Vom Aufzug für Waggons zum Lift im Holzhochhaus

Schöneberger Straße in Kreuzberg. Blick auf das Garagengelände und dem Gebäude von 1900.

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Vom Aufzug für Waggons zum Lift im Holzhochhaus


Schöneberger Straße 

Inhalt und Kapitelübersicht

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Eisenbahn Metropole Berlin


Eisenbahnmetropole Berlin

Vorgeschichte1

 1 | Vorgeschichte. Berlins "Kramecken"


Hand aufs Herz: In Zeiten der Wohnungsknappheit und steigender Mietpreise sind Neubauten mehr als notwendig. Doch ein bisschen Wehmut darf aufkommen. Denn neue Bauprojekte sorgen zugleich auch dafür, dass viele der seit Jahrzehnten bestehenden „Kramecken“ in unseren Straßen, die trotz ihrer Unaufgeräumtheit noch einen kleinen, Blick in die Vergangenheit ermöglichten, nun verschwinden. So lässt etwa auch das alte Garagengelände an der Schöneberger Straße in Kreuzberg noch Einblick nehmen in eine Zeit, als vom Anhalter Bahnhof noch quer über das heutige Garagenareal Güterwaggons mittels einer Aufzugsanlage zum benachbarten Schöneberger Hafen verschoben wurden...


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Ein Trost bleibt: So manches Neubauprojekt ist oftmals selbst ein bemerkenswertes Stück Architektur- und Ingenieurbaukunst – erst recht, wenn es sich dabei um Deutschlands größtes Holzhybridhochhaus handelt! Zudem wird bereits seitens des Bauträgers auf eine feste Einbindung des Neubauprojektes in die sozialen Strukturen des Umfelds geachtet. Musiker, Kindergärten oder Einrichtungen für die Betreuung von Jugendlichen und Demenzerkrankten sollen hier ebenso ihren Platz erhalten wie Cafés und sonstige Läden. Und auch bezuschussten Wohnraum für Geringverdiener wird es hier neben den das Projekt finanzierenden Eigentumswohnungen geben. Sind wir also gespannt auf das, was kommt...

 

Blick auf dem Mittelteil des Garagengeländes.

1| Eine von Berlins "Kramecken": Das alte Garagengelände an der Schöneberger Straße. Es wird demnächst Standort eines spektakulären Holzhybridhochhauses sein. 

 


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 2 | Ein altes Garagengelände an der Schöneberger Straße


Lageplan des Garagengeländes an der Schöneberger Straße von 1987.

2| Das alte, hier farbig markierte Garagengelände an der Schöneberger Straße auf einer Karte von 1987. Links davon der heutige Mendelssohn-Bartholdy-Park, das ehem. Hafengelände, darunter der Landwehrkanal mit der Schöneberger Brücke. Die weiße Fläche rechts vom Garagengelände ist das ehem. Areal des Anhalter Bahnhofs. Oben der Askanische Platz. 

 

Wer des Öfteren vom S- Bahnhof Anhalter Bahnhof zu Zielen jenseits des Landwehrkanals unterwegs ist, der kommt zwangsläufig bei seinem Gang durch die Schöneberger Straße an einem urigen Garagengelände vorbei, dem man auf den ersten Blick ansieht, dass es irgendwie aus der Zeit gefallen scheint. Denn gleich vorn direkt an der Straße und ein Stück weit in den Gehweg hineinragend befindet sich ein seltsames Gebäude, um das jeder Fußgänger in einem kleinen Bogen herumgehen muss. Die Schöneberger Straße muss also einst eine andere Fluchtlinie besessen haben, an der sich dieses Gebäude orientierte. Schaut man am Gebäude empor, so sieht man hier und da noch kleine Rundbogenfenster – eindeutig ein Hinweis auf eine wesentlich ältere Nutzung, als es die derzeit hier ansässige Autowerkstatt vermuten lässt.

 

Auch das sich hinter dem Werkstattgebäude erstreckende Garagengelände mutet etwas altertümlich an. Keine neuzeitlichen Stahltore, welche die einzelnen Garagen verschließen, sondern hölzerne Doppeltüren, die zwischen rohem Ziegelmauerwerk befestigt sind. Vom Werkstattgebäude verläuft längs der Grundstücksgrenze eine lange Reihe dieser urtümlichen Garagen, auf die von rechts eine zweite Reihe v-förmig zuläuft.

 



In der Mitte dieser Garagenreihen liegt eine kleine Gruppe weiterer Gebäude, die in einem seltsam schiefen Winkel auf die Garagenreihe hinter dem Werkstattgebäude zuläuft und dadurch das Hofgelände auf dieser Seite verengt. Zur Straße hin wird diese Gebäudegruppe durch einen kleinen Anbau abgeschlossen, dem man seine Nutzung als Tankstelle noch ansieht. Doch längst hat der Anbau sein schützendes, sich über die Zapfsäulen erstreckendes Vordach verloren und an Stelle der alten Zapfsäulen bietet nun ein Imbiss seine Mahlzeiten an.

 

Auf dem gesamten Gelände erblickt man vor allem am Abend so manchen Auto-Schrauber, der hier seiner Tätigkeit nachgeht. Aber auch Firmen haben auf dem Gelände ihre Hochzeitskutschen oder für Stadtrundfahrten genutzte Automobile abgestellt. Klar, dass dieses Gelände so manches Mal von mir und meiner Kamera besucht worden ist. Denn ebenso klar schien es mir, dass angesichts der Wohnungsnot in Berlin die Tage dieses unaufgeräumten Idylls bald gezählt sein dürften. Und noch etwas trieb mich an: das Bewusstsein, dass dieser Ort in irgendeinem Bezug zum benachbarten Anhalter Bahnhof gestanden haben muss. Wieder einmal Zeit für eine Spurensuche… 

 

Gebäude von 1900 an der Schöneberger Straße.

3| Bereits von weitem ist das alte Garagengelände an dem ein Stück weit in den Gehweg ragenden Gebäude erkennbar, in dem sich aktuell noch eine Autowerkstatt befindet. Links geht der Weg durch ein kleines Parkgelände zum S-Bahnhof Anhalter Bahnhof bzw. zur Möckernstraße.

 


Garagenwerkstatt an der Schöneberger Straße.

4| Blick auf die Autowerkstatt. Rechts schließt sich im Hintergrund die Garagenreihe an.

 

Blick in die Tore der Autowerkstatt.

5| Blick in die offenen Werkstatttore. 

 


Blick in den hinteren Teil des Garagengeländes.

6| Ganz links ist im Anschnitt noch das Gebäude der Autowerkstatt zu sehen, dann die folgende Garagenreihe. Rechts die schräg zur Garagenreihe stehenden Gebäude in der Mitte des Geländes. Das Fenster rechts gehört noch zur ehem. Tankstelle.

 

Ein Paradies für Autoschrauber.

7| Blick in den hinteren linken Teil des Garagengeländes.

 


Blick vom hinteren Teil des Garagengeländes zur Schöneberger Straße.

8| Blick in die Gegenrichtung der obigen Aufnahmen zur Schöneberger Straße. Rechts hinten das Gebäude der Autowerkstatt. 

Das zweite, aus der Zeit der Anhalter Bahn erhaltene Gebäude.

9| Herbststimmung. Der Blick geht hier ebenfalls zur Schöneberger Straße, aber über die rechte Garagenreihe auf der Seite des Abwasserpumpwerkes. An dem hier weiß gestrichenen Gebäude in der Geländemitte ist noch die Bauzeit um ca. 1900 ablesbar. Es ist somit das zweite, noch aus der Zeit der Anhalter Bahn erhaltene Gebäude.

 


Das Gebäude der ehem. Tankstelle an der Schöneberger Straße.

10| Das Gebäude der ehem. Tankstelle, das längst die Zapfstellen (an der Stelle der links zu sehenden Tische und Sonnenschirme) und sein schützendes Dach verloren hat. 

 

11| Während sich an der Straßenseite des inmitten des Hofes liegenden Gebäudeblocks die Tankstelle befindet, sind am anderen Ende diese Garagentore zu sehen., siehe obere Aufnahme.

 


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 3 | Der Bau des zweiten Anhalter Bahnhofs


12| Plan des ersten Anhalter Bahnhofs um 1871 kurz vor dem Umbau bzw. Abbruch der Anlagen. Unten an der Schöneberger Straße sind die beiden dunkel schraffierten Gebäude (rote Rahmung) des Kohlenplatzes zu sehen, die im Kern die Lage der heutigen Gebäude vorgeben.

 

Der 1839 – 1841 errichtete erste Bahnhof der Anhalter Bahn genügte schon bald kaum mehr den Anforderungen des stetig wachsenden Bahnverkehrs. Hinzu kam, dass sich die Gleise direkt im Straßenplenum befanden und so insbesondere den Verkehr auf den Uferstraßen behinderten. Auch der Schiffsverkehr auf dem im Anschluss an das Bahnhofsgelände zu querenden Landwehrkanal behinderte die flachen, an die Höhe der Uferstraßen angepassten Eisenbahnbrücken, die den Schiffen keine ausreichende Durchfahrtshöhe boten und die deshalb als Drehbrücken ausgeführt werden mussten. Die komplette Umgestaltung aller Anlagen einschließlich des Baus einer neuen Bahnhofshalle sollte all diesen Problemen abhelfen.

 

Am 15. Juni 1880 konnte der neue, vom Architekten Franz Heinrich Schwechten (Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche, Kulturbrauerei) und dem Ingenieur Heinrich Seidel ausgeführte Anhalter Bahnhof seiner Bestimmung übergeben werden. Neben der Schaffung eines ausreichend großen Hallengebäudes, welchem als eines der ersten von außen auch seine Bestimmung als Bahnhofsgebäude durch die rundbogige Fassade anzusehen war (und diese Funktion nicht mehr hinter eckigen, an italienische Palazzos erinnernde Fassaden versteckte), war vor allem die neue Gleisebene rund 4,50 m über dem Niveau der umliegenden Straßen angeordnet worden. Eine Behinderung des Straßen- wie auch des Schiffsverkehrs konnte damit vermieden werden. 

 


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 4 | Der alte Schöneberger Hafen


Doch dadurch entstand zugleich ein neues Problem: dem des Anschlusses des benachbarten Schöneberger Hafens, der sich noch bis in die 1960er Jahre auf dem Gelände des heutigen Mendelssohn-Bartholdy-Parks am gleichnamigen U-Bahnhof befand. Bis zum Neubau des unweit entfernten Potsdamer Bahnhofs war die Hafenanlage per Bahn durch ein ebenerdiges, im Straßenplanum verlaufendes Gleis sowohl vom Potsdamer- als auch vom Anhalter Bahnhof aus erreichbar. Durch die Höherlegung der Bahntrassen entfiel zunächst die Verbindung zum Potsdamer Bahnhof. Für den Anhalter Bahnhof als letzte Verbindungsmöglichkeit zum Hafen war zunächst die Anlage eine Gleisrampe geplant.

 

Da diese jedoch viel Grundfläche innerhalb des Bahnhofsareals benötigt hätte, entschied sich der für die Ausführung aller ingenieurtechnischen Einrichtungen zuständige Heinrich Seidel für die Anlage einer wasserhydraulischen Aufzugseinrichtung, in welcher über eine Drehscheibe einzelne Güterwaggons hineingeschoben und auf das Straßenniveau abgesenkt werden konnten. Von der unteren Ebene der Aufzugseinrichtung verlief das Gleis nach Querung der Schöneberger Straße zum auf der anderen Seite beginnenden Hafengelände.

 

Der Schöneberger Hafen blieb damit auch weiterhin der einzige Hafen des Landwehrkanals, welcher einen Eisenbahnanschluss besaß. Neben der Aufzugsanlage entstand zudem ein Maschinenhaus, das nicht nur die nötige Energie für den hydraulischen Güterwagenaufzug, sondern auch für die Gepäckaufzüge zur Bahnsteigebene des Anhalter Bahnhofs lieferte. 

 

13| Lageplan des Zweiten Anhalter Bahnhofs, 1884. Die Gleise liegen nun 4,5 m über Straßenniveau auf einem Hochplateau. Erhalten blieben die Gebäude der ehem. Betriebswerkstatt der Anhalter Bahn auf Straßenniveau, die jedoch nunmehr anderen Zwecken wie etwa als Getreidespeicher oder Speditionsschuppen dienten. Zur Vermittlung zwischen der höher gelegenen Gleisebene und den Gleisen auf Straßenniveau entstand ein Güterwagen - Aufzug (blaue Rahmung) direkt am Bahndamm. Die Gebäude an der Schöneberger Straße (rote Rahmung) wurden erweitert und folgen noch immer der Fluchtlinie der alten Anlagen des ersten Anhalter Bahnhofs.

 



14| Luftaufnahme des Geländes an der Schöneberger Straße, 1919. In Bildmitte der Schornstein des Maschinenhauses, darunter, leicht schräg versetzt, die Aufzugsanlage für Güterwaggons. Um den Höhenunterschied zwischen den Gleisen des Anhalter Bahnhofs und dem Vorgelände an der Schöneberger Straße zu überwinden, wurden die Waggons vom Abstellgleis über eine Drehscheibe in das Aufzugsgebäude geschoben, abgesenkt und über eine weitere Drehscheibe auf dem auf Straßenniveau liegenden Bahngelände verteilt - oder zum Schöneberger Hafen verschoben. Auch zu sehen: die beiden um 1900 entstandenen, bis heute existierenden (auf der schwarz-weiß Aufnahme hellen) Gebäude nahe der Zufahrtstraße zum Bahngelände bzw. direkt an der Schöneberger Straße. Oben rechts die von Franz Heinrich Schwechten erbaute Halle des Anhalter Bahnhofs. 

 

Dank der platzsparenden Bauweise der Aufzugsanlage konnten die zwischen dem Hochplateau der Bahnsteigebene und der Schöneberger Straße gelegenen alten Schuppenanlagen und Gebäude aus der Zeit der ersten Bahnhofsanlage der Anhalter Eisenbahn von 1841 zunächst bestehen bleiben.  Erhalten blieb damit auch ein kleiner Kohlenplatz direkt an der Schöneberger Straße, an dessen Rand die Eisenbahngesellschaft zwei kleine Gebäude errichtet hatte. Da diese Gebäude Bezug zur Fluchtlinie der übrigen Gebäude der Anhalter Bahn nahmen, die Straße jedoch in einem schrägen Winkel zu den senkrecht zu ihr stehenden Werkstattanlagen der Eisenbahn verlief, hatten die beiden Gebäude eine eigenartige, winklige Form.

 

Im Laufe der Zeit war diese kleine Gebäudegruppe um weitere Anbauten verlängert worden, ehe sie auf Grund der Planungen zum Neubau der Bahnhofsanlage zunächst zur Disposition standen. Mit dem Wegfall der Rampenplanung blieb die Gruppe in der Mitte des künftigen Garagengeländes erhalten – ergänzt um eine gegen Ende der 1920er Jahre errichteten Tankstelle sogar im Kern bis heute. Von Beginn an waren die Gebäude an die damals bekannte Kohlengroßhandlung Berger & Kulp vermietet worden. 

 

Um 1900 dürfte dann auch das Gebäude der heutigen Autowerksatt an der Schöneberger Straße und der Ecke zum bereits damals bestehenden „Durchgang zur Möckernstraße“ entstanden sein, das lt. Adressbuch zusammen mit dem dahinterliegenden Gelände die Nummern Schöneberger Straße 21, 22, 22a erhielt und im Besitz des Eisenbahnfiskus, später der Reichsbahn war. 

 


Planzeichnungen der Aufzugsanlage für Waggons


15| Längsansicht Hubbühne. Rechts die höhere  Gleisebene, links die tiefliegende Straßenebene. 

 

16| Frontansicht. Ein- und Ausfahrt der Gleisebene.

 

17| Frontansicht. Ein- und Ausfahrt der Straßenebene.

 

18| Querschnitt durch das Innere der Hubbühne. Per Wasserhydraulik wurden die Waggons abgesenkt oder angehoben.

 


19| Blick auf das Vorfeld des Anhalter Personenbahnhofs, 1901. Der links zu sehende hohe Schornstein gehört zum Maschinenhaus, das die notwendige Antriebskraft für alle Aufzüge auf dem Bahngelände bereitstellte. Vor dem Maschinenhaus hinter dem Baum zu sehen: Der Güterwagen-Aufzug, der mit offenen Toren für den nächsten Hubvorgang bereitsteht.   

 

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 5 | Die Zeit ab dem Ende der 1920er Jahre


Für das Jahr 1929 ist letztmalig die Kohlengroßhandlung Berger & Kulp als Mieter des Gebäudes an der Schöneberger Straße erwähnt. Im darauffolgenden Jahr findet sich stattdessen ein Eintrag der „Excelsior Garagen“ als Beleg für die Errichtung der hier noch heute bestehenden Garagen. Unklar bleibt dabei, ob es sich um einen Garagenbetrieb des nur wenige hundert Meter entfernten und über den Hoteltunnel unter der damaligen Königsberger Straße (heute Stresemannstraße) und dem Bahnhofsgebäude leicht zu erreichenden Luxushotel „Excelsior“ handelt oder ob man hier nur den zugkräftigen Namen nutzte. 1931 ist zusätzlich die „Mineralöl Vertriebs GmbH“ (Minex) für das Grundstück an der Schöneberger Straße vermerkt, die hier eine Tankstelle mit überdachten Zapfsäulen errichtete.

 

Eine gravierende Änderung für die zwischen der Schöneberger Straße und dem Hochplateau der Gleisebene befindlichen Gebäude bedeutete der Bau der Nord-Süd-S-Bahn ab 1933, deren Tunnel zwischen dem weiter bestehenden Maschinenhaus und den Gleisanlagen auf dem Hochplateau verlief. Nach Deckelung des fertiggestellten Tunnels und Wiederaufbau der westlichen Gleise errichtete man hier, ausgehend vom alten Maschinenhaus,  eine lange Reihe von entlang der Gleise in Richtung des Kanals verlaufenden Bürobaracken, die vom Vermessungsamt 1 genutzt wurden. Auf der nördlichen Seite des Maschinenhauses entstand ein unterkellerter, fest gemauerter Anbau für die Wagenmeister und den Wagen- und Lampenputzern.

 

20| Luftaufnahme des Anhalter Bahnhofs (oben) und des Schöneberger Hafens (unten), um 1920. Die Schöneberger Straße verläuft quer von links nach rechts unten über das Bild. Am oberen Rand des Hafenbeckens ist die Schöneberger Brücke zu sehen. An der Ecke zum Halleschen Ufer liegt die alte Feuerwache, dann kommt das Pumpwerk und das große Gebäude der Reichsbahn - Hauptverwaltung am Landwehrkanal. Das heutige Garagengelände erstreckt sich dahinter. Kurz vor den Bahngleisen ist das Maschinenhaus mit seinem hohen Schornstein und daneben der Güterwagen-Aufzug zu sehen. 

 


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 6 | Nach dem Zweiten Weltkrieg


21| Luftaufnahme des Anhalter Bahnhofs Ende der 1920er Jahre. Inzwischen ist der ehem. Kohlenlagerplatz zu einem Garagengelände umgebaut worden. Das alte Maschinenhaus ist ein Stück über dem Gelände zu sehen und nun Teil einer langen, sich beinahe bis zum Kanal hinziehenden Front von Bürobaracken. 

 

Während der Anhalter Bahnhof im Zweiten Weltkrieg schwere Schäden davon trug kam das Garagen-Gelände mit verhältnismäßig geringen Schäden davon. Zudem waren diese auf Grund der eher einfachen Bauart der meisten Gebäude schnell wieder auszubessern. Lediglich das sich direkt der Tankstelle anschließende, aus der Zeit des ersten Anhalter Bahnhofs stammende, fest gemauerte Gebäude hatte sein Obergeschoß verloren und wurde nur provisorisch wiederhergestellt.

 

Das Umfeld des Anhalter Bahnhofs war durch die gezielten Luftangriffe auf die kriegswichtigen Eisenbahnanlagen gleichfalls stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Die meisten der direkt am Bahnhof gelegenen Wohnhäuser waren zerstört, ebenso die neben dem Pumpwerk an der Ecke zum Halleschen Ufer gelegene Feuerwache. Erhalten blieb hingegen das alte Maschinenhaus. Der Garagenbetrieb firmierte nun als „Garagen am Anhalter Bahnhof, Inh. K. Schlaf“. Wie lange die Tankstelle noch existierte, ist unklar.

 

Eigentümer des Geländes blieb bis in die 1960er Jahre weiterhin die „Deutsche Reichsbahn“, da der „Reichsbahn der DDR“ in West-Berlin auf Grund einer alliierten Weisung die Betriebsrechte oblagen. Der Bahnverkehr des Anhalter Bahnhofs wurde indes bis 1954 stillgelegt, das immer noch imposante Hallengebäude in den Jahren 1959 – 1964 zum Teil durch Sprengungen abgetragen. Heute erinnert nur noch der erhalten gebliebene Portikus an den einst wichtigsten Berliner Bahnhof.

 



Der benachbarte Schöneberger Hafen fiel indes der Verkehrsplanung des Senats zum Opfer. West-Berlin sollte zu einer „autogerechten Stadt“ umgestaltet  werden, ein Netz von Autobahnen den damaligen Bezirk Kreuzberg durchziehen. Das geplante Autobahnnetz benötigte leistungsfähige Zubringerstraßen, zu denen nun auch Teile des  Tempelhofer, Schöneberger- und Halleschen Ufers im Bereich zwischen der neu zu errichtenden Potsdamer- und der geplanten neuen Mehringbrücke gehören sollten. Da zu diesem Zeitpunkt der Verkehr noch umständlich um den Schöneberger Hafen herum über die Schöneberger Straße, den Hafenplatz und die Köthener Straße verlief, wurde beschlossen, den von alten Bäumen umstandenen Hafen in den Jahren 1959 – 1960 zuzuschütten, um damit eine gradlinigere Straßenführung des Halleschen Ufers zu erreichen.

 

Auf das alte Garagengelände hatte dies nur wenig Einfluss, lediglich die umgebende Bebauung änderte sich im Laufe der Jahrzehnte stark – der alte Bahnhof ist fast vollständig verschwunden, hier hebt sich heute das Tempodrom und ein Sportplatz. Lediglich Reste der alten Bahnsteige blieben hinter dem Tempodrom erhalten - und die Ruine des Portikus der Bahnhofshalle am Askanischen Platz. 

 

Das Garagengelände mit seinen alten Baulichkeiten begann allmählich aus der Zeit zu fallen, war zuletzt ein Anachronismus in einer Zeit, in der Bauland knapp und Mietswohnungen stark gesucht sind. So war es im Grunde klar, dass diese Schuppenlandschaft angesichts des sich zunehmend verstärkenden Wohnungsmangels in der Stadt nicht bestehen bleiben konnte. 

 

22| Luftaufnahme des Anhalter Bahnhofs von 1950. Das Gebäude der ehem. Reichsbahnzentrale am Halleschen Ufer mit seinem prächtigen Säulenportikus ist nur noch eine Ruine. Das alte Abwasserpumpwerk daneben hat den Krieg überstanden, die Ruinen der Feuerwache an der Ecke zur Schöneberger Straße sind vollständig abgeräumt. Erhalten blieb das Garagengelände samt Tankstelle und den beiden Gebäuden aus dem Jahre 1900. Auch das Maschinenhaus ist noch vorhanden.

 


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 7 | Das WoHo Holzhochhaus


23| Ansicht des WoHo - Wohnturmes auf dem ehem. Garagengelände von der Schöneberger Straße aus. Copyright: Mad arktikter

 

Am 29. Januar 2020 wurden der Öffentlichkeit die Siegerentwürfe des norwegischen Architekturbüros "Mad arkitekter" vorgestellt. Das Büro war als Gewinner aus einem Realisierungswettbewerb hervorgegangen, welcher den Bau mehrerer Holzhybridgebäude, darunter einem 98 m hohen Wohnturm mit 29 Geschossen, auf der Fläche des alten Garagengeländes vorsieht. Die Bezeichnung "Hybridgebäude" verweist dabei auf den Umstand, das lediglich die Treppen- und Aufzugskerne noch aus Beton bestehen.

 

Entwickler und Bauherr ist die in Kreuzberg am Columbiadamm ansässige Berliner UTB Projektmanagement GmbH, die bereits Projekte wie die Sanierung der alten Mälzerei in Lichtenrade oder den Bau der roten Wohnhäuser "Am Lokdepot" an den Nahverkehrshalle des Deutschen Technikmuseums am Bahnhof Südkreuz realisiert hat.

 

Wert wird vor allem auf eine für den Stadtteil Kreuzberg typische soziale Mischung gelegt. Daher gibt es neben Eigentums- und Genossenschaftswohnungen auch einen hohen Anteil an mietpreisgebundenem Wohnraum. Im Turm wird es zudem betreute Wohnungen für Demenzkranke und Jugendliche geben.

 

Die umliegenden Gebäude des Komplexes mit Ihrer Höhe von 7 Geschossen sollen auf den Dach Flächen für Kitas und einem Hort erhalten, während im Gebäude selbst Atelierflächen für Künstler und andere Gewerbetreibende vorgesehen sind. Ein Teil der Gebäudeflächen wird öffentlich zugänglich sein.

 


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 8 | Schlusswort und Ausblick


Ich bin gespannt, wie sich die Dinge in meinem einstigen Heimatbezirk weiter entwickeln werden. Vieles von dem, was altvertraut war, wird und kann angesichts dringender Probleme in der Stadt nicht mehr fortbestehen.

 

So wird das geplante Holzhybridhaus auch nur eines von vielen Hochhausprojekten anderer Bauträger sein, die sich entlang der alten Eisenbahntrassen auf den Potsdamer Platz zubewegen und so die dortigen, bereits bestehenden Hochhäuser in ein übergeordnetes Konzept einbinden.

 

Für alte, aus der Zeit gefallene Garagengelände wird es dann keinen Platz mehr geben - aber neuen, dringend benötigten Wohnraum samt den zugehörigen sozialen Einrichtungen. Ob bei Fertigstellung des WoHo - Projektes eine kleine Ausstellung an den "Aufzug für Güterwagen" - gewissermaßen der Vorgänger der hier dann errichteten Fahrstuhlanlagen der neuen Wohngebäude - erinnern wird?

 

24| Blick auf den WoHo - Wohnturm vom Tempodrom aus. Im Hintergrund der 1993 - 1997 durch Renzo Piano errichtete "Atrium-Tower" (früher Debis-Hochhaus) am Landwehrkanal. Copyright: Mad arktikter