Patti Smith Albert Scopin
Begegnungen
Vorgeschichte1
1 | Begegnung mit Patti Smith
Text: Lutz Röhrig, Bild: Lutz Röhrig und Albert Scopin
Sie hat die Musik ganzer Generationen beeinflusst. Ein wirklicher Weltstar, der auf vielen Gebieten der Kunst zuhause ist: Fotografie, Lyrik und eben die Musik. Ihre Songs wie „Because the Night“ (1978) oder „People have the Power“ (1988) begeistern damals wie heute bei ihren Auftritten.
Irgendwann traf ich sie in Berlin. Nahbar, überhaupt nicht prätentiös trat sie vor meine Kamera. Dass sie ein wirklicher Weltstar ist, welcher zusammen mit Musikern wie Bruce Springsteen Songs geschrieben hat oder dass auch ihre eigenen Titel zu Welthits wurden blieb dabei außen vor.
Bewusst war von ihr, wie sie mir erklärte, das Berliner Restaurant "Pasternak" gewählt worden, das dem gleichnamigen Literatur-Nobelpreisträger ("Dr. Schiwago") gewidmet ist. An den Wänden finden sich zahlreiche Zitate und Bilder von ihm, vor denen sie sich gern von mir fotografieren ließ. Ich glaube, Patti Smith erreicht durch Ihre offene Art direkt die Herzen, bleibt so im Gedächtnis vieler.
| Patti Smith. Ein Weltstar, der wie nur wenige nahbar und sympathisch geblieben ist. Da sie von jeher auch der Lyrik verbunden ist, hatte sie für ihren Berlin-Besuch das Pankower Restaurant "Pasternak" gewählt, das dem gleichnamigen Dichter, Schriftsteller und Literatur-Nobelpreisträger Boris Leonidowitsch Pasternak (*1890 - ✝1960, schrieb u. a. Dr. Schiwago) gewidmet ist. Sie wünschte sich daher von mir, vor einem der Bilder Pasternaks fotografiert zu werden. Foto: Lutz Röhrig
Chelsea2
2 | Das Hotel Chelsea und Albert Scopin
Doch während ich sie 2025 eher in ihren reiferen Jahren kennenlernen durfte, hatte jemand anderes die Möglichkeit, sie am Beginn ihrer seinerzeit noch nicht absehbaren Karriere kennenzulernen. Der Fotograf, Zeichner und Maler Albert Scopin (*14. Januar 1943, bürgerlicher Name Albert Schöpflin), welcher Ende der 1960er Jahre nach seiner Ausbildung zum Fotografen in München nach New York ging, um hier bei den Fotografen Mikel Avedon und Bill King als Assistent zu arbeiten. Somit selbst am Beginn seiner eigenen Karriere stehend, mietete er sich im New Yorker Hotel „Chelsea“ ein.
Das Hotel erwies sich damals als ein Ort, welcher ob seiner preiswerten Wohnmöglichkeit viele junge Künstler anzog, ehe diese - vielleicht - den Weg nach oben schafften. Das war im Hotel übrigens durchaus wörtlich zu verstehen: Während Hotelbewohner, die noch über keinen bekannten Namen und damit nur wenig Geld verfügten, in den unteren Etagen ihre Zimmer hatten, lebten jene, die sich zumindest einen gewissen Namen erarbeitet hatten, in den oberen, teureren Etagen des Gebäudes.
Das Chelsea inspirierte Filmemacher, Musiker und Drehbuchautoren. C. Clarke schrieb hier seinen Roman "2001 - A Space Odyssee", aus dem dann der hier des Öfteren wohnende Stanley Kubrick gemeinsam mit ihm ein Drehbuch zum gleichnamigen Science-Fiction-Film erarbeitete, Janis Joplin lebte zeitweilig hier oder auch Wim Wenders, das Hotel wurde besungen wie etwa von Leonard Cohen - viele Geschichten verbinden sich mit dem heute unter Denkmalschutz stehenden legendären New Yorker Hotelbau.
Scopin kam auf die Idee, all die schrägen Typen, Aussteiger und Künstler, die mit ihm die Zimmer dieses damals im Gegensatz zu heute ziemlich heruntergekommenen Hotels bewohnten, in einer Fotoserie darzustellen – auch um mit ihnen über den Umweg der Kamera hinweg ins Gespräch zu kommen. So etwa mit der hier lebenden Patti Smith und ihrem Partner Robert Mapplethorpe – später einer der wichtigsten Fotografen des 20. Jahrhunderts – welcher im Hotel sein Studio betrieb.
Wiederentdeckt3
3 | Nach 46 Jahren wiederentdeckt
Es entstanden heute legendäre Bilder, die er 1970 an das in jenem Jahr gegründete "ZEITmagazin" sendete. Nach ihrem Abdruck im "ZEITmagazin" gingen die Aufnahmen Scopins ins Archiv der "ZEIT". Als Scopin sie 1982 für eine Ausstellung benötigte wurde ihm jedoch erklärt, dass die Fotos nicht mehr auffindbar seien. Jahrzehntelang blieb der Verbleib der Aufnahmen ein ungeklärtes Rätsel...
Erst 2016 wurden die Fotos Scopins wiederentdeckt. Die Göttinger Galerie Ahlers schrieb Scopin an, dass sie einige Fotos, Dias und Negative erhalten hätten von denen man annimmt, dass er der Fotograf sei... Welche Zwischenstationen die Bilder vom Archiv der "Zeit" bis hin zur Galerie Ahlers nahmen, wird wohl immer ein Rätsel bleiben.
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4 | Ein Kreis, der sich schließt
Heute gehören die Aufnahmen, die er einst im Hotel Chelsea machte, wieder Scopin. Und wie Patti Smith ließ sich auch Scopin gern von mir dazu bewegen, sich porträtieren zu lassen – vor einem seiner Bilder von Patti Smith. Der Kreis zwischen meiner Begegnung mit Patti Smith 2025 und der mit den Bildern von Albert Scopin schließt sich damit für mich: Beginn und Höhepunkt der Weltkarriere der Ausnahmekünstlerin werden durch die doch so unterschiedlichen Aufnahmen symbolhaft dokumentiert.
Scopin jedenfalls kehrte 1974 wieder nach Deutschland zurück. Hier heiratete er seine Mitarbeiterin Gisela Szemere, mit der er drei Kinder bekam. 1988 wendete sich Scopin jedoch von der Fotografie ab und dem Zeichnen zu, das er als seine eigentliche Berufung erkennt. Aus Schöpflin wurde Scopin. Seit 2012 arbeitet er mit dem Material Asphalt, das er für großformatige Bildkonzepte verwendet.
Wer Scopins Bilder einmal selbst in Augenschein nehmen möchte, der kann dies in der "Galerie FeldbuschWiesnerRudolph", in der Jägerstr. 5 in Berlin-Mitte noch bis zum 4. April 2026 tun.
Aktualisiert | 05.07.2026









