebäude gegenüberliegende Fassade mit ihren kunstvoll vergitterten Fenstern und dem seitlichen Treppenturm noch ihr altes Ziegelmauerwerk behalten hat.

 

Was läge also näher, als dem Bahnhof Yorckstraße sein historisches Aussehen wieder zurückzugeben? Beide Gebäude – Bahnhof und Restaurantgebäude – stehen unter Denkmalschutz. Und beide Gebäude, so scheint es, brauchen einander. Sie wären, jedes allein für sich, kaum mehr als Ausdruck eines längst vergangenen Eisenbahnzeitalters und dem Wunsch der Eisenbahnverwaltung nach einer einheitlichen repräsentativen Stilistik kaum mehr verständlich. Ein wiederhergestelltes Bahnhofsgebäude wäre zudem die Klammer, welche dem Restaurantgebäude den notwendigen architektonischen Rückhalt geben würde. Gebt dem Bahnhof sein Dach zurück – bitte. Es wäre mein Wunsch.


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Eingang zum Bahnhof Yorckstraße. Fassade und Eingangstüren sind irgendwann einmal erheblich verändert worden.

| Eingang zum Bahnhof Yorckstraße. Fassade und Eingangstüren sind irgendwann einmal erheblich verändert worden. Aus der Zeit der DDR- Reichsbahn stammt noch die Beleuchtung, das S-Bahn Signet und die Buchstaben des Bahnhofsnamens. 

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Eingangshalle des Bahnhofs Yorckstraße. Sie ist in vielen Details noch weitgehend erhalten.

| Eingangshalle des Bahnhofs Yorckstraße. Sie ist in vielen Details noch weitgehend erhalten. Zugemauert bis auf eine Stahltür und dem Fenster zur Yorckstraße ist jedoch heute das ehem. Büro des Bahnhofsvorstehers (links).


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Die dem Eingang gegenüberliegende Seite der Halle. Hinter den vier heute weitgehend zugemauerten Bögen befand sich die für den Bahnhofsbetrieb damals notwendigen Funktionsräume.

| Die dem Eingang gegenüberliegende Seite der Halle. Hinter den vier heute weitgehend zugemauerten Bögen befand sich die für den Bahnhofsbetrieb damals notwendigen Funktionsräume. Ganz rechts im Anschnitt das Büro des Bahnhofsvorstehers, daneben der heute längst geschlossene Fahrkartenschalter. Die beiden Stahltüren führen zum ehem. Aufenthaltsraum für Bahnhofsmitarbeiter und hinter dem Bogen links befand sich die Gepäckannahme. Beabsichtigte man eine Fernfahrt, so konnte man in jedem Vorortbahnhof (heute S-Bahn) auch sein Gepäck aufgeben. 

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Blick von der Eingangshalle des Bahnhofs in Richtung des Verbindungsgangs und der hinten rechts im Ansatz zu erkennenden Bahnsteigtreppe.

| Blick von der Eingangshalle des Bahnhofs in Richtung des Verbindungsgangs und der hinten rechts im Ansatz zu erkennenden Bahnsteigtreppe. Ebenfalls bemerkenswert: Das am Beginn der Wandfliesung des kurzen Zugangstunnels auf der rechten Seite noch erhalten gebliebene, dunkelbraune, gusseiserne Eckprofil (siehe auch vorhergehendes Fotos). Im Vordergrund sind noch Reste der in Rot- und Weißtönen gehaltenen Mettlacher Fliesen der Eingangshalle zu sehen.


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Der unter den Gleisen verlaufende Verbindungsgang von der Bahnsteighalle (hinten) zum Treppenzugang des Bahnsteigs (links).

| Der unter den Gleisen verlaufende Verbindungsgang von der Bahnsteighalle (hinten) zum Treppenzugang des Bahnsteigs (links). Man beachte die kunstvoll gemauerten Auflager der Gewölbebögen, die alte Wandkeramik und den zu sehenden Handlauf. Vorne rechts hinter der Wellblechwand und der Reklametafel befand sich einst ein weiterer Ausgang. Die im Boden zu sehenden Abdrücke stammen von den Zugangssperren (ohne Fahrkarte war kein Betreten möglich) aus der Zeit der DDR - Reichsbahn.

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Im Bahnhofsgebäude sind zum zum Teil noch die alten kunstvollen Handläufe und deren gusseiserne Auflagen vorhanden.

| Im Bahnhofsgebäude sind zum zum Teil noch die alten kunstvollen Handläufe und deren gusseiserne Auflagen vorhanden. Auch die alten Wandfliesen in Beige- und Brauntönen blieben zumindest teilweise erhalten.


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Die Rückfront des Empfangsgebäudes des S-Bahnhofs Yorckstraße.

| Die Rückfront des Empfangsgebäudes des Bahnhofs Yorckstraße. Die Dienstwohnung des Bahnhofsvorstehers besaß ebenfalls, wie das links noch zu sehende benachbarte ehem. Gaststättengebäude, eine separate Zugangstür auf Höhe des Bahndamms. 

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Ein weiterer Blick auf die Rückfront des Empfangsgebäudes des S-Bahnhofs Yorckstraße.

| Ein weiterer Blick auf die Rückfront des Empfangsgebäudes des Bahnhofs Yorckstraße. Links die Tür zum ehem. Bahndamm, daneben die heute vergitterten Fenster der alten Dienstwohnung.


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Das Gelände an der Bautzener Straße

Die Bautzener Straße bildete für das Gaststättengebäude des "Umsteigers" sozusagen das Hinterland. Hier, auf Höhe des Bahndamms, befand sich der zum Gebäude zugehörige, über die Wendeltreppe zu erreichende Hof. Auch das ursprünglich zum Ensemble gehörige, von der Yorckstraße wie auch von der Bautzener Straße aus zugängliche "Contorgebäude" befand sich hier, das sich nach dem Wegzug der Weinspedition Albert Mann der letzte Pächter Herr Mühlenhaupt als privates Wohnhaus mit kleinem Gärtchen ausgebaut hatte. Das Gelände an der Bautzener Straße, funktional mit zwei über die Yorckstraße führende Brücken mit dem Güterbahnhof der Dresdner Bahn auf der gegenüberliegenden Seite der Yorckstraße verbunden, war mit seiner Schuppenlandschaft auch der Geburtsort einiger später bekannter Berliner Unternehmen - allen Voran der Weinspedition Albert Mann  und dem Kranwagenverleih Ludwig Zitko.

 

Mit dem Verkauf des Geländes durch die Bahn und der Bebauung durch einen privaten Bauträger wurde, wie bereits geschildert, zugleich auch das weitere Schicksal des Gaststättengebäudes an der Yorckstraße sowohl in wirtschaftlicher als auch in architektonischer Hinsicht beeinfluss. Es sei daher im Rahmen der Eruierung der Geschichte des Gaststättengebäudes auch ein Blick auf das Gütergelände an der Bautzener Straße und der hier ansässigen Firmen anhand der zur Verfügung stehenden Akten getan. Im Fall der Weinspedition Albert Mann ergab sich aufgrund der Fülle des durch die ehem. Inhaberfamilie zur Verfügung gestellten Materials ein eigenständiges Projekt.

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eilansicht auf das Bahngelände an der Bautzener Straße. Inzwischen wurde das Areal vollständig mit Wohnungen bebaut.

| Teilansicht auf das Bahngelände an der Bautzener Straße. Inzwischen wurde das Areal vollständig mit Wohnungen bebaut.  


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Bis in die 1980er Jahre hinein bot sich am S- Bahnhof Yorckstraße (links) dieses Bild. Auf dem Anschlussgleis des Lagerschuppens der Wein- und Spirituosenspedition Albert Mann stehen mit Weinfässern beladene Güterwagen.

| Bis in die 1980er Jahre hinein bot sich am S- Bahnhof Yorckstraße (links) dieses Bild. Auf dem Anschlussgleis des Lagerschuppens der Wein- und Spirituosenspedition Albert Mann stehen mit Weinfässern beladene Güterwagen. 

12 | Spedition Albert Mann am Bahnhof Yorckstraße

Bis in die 1980er Jahre war die direkt gegenüber dem S - Bahnhof Yorckstraße ansässige "Internationale Spedition Albert Mann" für viele ein Begriff, gehörte das 1918 gegründete Transportunternehmen für Wein - und Spirituosen zum größten seiner Art im damaligen West - Berlin. Der riesige Lagerschuppen der Spedition wurde jede Woche von einem mit Weinfässern beladenen Güterzug angefahren, was vom gegenüberliegenden Bahnsteig des S - Bahnhofs gut beobachtet werden konnte.

 

Mit dem Erwerb großer Teile der alten Bockbier - Brauerei an der Fidicinstraße 1955 verfügte das Unternehmen nicht nur über weitere Lagermöglichkeiten, sondern erschloss sich mit der Vermietung nicht benötigter Flächen auch ein zusätzliches Geschäftsfeld. So waren in einem Teil der alten Brauereikellern etwa auch die Senatsreserve für Spirituosen - mehrheitlich Rum - untergebracht. 


Nach dem Ende des Speditionsbetriebs und der Sanierung der alten, denkmalgeschützten Brauereigebäude konzentriert sich das Unternehmen schließlich ganz auf die Vermittlung hochwertiger Büroflächen. Die "Kasten - Mann Real Estate Advisors GmbH & Co. KG" ist bis heute ein Familienbetrieb, die sich mit der "Kasten - Mann Stiftung" auch für notleidende Menschen in Berlin sowie für internationale Entwicklungshilfeprojekte einsetzt. 

 

Der vollständige Artikel zur Geschichte der Weinspedition Albert Mann, ursprünglich nur ein Teil des Berichts zum Bahnhof Yorckstraße, ist angesichts der zahlreichen, mir durch die Familie Kasten zur Verfügung gestellten Fotos, Dokumente und Videos inzwischen zum eigenständigen Bericht erweitert worden.

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Ein mit Weinfässern beladener Güterzug ist gerade über die Brücke am S- Bahnhof Yorckstraße gefahren worden.

| Ein mit Weinfässern beladener Güterzug ist gerade über die im Hintergrund zu sehende Brücke am S- Bahnhof Yorckstraße (dessen helles Empfangsgebäude hier gleichfalls im Hintergrund sichtbar ist) gefahren worden. 


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13 | Zitko - Autoreparatur und Kranwagenverleih

Über viele Jahrzehnte waren die feuerroten Autokrane der Fa. Ludwig Zitko aus dem Stadtbild West-Berlins kaum wegzudenken. Ganz egal, ob die nach den Zerstörungen des Krieges im Westteil der Stadt neu gegossene Quadriga des Brandenburger Tores nach Ost - Berlin zur Wiederaufstellung transportiert werden musste, eine verunglückte Lok auf der Spandauer Bötzowbahn geborgen oder Krandienste beim Bau der Stadtautobahn erforderlich waren - die Krane der Fa. Zitko waren häufig in den Straßen Berlins aber auch im Bundesgebiet und selbst im Ausland bei ihrer Arbeit zu beobachten.

 

Ludwig Zitko, Gründer des Unternehmens, kam als Zuwanderer nach Berlin. Er war am 25. Juni 1895 in Budapest geboren worden, wo er zunächst bei seinen Eltern aufwuchs. Mit dem Erreichen der Volljährigkeit ging er jedoch nach Berlin. Das er ausgerechnet Berlin als neue Heimat wählte, lag wohl an Andreas Zitko - einem nahen Verwandten,  welcher in der Nürnberger Straße 68 ein Installationsgeschäft mit mechanischer Werkstatt betrieb.  

 

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Anzeige im Berliner Adressbuch von 1924 der "A. d. W. Autowerkstätten des Westens GmbH", Kurfürstenstraße 6. Telefon: "Nollendorf 1925".

| Anzeige im Berliner Adressbuch von 1924 der "A. d. W. Autowerkstätten des Westens GmbH", Kurfürstenstraße 6. Telefon: "Nollendorf 1925".


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Brief vom 22.11.1930 mit der Unterschrift Ludwig Zitkos, in dem er um Erteilung einer Bauerlaubnis zur Errichtung eines Regals auf dem Gütergelände an der Yorckstraße für gebrauchte Autoersatzteile bittet.

| Brief vom 22.11.1930 mit der Unterschrift Ludwig Zitkos, in dem er um Erteilung einer Bauerlaubnis zur Errichtung eines Regals auf dem Gütergelände an der Yorckstraße für gebrauchte Autoersatzteile bittet. 

Andreas Zitko, 1862 in Budapest geboren, war seit 1895 mit Maria Catharina Auguste Kanngiesser verheiratet, mit der er mehrere gemeinsame Kinder hatte. Zu diesen kam nun Ludwig Zitko dazu, der nun ebenfalls in der Nürnberger Straße wohnte - vermutlich auch, um im Installationsgeschäft erste berufliche Erfahrungen zu sammeln. Am 27. Apr 1920 heiratete Ludwig Zitko Gertrud Helene Irma Kanngiesser, Tochter des in der Kurfürstenstraße 10 (zuvor Nürnberger Straße 6) wohnenden Malermeisters Johann Kanngießer und seiner Frau Franziska, geborene Löffler. 

 

Ludwig Zitko zog nun nach Schöneberg zur Kurfürstenstraße in die Wohnung seiner Schwiegereltern. 1922 begründete Ludwig Zitko seine "Autowerkstätten des Westens" kurz A. D. W., die sich in der Kurfürstenstraße Nr. 6, in unmittelbarer Nähe zu seiner Wohnung, befand. Nach dem Ludwig Zitko seine Kfz Meisterprüfung absolviert hatte, bot er zu Beginn der 1930er Jahre auch Abschlepp - und Bergeleistungen an, so das er seinen Kunden auch ein Abtransport schadhafter Fahrzeuge in seine Werkstatt offerieren konnte.


Für die Jahre 1929 - 30 finden sich in den Bauunterlagen zum Schuppengelände an der Bautzener Straße auch ein Antrag Ludwig Zitkos für die teilweise Überdachung von Regalen auf dem Lagerplatzes 112c. Hier sollten gebrauchte Autoteile zerlegter Fahrzeuge gelagert werden.

 

Die Idee, mit eigenen Kranfahrzeugen havarierte Automobile nach der Bergung auch gleich in seiner Werkstatt reparieren zu lassen, erwies sich offenbar als erfolgreich. 1940, bald nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs, sah er sich gezwungen, mit seinen mittlerweile 30 Mitarbeitern auf das größere Gelände der 1922 stillgelegten Städtischen Gasanstalt an der Gitschiner Straße auszuweichen. 

 

Doch der Krieg verschonte auch Ludwigs Zitkos Kranwagen - und Autoreparaturbetrieb nicht. In der Nacht vom 28. auf den 29. Januar 1944 wurde das Gelände der ehem. Gasanstalt schwer von Bomben getroffen, Ludwig Zitkos Betrieb bis auf ein kleines Werkstattgebäude zerstört. Doch noch schwerer war die Zeit danach. Was den Krieg an Fahrzeugen noch überstanden hatte, wurde nach Kriegsende von der Roten Armee beschlagnahmt.

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Dem Antrag wurde eine Zeichnung mit der Darstellung des doch eher übersichtlichen Bauvorhabens auf dem von Zitko gepachteten Lagerplatz 112a beigefügt

| Dem Antrag wurde eine Zeichnung mit der Darstellung des doch eher übersichtlichen Bauvorhabens auf dem von Zitko gepachteten Lagerplatz 112a beigefügt. Die Genehmigung erfolgte zum 2. Dezember 1930.


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938 wurde für den Kfz - Reparaturbetrieb und Kranwagenverleih "Ludwig Zitko" ein Lageplan für den Lagerplatz 112c erstellt.

| 1938 wurde für den Kfz - Reparaturbetrieb und Kranwagenverleih "Ludwig Zitko" ein Lageplan für den Lagerplatz 112c erstellt. Dieser gibt genaue Auskunft über die Lage der im vorderen teil des Gütergeländes der Dresdner Bahn zwischen der Yorckstraße und der Bautzener Straße ansässigen Firmen.

Ludwig Zitko musste wieder von vorn anfangen. Hierbei halfen ihm ein paar Werkzeuge, die er in seiner Privatwohnung versteckt hatte und drei LKW - Chassis ohne jeglichem Innenleben, die von der Roten Armee wohl als wertlos erachtet worden waren. Immerhin gelang es Ludwig Zitko und seinem 1927 geborenen Sohn Horst, mit dem Verkauf dieser Chassis und einigen Wertsachen seiner Ehefrau genügend Startkapital für einen zumindest bescheidenen Neuanfang zusammenzubekommen.

 

Da in den entbehrungsreichen, von Mangel gezeichneten Nachkriegsjahren  niemand Kranwagen "von der Stange" anbot, musste mit viel Erfindungsreichtum improvisiert werden. Es wurde alles verwendet, was man irgendwo organisieren und zu einem Kranwagen umbauen konnte. Mal waren es alte Militärfahrzeuge der Alliierten, mal uralte deutsche Lkw, die irgendwie den Krieg überstanden hatten.

 

Die Umbaumaßnahmen an der Karosserie sowie die Herstellung von Krananlagen führte dann Zitko in der Werkstatt in der Gitschiner Straße selbst aus. Diese flexibilität kam ihm insbesondere bei speziellen Aufträgen zu Gute, für die eigens seine Kranwagen umgebaut oder angepasst werden mussten. Sein Sohn fertigte die Zeichnungen an, ein Statiker die notwendigen Berechnungen. 


Ein gewisser Höhepunkt war der Umbau eines alten BVG - Doppelstockbusses von 1935, der nach dem Krieg dem französischen Militär gedient hatte und den Zitko 1953 von einem Aktionshaus für 3000 Mark ersteigerte. Das Oberdeck und die hintere Hälfte des Unterdecks wurden von Zitko entfernt und über den Hinterachsen eine Auflage für die aus Winkeleisen zusammengebaute Krananlage errichtet. Diese Anlage bewährte sich nicht und wurde durch einen drehbaren Kran ersetzt, der zudem noch eine kleinere Abschleppanlage erhielt. Ein Kuriosum, jedoch zumindest in der ersten Hälfte der 1950er-Jahre der stärkste Kranwagen im damaligen Westteil der Stadt.

 

Ein besonderer Auftrag erhielt Zitko 1958, als die in der West-Berliner Gießerei Noak neu gegossene Quadriga nach Ost-Berlin transportiert werden musste, um hier auf dem vom Krieg gezeichneten Brandenburger Tor wieder aufgestellt zu werden. An Aufträgen mangelte es auch sonst nicht. Mal waren Bergungsarbeiten für die Berliner Feuerwehr durchzuführen, die mit ihren Kränen bei Unfällen mit schwerer Tonnage an ihre Leistungsgrenze geriet, mal waren Fahrtreppen für die Berliner U-Bahn (z. B. die des Bahnhofs Möckernbrücke) oder dem Kaufhaus Hertie in der Wilmersdorfer Straße (1964) zu transportieren. Das Wachstum der Firma Zitko verlief in jenen Jahren nahezu ungebremst, das Gelände der ehem. Städtischen Gasanstalt an der Gitschiner Straße in Kreuzberg reichte bald nicht mehr aus, zumal auch das "Berliner Transport-Kontor (Betrako) mit auf dem Gelände angesiedelt war. 1959 kaufte Ludwig Zitko am Saatwinkler Damm 17 - 19 ein Grundstück, auf dem er moderne Fahrzeughallen und Werkstätten errichten ließ. 

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958 hatte Ludwig Zitko den Auftrag erhalten, die in West-Berlin bei der Gießerei Noak neu gegossene Quadriga des Brandenburger Tores nach Ost - Berlin zu transportieren.

| 1958 hatte Ludwig Zitko den Auftrag erhalten, die in West-Berlin bei der Gießerei Noak neu gegossene Quadriga des Brandenburger Tores nach Ost - Berlin zu transportieren, damit hier die Aufstellung erfolgen konnte (das noch nicht von der Mauer umgebene Brandenburger Tor lag auf Ost - Berliner Seite). 


Neben Reparaturarbeiten wurden am Saatwinkler Damm im Jahr zwei bis drei Kräne nach den Entwürfen von Horst Zitko (er hatte 1953 seinen Meisterbrief erhalten) nach neuesten Erkenntnissen komplett geplant und gebaut wurden. Denn erst Mitte der 1960er Jahre war die Kranindustrie in der Lage, entsprechend leistungsfähige Krane anzubieten.

 

Anfang der 1960er Jahre wurde der Betrieb umstrukturiert. Kfz - Reparaturen für Fremdkunden wurden nicht mehr angeboten, man brauchte die Werkstattkapazitäten für eigene Belange. Die Firma firmierte nun als " Ludwig Zitko & Sohn". Die Auftragsbücher waren jedenfalls weiterhin gut gefüllt. 1965 stieß auf der Spandauer Bötzowbahn eine Lok mit einem Lkw zusammen. Die Bergungsarbeiten, vor allem der schweren Lok wurden durch Ludwig Zitko & Sohn durchgeführt.

 

Auch die Verladung der noch häufig aufgefundenen, bis zu 500 kg schweren Blindgängern aus dem Krieg oblag - nach deren Entschärfung durch einen Feuerwerker - dem Unternehmen. Schwere Eisenträger für den Neubau der Halenseebrücke, eine Couch für den Franz. Stadtkommandanten, die auf Grund des zu engen Treppenhauses nur durch ein Fenster der 6. Etage in dessen Wohnung verbracht werden konnte, ein neue Radar für den Flughafen Tempelhof auf dessen Hauptgebäude, Großzanks für Shell oder Arbeiten an den Schornsteinen der Bewag - für das Unternehmen Zitko kein Problem.

Aufträge erhielt die Fa. Zitko aber auch durch die Bergung von Unfall-Fahrzeugen auf den Berliner Transitautobahnen - das Unternehmen war eines von drei West - Berliner Betrieben, die hierzu berechtigt waren. Transportleistungen wurden in den 1970er Jahren aber auch für die staatliche DDR - Spedition "Deutrans" übernommen. Ende 1963 beschäftige Zitko & Sohn 63 Mitarbeiter. Die Werkstatt mit ihren 8 Mitarbeitern hatte 126 Fahrzeuge - darunter 60 Autokräne - zu betreuen.

 

Probleme gab es jedoch zunehmend bei der Anschaffung neuer Kräne. Die kosten waren hoch, die von den Banken geforderten Zinsen ebenso. Rigide Steuergesetze, die schwierige und komplexen Rahmenbedingungen der gewerblichen Berlinhilfe sowie die stetig steigenden Löhne - z. B. 100 Prozent mehr Lohn für Nachtarbeit - taten ihr Übriges. 1969 verkaufte Ludwig Zitko sein bis dahin erfolgreiches Unternehmen an die Berliner Autokranfirma Toense, mit der bereits eine enge Zusammenarbeit bestand. Aus steuerlichen Gründen wurde der Unternehmensname Zitko & Sohn zunächst noch bis etwa 1974 weitergeführt. Auch arbeitete Ludwig Zitko noch bis zum Ende der Firma am Saatwinkler Damm im Unternehmen mit. Er verstarb zu Beginn der 1980er Jahre. Horst Zitko betreute als technischer Leiter den Toense - Furhrpark. Ab 1976 war er als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger zuständig für Spezialtransporte sowie das gesamte Abschlepp- und Bergungswesen und bei Kranunfällen. 2001 ging er in den wohlverdienten Ruhestand. 

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Zeichnung zur Bauerlaubniserteilung Yorckstraße 56c der Fa. Pflüger & Co.

| Zeichnung zur Bauerlaubniserteilung Yorckstraße 56c. Während sich auf der linken Seite des Restaurantgebäudes das Bahnhofsgebäude mit seinem Hof anschloss, befand sich rechts lediglich die zum auf der Höhe des Bahndamms liegenden "Contorgebäude" führende Treppe. Neben dieser Treppe wird 1920 eine "Verkaufsstube" des auch das Contorgebäude nutzenden Fliesenherstellers "Pflüger & Co." errichtet.

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14 | Nachbargrundstück Yorckstraße 56 c

Nach der Fertigstellung des Restaurantgebäudes blieb das benachbarte, bis zum Widerlager der Eisenbahnbrücke reichende Teilgrundstück Yorckstraße 56c zunächst unbebaut. Erst 1920 ließ die auf den Handel mit Fliesen spezialisierte Firma "Pflüger & Co.", die bereits das alte "Contorgebäude" auf dem Bahndamm gepachtet hatte, hier am Rande der vielbefahrenen Yorckstraße eine "Verkaufsstube" zu errichten. 

 

Acht Jahre später wird von der Firma "Pflüger & Co." die "Verkaufsstube" an den Unternehmer "Paul Pflüger" abgegeben, welcher nun zugunsten eines von ihm betriebenen Konfitürengeschäftes Pläne für eine Erweiterung des Ursprungsgebäudes bei der Bahnverwaltung einreicht. Der Fliesenhandel im Contorgebäude bleibt weiter bestehen, wobei dessen Zugangstreppe mit einer optisch in die Außenwand des Konfitürengeschäft integrierten Bogentür verschlossen wird. 

 

Das Gebäude des ehem. Fliesen- bzw. Konfitürengeschäfts bestand mit wechselnder Nutzung noch bis zur Neubebauung des Gesamtgeländes durch die Wohn- und Gewerbebauten entlang der Bautzener Straße.


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Zeichnung zur Bauerlaubniserteilung für eine Erweiterung des Gebäudes Yorckstraße 56c aus dem Jahre 1928. Der Unternehmer "Paul Pflüger" beabsichtigte hier die Errichtung eines Konfitürengeschäftes.

| Zeichnung zur Bauerlaubniserteilung für eine Erweiterung des Gebäudes Yorckstraße 56c aus dem Jahre 1928. Der Unternehmer "Paul Pflüger" beabsichtigte hier die Errichtung eines Konfitürengeschäftes. Im Grundriss ist der erste Gebäudeteil von 1920 noch erkennbar, der von dem geplanten Erweiterungsbau umschlossen wird. Der bogenförmige Zugang links führte zum Aufgang zur Fa. Pflüger & Co., die im alten Contorgebäude weiterhin ihren Fliesenhandel betrieb. Die Zeichnung wurde vom "Geschäft für Bauausführungen Bruno Seidel" am Hohenzollerndamm 155 erstellt.

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Das mehrfach umgenutzte Gebäude des ehem. Konfitürengeschäftes bestand bis zur Beräumung des Areals für den Gewerbe- und Wohnungsbau.

| Das mehrfach umgenutzte Gebäude des ehem. Konfitürengeschäftes bestand bis zur Beräumung des Areals für den Gewerbe- und Wohnungsbau.