Batterien aus Neukölln


Die Firma Koch & Krüger

Standortkarte Weinspedition Albert Mann
Karte Neukölln

Batterien
aus
Neukölln

Die Firma
Koch & Krüger

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1 | Einleitung. Ein vergessenes Unternehmen

Bild und Text: Lutz Röhrig

Viele der einst in Neukölln - als einem der bis heute wichtigsten Industriestandorte der Stadt -ansässigen Betriebe mit großem Namen und ebenso großer Geschichte sind inzwischen längst vergessen. Hierzu gehört auch die Firma „Koch & Krüger“ als nach Varta“ und „Daimon“ drittgrößter deutscher Batterieproduzent. Während das Unternehmen bis in die Nachkriegszeit hinein aufgrund des hohen Bedarfs an Batterien für Taschenlampen und Radiogeräten fast jeder kannte, finden sich heute kaum mehr Spuren des einst bedeutenden Herstellers von Trockenbatterien. 


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Hilfreich beim Aufspüren der Geschichte des Betriebs waren dabei die Erinnerungen des letzten Inhabers des Unternehmens, Siegfried Krüger, die dieser, schon über achtzigjährig, ursprünglich für seine Familie aufgeschrieben hatte und mir gern zur Verfügung stellte. Dieser Bericht diente als Grundlage für den vorliegenden Artikel und wurde von mir durch eigene Recherchen und aktuelle Fotos ergänzt.

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Bis in die 1980er Jahre hinein bot sich am S- Bahnhof Yorckstraße (links) dieses Bild. Auf dem Anschlussgleis des Lagerschuppens der Wein- und Spirituosenspedition Albert Mann stehen mit Weinfässern beladene Güterwagen.

| Bis in die 1980er Jahre hinein bot sich am S-Bahnhof Yorckstraße (links) dieses Bild. Auf dem Anschlussgleis des Lagerschuppens der Wein- und Spirituosenspedition Albert Mann stehen mit Weinfässern beladene Güterwagen. 


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| Familie Ewald. Die Eltern und Geschwister von Martha Ewald. Sie selbst steht rechts neben Ihrem Vater, die Hand auf die Schulter eines Ihrer Brüder legend.

2 | Großmutter Martha Schröter geb. Ewald

Schon früh begann sich in der Familie Krüger ein unternehmerischer Geist zu regen. Eine der bemerkenswertesten Persönlichkeiten in dieser Hinsicht war die am 30.11.1874 als älteste von insgesamt acht Kindern geborene Pauline Auguste Martha Ewald, die Großmutter mütterlicherseits von Siegfried Krüger, dem letzten Inhaber von Koch & Krüger.

 

Der Vater von Martha, ein sog. „Zwölfender“, hatte als Dank für den abgeleisteten 12jährigen Militärdienst, zu dem er sich als 18-Jähriger verpflichtet hatte, vom preußischen Staat eine Stelle als Gefängnisleiter in Lübbenau im Spreewald erhalten. Doch das dortige kleinstädtische Leben war wohl nicht nach dem Geschmack von seiner Tochter Martha, die es als 18-Jährige nach Berlin zog. Vermutlich fand sie dort Aufnahme bei Verwandten, die der lebenshungrigen, noch nicht volljährigen (damals erst mit 21 Jahren) jungen Dame wohl auch eine Stellung als Dienstmädchen vermittelten. 

 

Am Samstag ging es, wie damals nicht nur bei jungen Leuten üblich, zum Tanzvergnügen. Ein junger Mann war ihr wohl besonders sympathisch. Als er ihr seinen Namen „Josef Schröter“ nannte, erklärte Martha kurzerhand, dass ihr der Vorname nicht gefalle und sie ihn daher „Hermann“ nennen würde. Und dabei blieb es. Am 26. Jul 1895 gab sie ihrem „Hermann“, der eigentlich Josef Hanns mit ersten und zweiten Vornamen hieß, das Jawort. Erst nach dem Tod von „Hermann“ stellte die Familie fest, dass dies nicht sein Geburtsname war.

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1 | Die Plätterei der Martha Schröter

Während Martha offenbar zunächst als Näherin, so der Eintrag in der Heiratsurkunde, tätig war, arbeitete ihr Ehemann als Lieferbote für einen Juwelier. Denn schließlich gehörte es seinerzeit zum guten Ton, dass man die erworbenen Schmuckstücke nicht gleich bezahlte und mitnahm, sondern man sich diese durch einen Boten bringen ließ.

 

Doch auf die Dauer konnte Martha eine Tätigkeit lediglich als Hausfrau oder Näherin nicht befriedigen. Bei einem Bummel durch die Stadt stieß sie auf einen zum Verkauf stehenden Bügelladen, den sie kurzerhand erwarb. Abends überraschte sie dann ihren „Hermann“ mit der Nachricht, dass sie soeben eine „Plätterei“ gekauft habe – und das in einer Zeit, als derartige Geschäfte noch die Genehmigung des Ehemannes bedurften...

 

Plättereien waren für eine Großstadt eine durchaus notwendige Einrichtung. Denn schließlich war das Bügeln der komplexen Damengarderobe jener Zeit sowie der ebenfalls nicht gerade pflegeleichten Herrenhemden mit ihren steif gestärkten, jeden Tag zu wechselnden weißen Krägen in Anbetracht der damaligen Dampfbügeleisen eine durchaus aufwendige Angelegenheit. 

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| Hermann (Joseph) und Martha Schröter sowie ihre Tochter Lucie, die spätere Mutter von Siegfried Krüger. 


| Familie Ewald. Die Eltern und Geschwister von Martha Ewald. Sie selbst steht rechts neben Ihrem Vater, die Hand auf die Schulter eines Ihrer Brüder legend.

2 | Umzug der Wäscherei zur Bergstraße 

Die Plätterei lief offenbar dank der Geschäftstüchtigen Martha gut, so dass sie bald nach größeren Räumen Ausschau hielt, in denen sie beispielsweise auch eine dampfbetriebene Mangel aufstellen konnte.  Zwischendurch bekam sie, trotz der sicher hohen Arbeitsbelastung ihre Kinder: 1886 Lucie, die spätere Mutter von Siegfried Krüger, und 1897 Lilly.

 

Den Bedürfnissen einer Zeit folgend, in der es nur in den wenigsten Mietshäusern eine Waschküche oder Badezimmer gab beschloss Martha, ihren Geschäftsbetrieb um eine Wäscherei zu erweitern. Hierzu war ein erneuter Umzug notwendig. Für 1908 findet sich ein Eintrag in den damaligen Adressbüchern, dass ihre „Berliner Hauswäscherei“, wie Martha ihren Betrieb nun nannte, jetzt in der Neuköllner Bergstraße 132 (heute Karl-Marx-Straße 172) ansässig war.  

 

In der Bergstraße reüssierte Marthas Betrieb dem Hörensagen nach bis in die Zeit unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg zur zweitgrößten Wäscherei in Berlin. Das Ihr Ehemann, formal auf Grund der gesetzlichen Bestimmungen Inhaber der Wäscherei, noch immer bei dem Juwelier als Bote arbeitete, war längst zu einem Anachronismus geworden. Er sollte nun sein Geschäftsverhältnis mit dem Juwelier lösen und im Betrieb mitarbeiten. Da er es jedoch nicht übers Herz brachte, den nun schon älteren Inhaber des Juweliergeschäftes im Stich zu lassen, sollte Martha das Arbeitsverhältnis ihres Mannes beenden. Offenbar mit Erfolg, denn Martha und der Juwelier wurde sich schnell handelseinig. 

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Während Die neue Wäscherei war in einem vierstöckigen Gebäude untergebracht. In der obersten Etage wurde die mit eigenen Fuhrwerken – in ihren besten Tagen beschäftigte die Wäscherei bis zu sechs eigene Fuhrwerke samt ihren Kutschern - von den Kunden abgeholte Wäsche gezählt und mit farbigen Fäden markiert, so dass sie später wieder den entsprechenden Kunden zugeordnet werden konnte. Durch einen Schacht wurde sie ins darunterliegende Stockwerk befördert, in dem sich die großen Dampfwaschmaschinen befanden. Gereinigt wurde sie in das darunterliegende Stockwerk befördert, wo nun das Bügeln, Mangeln und trocknen stattfand. Vom Erdgeschoß erfolgte dann die Auslieferung der Wäsche mittels Fuhrwerke zu den Kunden.  

 

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs setzte dem Erfolg Marthas ein jähes Ende. Die Pferde der Fuhrwerke gingen ans Militär und die jüngeren Männer zogen an die Front.  Der Wäschereibetrieb lief nur noch in stark reduzierter Form.

 

Nach dem Ende des Krieges konnte die Wäscherei nicht mehr an die Zeit vor dem Krieg anknüpfen. 1920 stürzte zudem Marthas Ehemann Hermann in den Schacht, durch welchen die Schmutzwäsche zu den Waschmaschinen befördert wurde. Er erlitt innere Verletzungen, an denen er wenige Wochen später verstarb. Martha verkaufte den Betrieb in der Bergstraße 132 an einen gewissen O. Kaiser und konzentrierte sich nun nur noch auf die Verwaltung ihrer beiden vierstöckigen, jeweils mit rund zwanzig Mietsparteien belegten Mietshäuser. 1922 verkaufte sie eines davon an einem Mieter. Doch von dem Erlös konnte sie sich während der Inflation nur noch ein paar Lebensmittel kaufen. Das Gebäude in der Kreuzberger Liegnitzer Straße 2, dessen Einnahmen für ihren weiteren Lebensunterhalt sorgte, blieb hingegen bis in die 1970er Jahre im Eigentum der Familie. 

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Bis in die 1980er Jahre hinein bot sich am S- Bahnhof Yorckstraße (links) dieses Bild. Auf dem Anschlussgleis des Lagerschuppens der Wein- und Spirituosenspedition Albert Mann stehen mit Weinfässern beladene Güterwagen.

| Bis in die 1980er Jahre hinein bot sich am S-Bahnhof Yorckstraße (links) dieses Bild. Auf dem Anschlussgleis des Lagerschuppens der Wein- und Spirituosenspedition Albert Mann stehen mit Weinfässern beladene Güterwagen.