BEZIRK STEGLITZ-ZEHLENDORF VON BERLIN

Dr. Fraenkel und die Kuranstalt "Berolinum"


Teil 2. Das Ende der Kuranstalt

Dr. Fraenkel und die Kuranstalt "Berolinum"

Teil 2. Das Ende der Kuranstalt

Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Blick auf das ehemalige Haus für "Männliche Pensionäre".

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Zweiter Teil. Inhalt und Kapitelübersicht

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Engagement6

 6 | James Fraenkels öffentliches Engagement


Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Vier - Winde - Brunnen vor dem ehem. Rathaus Lankwitz.

| Der von James Fraenkel einst gestiftete, vor kurzem restaurierte "Vier-Winde-Brunnen" vor dem Rathaus Lankwitz

 

Fraenkel wird durch den Erfolg seiner nach modernen Methoden arbeitenden, nicht um bloße Verwahrung der Patienten, sondern um tatsächliche Therapie bemühten Heilanstalt bald zum bedeutendsten Steuerzahler der damals noch selbständigen Gemeinde Lankwitz. Ein Umstand, der wohl 1910 auch seine Wahl in den Gemeinderat begünstigte. Hier wirkte er u. a. in den Ausschüssen für Verkehr, der Gesundheitskommission, dem Feuerlöschwesen und dem Ausschuss für Lankwitzer Unterhaltungsabende.

 

1911 wurde das neue Lankwitzer Rathaus in unmittelbarer Nähe des S- Bahnhofs und des Berolinums eingeweiht. Aus Dankbarkeit der Gemeinde gegenüber tätigte Fraenkel großzügige Spenden, die u. a. die Anschaffung des für das neue Rathaus benötigten Ratssilbers und des 1912 fertiggestellten "Vier- Winde- Brunnen“ zur Ausschmückung des Rathaus - Vorplatzes ermöglichten. Auch der Bau eines Lyzeums in Lankwitz geht auf Anregung Fraenkels als Gemeinderatsmitglied zurück. 

 

Trotz seiner vielen kommunalen Verpflichtungen, die Fraenkel neben seiner Tätigkeit als Inhaber der größten Klinik für Geistes- und Suchterkrankungen im Berliner Raum ausübte, war er zeitlebens in der jüdischen Gemeinde Steglitz engagiert. Nach dem Tode von Moses Wolfenstein im April 1907 nahm Fraenkel die Wahl zum Vorsteher der Synagoge in der Düppelstraße 41 an, was weitere Verpflichtungen mit sich brachte.

 

Fraenkel lebte mit seiner Frau Paula, geb. Barth, und seinen vier Kindern Juli, Resi, Hilda und Erich in der von seinem Bruder Max Fraenkel entworfenen Villa an der Siemensstraße Ecke Brucknerstraße. Hier traf er sich oft auch mit Mitgliedern der kommunistischen Partei wie Richard Sorge oder der Familie Idler. 

 


Damenabteilung7

 7 | Die Damenabteilung des Berolinum


1910 – dem Jahr der Wahl Fraenkels in den Gemeinderat - beginnt auch der Umbau des großen Haupthauses der zwischen Leonoren-, Siemens- und Lessingstraße liegenden Damenabteilung.

 

Das Haupthaus wird für die Aufnahme von Schwerkranken mit einer Wach- und Beobachtungsabteilung versehen. In einem Anbau entsteht zudem eine Isolierstation. Zwei weitere Villen waren den leichter erkrankten Damen sowie den Rekonvaleszentinnen vorbehalten. Eine vierte Villa enthält die Wohnung der Abteilungsärztin sowie die Wohnräume der Praktikantinnen. Ein weiteres Gebäude steht zudem jeweils als Wohnung für den Assistenzarzt, den Gärtner und den Inspektor zur Verfügung.

 

Mit Platz für 450 Männer und 50 Frauen, welche in 7 Häusern und 4 Pavillions untergebracht waren, ist die „Heilanstalt Berolinum“ nunmehr die seinerzeit größte dieser Art im Raum Berlin. Sämtliche Gebäude der Damenabteilung wurden während des schweren Bombenangriffs auf Lankwitz am 23. und 24. August 1943 zerstört. Ab 1960 entstanden auf dem Grundstücksteil Wohnungen. 

 

Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Histrische Aufnahme des Damenhauses I.

| Das "Damenhaus I" um 1910. Quelle: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, http://resolver.sub.uni-hamburg.de/

 


Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. ALte Fotografie des Damenhaus II.

| Das "Damenhaus II" um 1910. Quelle: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, http://resolver.sub.uni-hamburg.de/

 

Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Alte Aufnbahme des Damenhaus III.

| Das "Damenhaus III" um 1910. Quelle: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, http://resolver.sub.uni-hamburg.de/

 


Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Die Gärtnerei der Kuranstalt.

| Eine seltene Ansicht der Gärtnerei der Kuranstalt. Dieses Gebäude wurden ebenfalls um 1910 errichtet. Sammlung Röhrig.

 

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 8 | Der Erste Weltkrieg


Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Ehemalige Kranken -Pavillons.

| Einer der vier "Kranken - Pavillons". Quelle: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, http://resolver.sub.uni-hamburg.de/

 

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs erging durch die Frau des Lankwitzer Bürgermeisters Klara Beyendorff sowie Paula Fraenkel, die miteinander befreundet waren, am 4. August 1914 ein Aufruf, dass sich diejenigen Mädchen und Frauen zu melden hätten, die "willens und geneigt seien", die Pflege von Verwundeten auf sich zu nehmen.  

 

James Freankel stellte große Teile seines Sanatoriums für die Pflege von Soldaten zur Verfügung und seine Töchter Resi, Hilda und Julie arbeiteten unentgeltlich als Schwestern zur Versorgung der vielen Verwundeten im Sanatorium. Fraenkels Frau kümmerte sich hingegen um die Angehörigen der verwundeten Soldaten. Fraenkels Töchter Resi und Paula erhielten 1917 für ihren Einsatz die Rote-Kreuz-Medaille, Paula Fraenkel und Clara Oliven (deren Mann den Ehrentitel "Geheimer Sanitätsrat" erhielt) ein Jahr später.

 


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 9 | Die Zeit zwischen den Kriegen


Bald nach dem Ende des Krieges verpachten Fraenkel und Oliven das einstige Kurhaus und die sonstigen Gebäude der ehem. Männerabteilung an den "Verband der Krankenkassen Groß Berlin". Es entsteht das jüdische Krankenhaus Lankwitz, das nun auch über Abteilungen für Innere Medizin, der Chirurgie, der Neurologie und der Gynäkologie verfügt.

 

1921 werden die Gebäude, nach zähen Verhandlungen, endgültig an den "Verband der Krankenkassen von Groß-Berlin" verkauft. Lediglich die ursprüngliche Damenabteilung wird als "Berolinum" von Fraenkel weiterbetrieben.

 

Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Schlafsaal im ehem. Kranken - Pavillon.

| Schlafsaal in einem der "Kranken - Pavillons" um 1910. Quelle: Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, http://resolver.sub.uni-hamburg.de/

 


ZweiteKrieg10

 10 | Der Zweite Weltkrieg


Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Bewachtes Parkgelände als Vorbereitung für die Fällungen.

| Der Kurpark heute. Umstritten, umzäunt, bewacht - und inzwischen seiner ältesten, hier noch von einem doppelten Zaun vom übrigen Gelände getrennten, Bäume beraubt.

 

Mit der Machtergreifung der Nazis verschlechtert sich die Situation jüdischer Mitbürger zusehend. Im Jüdischen Krankenhaus Lankwitz, der einstigen "Herrenabteilung" werden fast alle Ärzte entlassen. Im Sanatorium "Berolinum", der einstigen "Damenabteilung", dürfen hingegen fortan nur noch jüdische Ärzte praktizieren und jüdische Patienten behandelt werden. James Fraenkel ist hiervon allerdings nicht mehr direkt betroffen. Mittlerweile Pensionär, erkrankt er 1934 ernstlich und stirbt schließlich 1935. Seine Familie ist zu diesem Zeitpunkt bereits größtenteils in die USA und Israel ausgewandert, wo bis zum heutigen Tag Nachkommen leben. Fraenkels Kollege und Mitinhaber des Berolinum, Dr. Albert Oliven, verstarb schon 1921.

 

Der Krankenhausbetrieb läuft indes bis 1940 unvermittelt fort, dann zieht eine Abteilung des Reichsarbeitsdienstes in die Gebäude des Krankenhauses Lankwitz - der ehemaligen Herrenabteilung des Berolinum. In der ehem. Damenabteilung wird eine Abteilung Fähnriche der Kriegsmarine untergebracht. Alle Gebäude werden während des schweren Luftangriffs auf Lankwitz am 23. und 24. August beschädigt, die der ehem. Damenabteilung gar komplett vernichtet. Letzteres trifft auch auf die Privatvillen von Dr. James Fraenkel und Dr. Albert Oliven zu. 

 


Nachkriegszeit11

 11 | Die Nachkriegszeit


Neues Leben kehrt nach dem Ende des Krieges somit nur in das Krankenhaus Lankwitz ein, welches vormals aus den Gebäuden der Herrenabteilung des Berolinums entstanden war, zurück. Dies allerdings bereits 1946. Ab 1952 wird das "Krankenhaus Lankwitz" in „Städtisches Krankenhaus Steglitz“ umbenannt.

 

1978 kommt jedoch das Ende für das "Städtische Krankenhaus Steglitz". Das Krankenhaus wird als Akutkrankenhaus geschlossen. Untergebracht werden in den alten Gebäuden nun chronisch kranke Patienten. Zum 1.7.1996 eröffnet hier das Pflegeheim „Haus Leonore“ als Abteilung des Auguste- Viktoria- Krankenhauses. Dabei sind neben dem Haus 1 (Neubau 1973 - 77) auch die älteren Gebäude noch in Gebrauch: Haus 2 (ehemaliges Kommunalkrankenhaus), Haus 3 (ehemaliges Haus der Pensionäre; Herrenhaus) und Haus 4 (Kurhaus Lankwitz; 1907). Das Haus 4 wird später ausgegliedert und dient heute der Justizverwaltung als Wohn- und Resozialisierungseinrichtung für erkrankte Häftlinge. 

 

Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Proteste gegen die Baumfällungen im alten Kurpark.

| Ein Transparent der Bürgerinitiative zur Rettung des alten Baumbestands des Leonorenparks.

 


Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Der Kurpark nach den Baumfällungen,

| Am Montag danach. Die Bäume fielen innerhalb weniger Stunden.

 

Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Das moderne Pflegeheim "Haus Leonore".

| Das 1973 - 1977 entstandene "Haus 1" des Pflegeheims "Haus Leonore".

 


Die Kuranstalt Berolinum an der Lankwitzer Leonorenstraße. Abriss des ehem. Kommiunal - Krankenhauses.

| Ende 2017 bis Angang 2018 wurde das Gebäude des ehem. Kommunalkrankenhauses abgebrochen.