Batterien aus Neukölln 1


Die Firma Koch & Krüger

Standortkarte Weinspedition Albert Mann
Karte Neukölln

Batterien
aus
Neukölln

Die Firma
Koch & Krüger

Erster Teil. Inhalt und Kapitelübersicht
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1 | Ein vergessenes Unternehmen

Bild und Text: Lutz Röhrig

Nur noch wenig kündet heute noch von dem nach Daimon und Varta drittgrößten deutschen Hersteller für Trockenbatterien: Ein teilzerstörtes Gebäude im Berliner Bezirk Neukölln sowie die alte Fabrikantenvilla in der heutigen Umlandgemeinde Blankenfelde–Mahlow. Bedingt durch die Teilung und die damit erzwungene Aufgabe der Villa sowie der Schließung des Neuköllner Werkes 1960 aus wirtschaftlichen Gründen geriet das durch seine Batterien für Taschenlampen und Radiogeräte zuvor weithin bekannte Unternehmen Koch & Krüger in Vergessenheit.


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Und so weiß man heute weder in Blankenfelde–Mahlow, welche Geschichte sich mit der alten Villa in der heutigen Ernst-Thälmann-Straße verbindet, noch in Neukölln, welcher einst namhafte Hersteller im stehengebliebenen Rückgebäude des Gründerzeit-Mietshauses in der Naumburger Straße hier ansässig war.

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| Die 1930 errichtete Villa in der damaligen Gemeinde Glasow, heute ein Ortsteil von Blankenfelde-Mahlow, welche die Familie Krüger zunächst gemietet und 1937 käuflich erworben hatte. Sie ist eine der letzten erhaltenen gebliebenen Orte des einst nach nach "Daimon" und "Varta" drittgrößten deutschen Batterieherstellers Koch & Krüger.


| 1928 war die Firma Koch & Krüger zur Naumburger Straße 43 gezogen, da in dem dortigen, sich über vier Geschosse einschließlich des Souterrains erstreckenden Gewerbegebäudes nahe der Lahnstraße erheblich mehr Platz zur Verfügung stand. Am letzten Kriegstag wurde das Gebäude bis auf das Souterraingeschoss zerstört. Man renovierte dann lediglich den erhalten gebliebenen Gebäudeteil. Dieser provisorische Zustand besteht bis heute. 

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Der Bericht über das Unternehmen Koch & Krüger ist aber auch eine jener Chroniken, die, aufgeschrieben von dem am 3. Dezember 1933 in Glasow geborenen, letzten Inhaber der Batteriefabrik, Siegfried Krüger, nicht nur an die Historie eines früher bedeutenden Unternehmens erinnern möchte, sondern zugleich auch verdeutlicht, welch unternehmerische Kräfte in wirtschaftlich schwieriger Zeit bisweilen umständehalber freigesetzt werden können. 

 

So beginnt der Aufstieg der Familie Krüger zu einer namhaften Unternehmerfamilie gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als Siegfried Krügers Großmutter mütterlicherseits aus einer Laune heraus bei einem in Abwesenheit des Ehemannes durchgeführten Spaziergangs eine Plätterei erwarb und den in Neukölln ansässigen Betrieb bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs zur zweitgrößten Dampfwäscherei im Berliner Raum ausbaute – in einer Zeit, in der ohne die Erlaubnis des Ehemannes Frauen weder ein Unternehmen erwerben noch ein Bankkonto führen durften…

 

Siegfried Krügers Lebenserinnerungen, die er für seine Nachkommen festhielt und mir dankenswerterweise zur Veröffentlichung zusandte, wurden von mir durch eigene Recherchen , aufgefundene Dokumente und aktuelle Fotos ergänzt.


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2 | Großmutter Martha Ewald

Schon früh begann sich in der Familie Krüger ein unternehmerischer Geist zu regen. Eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten in dieser Hinsicht war die am 30.11.1874 als älteste von insgesamt acht Kindern geborene Pauline Auguste Martha Ewald, die Großmutter mütterlicherseits von Siegfried Krüger, dem letzten Inhaber von Koch & Krüger.

 

Der Vater von Martha, ein sog. „Zwölfender“, hatte als Dank für den abgeleisteten 12-jährigen Militärdienst, zu dem er sich als 18-Jähriger verpflichtet hatte, vom preußischen Staat eine Stelle als Gefängnisleiter in Lübbenau im Spreewald erhalten. Doch das dortige kleinstädtische Leben war wohl nicht nach dem Geschmack von seiner Tochter Martha, die es als 18-Jährige nach Berlin zog. Vermutlich fand sie dort Aufnahme bei Verwandten, die der lebenshungrigen, noch nicht volljährigen (damals erst mit 21 Jahren) jungen Dame wohl auch eine Stellung als Dienstmädchen vermittelten. 

| Geburtsurkunde der am 30.11.1874 geborenen Pauline Auguste Martha Ewald.

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| Familie Ewald. Die Eltern und Geschwister von Martha Ewald. Sie selbst steht rechts neben Ihrem Vater, die Hand auf die Schulter eines Ihrer Brüder legend.

Am Samstag ging es, wie damals nicht nur bei jungen Leuten üblich, zum Tanzvergnügen. Ein junger Mann war ihr wohl besonders sympathisch. Als er ihr seinen Namen „Josef Schröter“ nannte, erklärte Martha kurzerhand, dass ihr der Vorname nicht gefalle und sie ihn daher „Hermann“ nennen würde. Und dabei blieb es. Am 26. Jul 1895 gab sie ihrem „Hermann“, der eigentlich Josef Hanns mit erstem und zweitem Vornamen hieß, das Jawort. Erst nach dem Tod von „Hermann“ stellte die Familie fest, dass dies nicht sein Geburtsname war.

 

Während Martha offenbar zuvor als Näherin, so der Eintrag in der Heiratsurkunde, tätig war, arbeitete ihr Ehemann als Lieferbote für einen Juwelier. Denn schließlich gehörte es seinerzeit zum guten Ton, dass man die erworbenen Schmuckstücke nicht gleich bezahlte und mitnahm, sondern man sich diese durch einen Boten bringen ließ.


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3 | Martha Schröters Plätterei

Doch auf die Dauer konnte für Martha ihr neues Leben allein als Hausfrau, die zuhause auf ihren Mann wartet, kaum befriedigend sein. Bei einem Bummel durch die Stadt stieß sie auf einen zum Verkauf stehenden Bügelladen, den sie kurzerhand erwarb. Abends überraschte sie dann ihren „Hermann“ mit der Nachricht, dass sie soeben eine „Plätterei“ gekauft habe – und das in einer Zeit, als derartige Geschäfte noch die Genehmigung des Ehemannes bedurften...

 

Plättereien waren für eine Großstadt eine durchaus notwendige Einrichtung. Denn schließlich war das Bügeln der komplexen Damengarderobe jener Zeit sowie der ebenfalls nicht gerade pflegeleichten Herrenhemden mit ihren steif gestärkten, jeden Tag zu wechselnden weißen Krägen in Anbetracht der damaligen Dampfbügeleisen eine durchaus aufwendige Angelegenheit. 

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| Heiratsurkunde der Martha Ewald mit Ihrem Mann Josef Hans Schröter.


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| Hermann (Joseph) und Martha Schröter sowie ihre Tochter Lucie, die spätere Mutter von Siegfried Krüger. 

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4 | Umzug der Wäscherei zur Bergstraße 

Die Plätterei lief offenbar dank der geschäftstüchtigen Martha gut, sodass sie bald nach größeren Räumen Ausschau hielt, in denen sie beispielsweise auch eine dampfbetriebene Mangel aufstellen konnte.  Zwischendurch bekam sie ihre Kinder: 1896 Lucie, die spätere Mutter von Siegfried Krüger, und 1897 Lilly.

 

Den Bedürfnissen einer Zeit folgend, in der es nur in den wenigsten Mietshäusern eine Waschküche gab, beschloss Martha, ihre bisherige Plätterei um eine Wäscherei zu erweitern. Hierzu war ein erneuter Umzug notwendig. Für 1908 findet sich in den damaligen Adressbüchern erstmals ein Eintrag, dass ihre „Berliner Hauswäscherei“, wie Martha ihren Betrieb nannte, in der Neuköllner Bergstraße 132 (heute Karl-Marx-Straße 175) ansässig war.  

 

In der Bergstraße prosperierte Marthas Betrieb dem Hörensagen nach zur zweitgrößten Wäscherei in Berlin. Dass ihr Ehemann, formal auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen Inhaber der Wäscherei, noch immer bei dem Juwelier als Bote arbeitete, war längst zu einem Anachronismus geworden. 


Daher drang Martha darauf, das ihr "Hermann" nun sein Geschäftsverhältnis mit dem Juwelier lösen und im Betrieb mitarbeiten solle. Da er es jedoch nicht übers Herz brachte, den nun schon älteren Inhaber des Juweliergeschäftes im Stich zu lassen, sollte Martha das Arbeitsverhältnis ihres Mannes beenden. Offenbar mit Erfolg, denn Martha und der Juwelier wurden sich schnell handelseinig.

 

Das Gebäude in der Bergstraße, in dem die "Berliner Hauswäscherei" ansässig war, hatte Marth ganz im Sinne eines rationellen Arbeitsablaufes umbauen lassen. In der obersten Etage wurde die mit eigenen Fuhrwerken – die Wäscherei beschäftigte in ihrer besten Zeit bis zu sechs eigene Fuhrwerke samt Kutschern - von den Kunden abgeholte Wäsche gezählt und mit farbigen Fäden markiert, sodass sie später wieder den entsprechenden Kunden zugeordnet werden konnte. Durch einen Schacht wurde sie ins darunterliegende Stockwerk befördert, in dem sich die großen Dampfwaschmaschinen befanden. Gereinigt wurde sie in die nächste Etage befördert, wo nun das Bügeln, Mangeln und Trocknen stattfand. Vom Erdgeschoss erfolgte dann die Auslieferung der Wäsche mittels Fuhrwerke zu den Kunden.    

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| Ein Eintrag aus dem Berliner Adressbuch von 1908 nennt unter der Hausnummer Bergstraße 132 (heute Karl-Marx-Straße 175) die "Berliner Hauswäscherei" und den Inhaber "Hermann Schröter".


| Sterbeurkunde des Josef Hanns Schröter vom 8. März 1919.

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Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte dem Erfolg Marthas ein jähes Ende. Die Pferde der Fuhrwerke gingen ans Militär und die jüngeren Männer zogen an die Front.  Der Wäschereibetrieb lief nur noch in stark reduzierter Form.

 

Nach dem Ende des Krieges konnte die "Berliner Hauswäscherei" nicht mehr an die Zeit vor dem Krieg anknüpfen. 1919 stürzte zudem Marthas "Hermann" in den Schacht, durch welchen die Schmutzwäsche zu den Waschmaschinen befördert wurde. Er erlitt innere Verletzungen, an denen er wenige Wochen später,  am 8. März 1919, verstarb. 

 

Martha verkaufte den Betrieb in der Bergstraße 132 nach "Hermanns" Tod an den Lichterfelder Kaufmann Otto Kaifer und konzentrierte sich nur noch auf die Verwaltung ihrer beiden jeweils mit rund zwanzig Mietsparteien belegten Berliner Mietshäuser. 1922 veräußerte sie eines davon an einen Mieter. Doch von dem Erlös konnte sie sich während der Inflation nur noch ein paar Lebensmittel kaufen. Das Gebäude in der Kreuzberger Liegnitzer Straße 2, dessen Einnahmen für ihren weiteren Lebensunterhalt sorgte, blieb hingegen bis in die 1970er Jahre im Eigentum der Familie. 


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5 | Lucie Schröter und Bruno Krüger

Der Erste Weltkrieg bildete jedoch nicht nur im Leben von Martha Ewald einen Wendepunkt, sondern auch im Leben ihrer Tochter Lucie – der späteren Ehefrau des Gründers der Neuköllner Batteriefabrik. Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde ein Großteil der jungen Männer an die Front geschickt. Ältere Männer über 40 hingegen wurden zur Waffenproduktion dienstverpflichtet. Auf diese Weise lernten sich auch der Wäschereibesitzer Josef „Hermann“ Schröter und der Schuhmacher Wilhelm Krüger 1914 während der Arbeit in einem Rüstungsunternehmen kennen.

 

Natürlich tauschte man sich auch über die familiären Verhältnisse aus – und stellte dabei fest, dass Hermann zwei Mädchen im Alter von siebzehn und achtzehn Jahren hatte, Während Wilhelm fünf Kinder besaß, darunter seinen 23jährigen Sohn Bruno, der bisher ohne Bindung geblieben war.

| Heiratsurkunde Lucie Schröter und Bruno Krüger, Seite 1. 

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| Heiratsurkunde Lucie Schröter und Bruno Krüger, Seite 2. 

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Bruno war nach seiner Kaufmännischen Ausbildung als Einkäufer bei Mannesmann, einem wichtigen Rüstungsunternehmen, zunächst für den Kriegsdienst als „u. K.“ – also „unabkömmlich“ - gestellt worden. 1915 wurde er dann doch zum Kriegsdienst eingezogen, als Funker allerdings nie direkt an der Front eingesetzt.

 

Die beiden Väter beschlossen nun, Hermanns Töchter Lucie und Lilly mit Wilhelms Sohn Bruno bekannt zu machen. Offenbar nicht ohne Erfolg. Bereits während des Kriegs gab es erste Kontakte zwischen den jungen Leuten.

 

Nach dem Ende des Krieges wurde die Beziehung zwischen Lucie und Bruno offenbar konkreter, so dass man für 1920 schließlich einen Hochzeitstermin festlegte, der jedoch auf Grund des tragischen Todes von Marthas Ehemann "Hermann" auf den 15. Oktober 1921 verschoben werden musste. Das frisch verheiratete Paar lebte nun gemeinsam mit Martha Schröter in deren Wohnung in der Emser Straße 5-6 in Neukölln. 


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6 | Die Gründung der Firma Koch & Krüger

War die Heirat von Bruno und Lucie eine Folge der Absprachen zwischen den beiden Vätern, so ist  der berufliche Wechsel Brunos in die nicht risikolose, unternehmerische Selbstständigkeit der Intention der geschäftstüchtigen Großmutter Martha zuzuschreiben: Um das Jahr 1920 traf sich Martha mit dem Wäschereibesitzer Wilhelm Koch. Der Konkurrenzkampf war jedoch in jener Zeit nicht sonderlich ausgeprägt, da jede Wäscherei ihren festen, durch die Reichweite der Pferdefuhrwerke begrenzten Einzugsbereich hatte.

 

Die Großwäscherei der Familie Koch - Eigentümerin war Wilhelm Kochs Ehefrau Minna - befand sich denn auch in einiger Entfernung zu der von Martha, in der Wissmannstraße 3 (heute Lucy-Lameck-Straße) am Hermannplatz, während die Familie Koch selbst am Kottbusser Damm 69 wohnte.

 

Und angesichts des wohl bereits seit langem bestehenden, freundschaftlichen Verhältnisses von Wilhelm und Martha glich denn auch das Gespräch eher einem privaten Treffen als einer geschäftlichen Unterredung. An irgendeinem Punkt der Unterhaltung erwähnte Wilhelm Koch, dass sein Sohn Walter an der Universität im Fach Chemie promoviert habe. Während des Studiums hätte dieser eine neue Technik kennengelernt – die Herstellung von Trockenbatterien.

 

Batterien waren in dieser Zeit nichts Ungewöhnliches, doch handelte es sich hierbei meist um solche mit flüssigen Elektrolyten, die lediglich stationär für Klingel- und Telefonanlagen oder in der Funktechnik eingesetzt werden konnten. Transportfähig waren diese sperrigen und schweren Batterien nicht so ohne weiteres und für Kleinstanwendungen wie Taschenlampen gar völlig unbrauchbar. 

| Standort von Martha Schröters ehem. "Berliner Hauswäscherei"  in der früheren Bergstraße 132 (heute Karl-Marx-Straße 172). Das Gebäude wurde ebenso wie das Nachbarhaus durch einen gesichtslosen Neubau ersetzt. Die dieser aus der Baufluchtlinie heraus nach hinten versetzt errichtet wurde, liegen seither die Brandwände der Nachbarhäuser frei, was den nicht eben vorteilhaften Eindruck des Gebäudes verstärkt.

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| Das Wohngebäude, welches einst Martha Schröters ehem. "Berliner Hauswäscherei" beherbergte, befand sich an Stelle des heutigen "Jemenitischen Restaurants". 

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Dieser „neuen Technik der Herstellung von Trockenbatterien“, der sich Walter Koch zuwenden wollte, beruhte auf einem Verfahren, das der Begründer der „Daimon–Batteriewerke“ in Berlin entwickelt hatte. Zwar war es bereits dem Mainzer Carl Gassner 1887 mit Hilfe von Gipspulver gelungen, eine erste Trockenbatterie herzustellen, die er auch in einem größeren Maßstab produzierte, aber Gassners Fabrik bestand nicht mehr und auch die damalige Methodik konnte keineswegs als ausgereift bezeichnet werden.

 

Mehr Erfolg auf dem Gebiet sollte erst dem späteren Begründer der „Daimon Batteriewerke“, Paul Schmidt, beschieden sein. Dessen erste Versuche verliefen jedoch zunächst ohne Erfolg. Eines Tages beobachtete Schmidt seine Frau dabei, wie diese Eier und Milch durch Zugabe von Mehl zu einem festen Teig verrührte. Warum nicht auch, so kam ihm der Gedanke, flüssige Elektrolyte durch Zugabe von Mehl in eine leicht zu transportierende feste Batteriemasse verwandeln? Nach diversen weiteren Versuchen meldete er 1901 seine 4,5 Volt Flachbatterie zum Patent an. 1904 eröffnete er in der Berliner Chausseestraße 82 (heute 88) eine Fabrik, die er bald darauf den Namen „Daimon“ gab und in der er auch die von ihm ebenfalls erfundene Taschenlampe herstellte. Daimon wurde im Laufe der Zeit zu einem der bekanntesten und größten Hersteller von Trockenbatterien. 


Doch der Bedarf an Trockenbatterien war durch Firmen wie "Daimon" oder der "AFA" und ihrer Vertriebsmarke "Varta" (Vertrieb, Aufladung, Reparatur transportabler Akkumulatoren. Varta begann erst 1926 mit der Übernahme des Trockenbatterieherstellers "Pertrix" mit dem Verkauf von Trockenbatterien), selbst in den wirtschaftlich schwierigen Jahren nach dem Ersten Weltkrieg keineswegs gedeckt. Denn neben Taschenlampen waren es jetzt vor allem die verstärkt aufkommenden Radios, die hier für eine große Nachfrage sorgten.

 

Wilhelm Koch erzählte nun Martha, dass sein Sohn Walter als promovierter Chemiker beabsichtige, eine eigene Batterieherstellung aufzubauen. Er suche jedoch noch einen Kaufmann als Partner. Die Herstellung von Batterien durch Private war in jener Zeit und angesichts des großen Bedarfs nichts ungewöhnliches. Doch hielten sich diese oft nur aus einer Garage als Produktionsstätte bestehenden Unternehmen meist nicht lange. Denn entweder fehlte es am technischen Sachverstand oder an den notwendigen kaufmännischen Kenntnissen.

 

Bis in die 1980er Jahre hinein bot sich am S- Bahnhof Yorckstraße (links) dieses Bild. Auf dem Anschlussgleis des Lagerschuppens der Wein- und Spirituosenspedition Albert Mann stehen mit Weinfässern beladene Güterwagen.
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| Auszug Berliner Handelsregister 1921 der "Batterien & Elemente Fabrik Minna Koch

So informierte Martha nun Bruno über ihr Gespräch mit Wilhelm Koch. Bruno war offenbar von dem Plan recht angetan. Allerdings hatte hierbei Wilhelm Kochs Ehefrau, Minna Koch, geborene Democh, noch ein Wort mitzusprechen.

 

Denn Minna Koch gehörte schließlich das Wohnhaus Wissmannstraße 3, in dem sie ihre "Dampfwaschanstalt Arnim" betrieb und das nun auch als künftiger Firmensitz fungieren sollte. So findet sich im Handelsregister von 1921 für die neue Firma der Eintrag „Batterien- und Elemente-Fabrik Minna Koch“. 

 

Wilhelm Koch ist lediglich als Prokurist für das neu gegründete Unternehmen tätig. Erst im Adressbuch für das Jahr 1922 ist die Firma als „Batterie und Elementefabrik Koch & Krüger“ vermerkt – jener Firmenbezeichnung, die der Betrieb bis zum Ende beibehalten sollte.  

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7 | Die ersten Jahre der Firma Koch & Krüger

Das neue Unternehmen startete zunächst mit 2-3 Beschäftigten. Zunächst erfolgte die Herstellung der Batterien in reiner Handarbeit ohne Maschinen. Doch wie sollte die „Batterie- und Elementefabrik“ gegen all die vielen Keller- und Garagenbetriebe bestehen? Da diesen Kleinstbetrieben meist nur eine kurze Existenz vergönnt war, verfolgte Bruno Krüger schnell eine neue Strategie. Betriebe, die wirtschaftlich gefährdet waren, wurden von ihm günstig aufgekauft – um die Zahl der Konkurrenten zu reduzieren und um deren Kunden zu übernehmen. Anfang der Dreißigerjahre wurde auf diese Weise auch eine Firma in England übernommen, die sich bald nach der Übernahme jedoch wieder gut entwickeln sollte.

 

Doch während es geschäftlich für Bruno Krüger zu Beginn der 1920er im Grunde gut zu laufen schien, waren diese Jahre privat für ihn und seine Frau Lucie eine eher schwierige Zeit. Am 28. August 1922 wurde beiden eine Tochter mit Namen Helga geboren, doch bereits zehn Tage nach der Geburt verstarb Helga. Im darauffolgenden Jahr, am 18. November 1923 wurde dem Paar eine weitere Tochter, Christa, geboren - doch auch dieser war kein langes Leben vergönnt. Sie verstarb noch am gleichen Tag. Einige Monate später, am 7. Januar 1925, musste sich zudem Brunos Geschäftspartner Walter von seinem Vater Wilhelm Koch für immer verabschieden.  

| Auszug Berliner Handelsregister 1922 der "Batterien & Elemente Fabrik Koch & Krüger

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