Hinter alten Dielen...


Inhalt und Kapitelübersicht



Ein überraschender

Renovierungs - Fund



Bild und Text: Lutz Röhrig 

Begleitet von einem freudestrahlendem Gesicht landete "er" auf meinen Arbeitsplatz. "Schau mal hier, was ich damals bei der Renovierung meiner Wohnung hinter der Scheuerleiste gefunden habe“... Na, manchmal erlebt man so seine Überraschungen. Schnell war klar, es war ein alter Fahrschein der Spandauer Straßenbahn (SpS). Doch wie alt war er und was war seine Geschichte? Nun, zuhause angekommen war erst einmal Spurensuche in meinem Archiv angesagt. Begeben wir uns also auf eine kleine Zeitreise in jene Tage, als Spandau tatsächlich noch „bei Berlin“ lag…..

Alter Fahrschein. Titelblatt


Planung und Bau

der Spandauer Straßenbahn



Ein Bild der Spandauer Straßenbahn. Vermutlich am "Fehrbelliner Tor"

Das Problem der Gemeinde Spandau bestand schon immer in ihrer großen Flächenausdehnung. Beinahe mittig von der Lehrter- und Hamburger Bahn mit den Stationen Spandau – Hauptbahnhof und Spandau West durchzogen, galt es zunächst, von diesen Bahnhöfen Anschlüsse zur Spandauer Altstadt und in Richtung Fehrbelliner Tor bzw. in Richtung Süden bis hin nach Pichelsdorf herzustellen. So sollten die größten Unbequemlichkeiten für die um 1885 immerhin 40.000 Einwohner beseitigt werden.

 

Das zweckmäßigste, für die engen Innenstadtstraßen geeignete Verkehrsmittel jener Zeit stellte die Pferdestraßenbahn dar, doch die Gemeinde scheut den finanziellen Aufwand für deren Bau. So kommt ihr der Vorschlag eines Konsortiums Spandauer Geschäftsleute im Jahr 1892 sehr gelegen, den Bau selbst zu bestreiten. Noch im selben Jahr wird die Genehmigung erteilt und am 5. Juni 1892 kann in beinahe rekordverdächtiger Zeit das erste Teilstück zum Fehrbelliner Tor eröffnet werden. 1894 folgt die Eröffnung der Strecke nach Pichelsdorf.



Elektrifizierung und

Ausbau des Netzes



Doch das Zeitalter der Pferdebahnen ist zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon beinahe vorüber. 1895 wird die AEG von der „Deutschen Kleinbahn- Gesellschaft“, welche im Jahr zuvor die Spandauer Straßenbahn- Gesellschaft übernommen hatte, beauftragt, mit den Elektrifizierungsarbeiten der Spandauer Straßenbahn zu beginnen. 1896 ist die erste Linie komplett auf elektrischen Antrieb umgestellt.


Doch die Maßnahmen sind teuer, andererseits verspricht die zu erwartende Steigerung der Fahrgastzahlen ansehnliche Gewinne. Am 4. März 1899 erwirbt daher die AEG von der "Deutschen Kleinbahn-Gesellschaft" die Spandauer Straßenbahn. Doch das Intermezzo der AEG ist nicht von langer Dauer. Acht Jahre später, am 1. Juli 1907, wird die Spandauer Straßenbahn schließlich von der Gemeinde Spandau übernommen.

 

Mit der Übernahme der Spandauer Straßenbahn durch die Gemeinde Spandau im Jahre 1907 wird auch die Kennzeichnung der einzelnen Linien, die bis dahin durch die Farben Rot, Grün und Weiß markiert waren, von einem Buchstabenschema abgelöst. 

Alter Fahrschein. Vorderseite

Vorderseite des aufgefundenen Fahrscheins der Spandauer Straßenbahn mit Streckennetz.


Alter Fahrschein. Rückseite.

Rückseite des Fahrscheins der Spandauer Straßenbahn mit Werbung für Briketts der Marke T- Heye.

Es existieren nun sieben Linien:
B Stresowplatz- Ruhlebener Straße-Spandauer Bock
F Hauptbahnhof – Altstadt – Fehrbelliner Tor
ST Hauptbahnhof – Altstadt – Johannisstift
S Hauptbahnhof – Altstadt- Neuendorfer Straße – Schützenhaus
H Hauptbahnhof- Altstadt- Neuendorfer Straße –Hakenfelde

Die Linienbezeichnungen werden bis 1917 aufrechterhalten. Zu jenem Zeitpunkt erhält die Charlottenburger Straßenbahn einen Anschluss nach Spandau, so dass nun bequem die Spandauer Rüstungsbetriebe auch aus Charlottenburg erreicht werden können. Es herrscht Krieg, der Bedarf an Rüstungsgütern und damit auch an Menschen, die dieser fertigen, ist riesig.


Da die Charlottenburger Straßenbahn ebenfalls ein Buchstabenschema für Ihre Linien anwendet, entschließt sich die Spandauer Straßenbahn zur Einführung des Nummernsystems, während die Charlottenburger Straßenbahn ihre Buchstabenkennzeichnung beibehält.



Mein Artikel

im Print



Der Artikel "Hinter alten Dielen und Schwellen" wurde auch in den Berliner Verkehrsblättern, einer seit über 50 Jahren über alle Themen des öffentlichen Verkehrs in Berlin informierenden Fachzeitschrift, veröffentlicht.

 

Nachzulesen im 63. Jahrgang, Heft 746, September 2016

Print Veröffentlichung.


Möchten Sie regelmäßig über alle Neuigkeiten auf zeit-fuer-berlin.de informiert werden? Dann melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an - und lesen Heute, was Morgen nur noch Geschichte ist...

Sie möchten gern einen Kommentar oder Hinweis zu meinen Artikeln geben? Sie wünschen, dass auch über Ihr  Unternehmen berichtet wird? Nutzen Sie einfach das Kontaktformular