ufaFabrik

Echse, Gorillas & Co.


ufaFabrik

Echse, Gorillas & Co.


Topanker

Inhalt und Kapitelübersicht

Ihr Klick zum Kapitel

Vorgeschichte1


 1 | Vorgeschichte. Ein Tag mit Regen


Text: Lutz Röhrig Bild: falls nicht anders vermerkt, Lutz Röhrig

Beim Blättern in irgendeinem Berlin – Journal entdeckte ich es: ein Foto der Echse. Nun, dachte ich, eigentlich keine schlechte Idee. Die Ufa – Fabrik ist in diesem Jahr 40 geworden, da kannste es riskieren, mal wieder nach Tempelhof zu gehen. Und was Schlimmeres als eine arrogante, meckrige Echse kann Dir auch anderen Orts begegnen.

 

 

Und Franziska brauchte ich gar nicht erst groß zu fragen, sie war sofort begeistert. Nun, drei Kinder und ich noch dazu, das härtet ab, da kann eine großsprecherische Echse nicht so schlimm sein. Also nahmen wir es uns vor, dass ich Franziska von der Arbeit abholen sollte, um dann nach Tempelhof weiterzufahren. Guter Plan – aber im Bahnhof Potsdamer Platz angekommen, regnete es, als wenn bald wieder eine Arche Noah notwendig werden sollte.

 

Der Regen kam von oben durch die längst nicht mehr dichte Glasdecke, er kam von unten aus den Abflüssen und die dem Bahnhof benachbarten Potsdamer Platz Arkaden liefen langsam voll. Schon trat das Wasser dort aus der Decke aus, man begann, den Bereich zu schließen und die Brandschutztore nach unten zu fahren.

 

Der Regen, von dem wir hofften, das er schnell vorbei sein würde, dauerte eine Stunde, dann noch eine weitere, ohne das er an Stärke nachließ. Doch dann endlich ließ er zumindest nach…

 

Immerhin waren wir zeitig verabredet, denn es sollte noch Zeit für ein gemeinsames Essen zu zweit sein - das viel nun buchstäblich ins Wasser. Es reichte jedoch noch für eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen in einem Café an der Ecke Tempelhofer Damm, von dem aus das Gelände der ufaFabrik leicht zu erreichen war.

 

Wolkenbruch Bahnhof Potsdamer Platz Eingangsgebäude

| Im Bahnhof Potsdamer Platz trat das Wasser nicht nur durch die Glasdecke, sondern auch aus den Abflüssen heraus...

 

Wolkenbruch Potsdamer Platz Arkaden

| Das Wasser wurde auch in den direkt an den Bahnhof Potsdamer Platz grenzenden Potsdamer Platz Arkaden zu einem Problem. Bald trat das Wasser auch hier aus der Decke. Daher musste der direkte Übergang zum Bahnhof geschlossen werden.

 


DieEchse2


 2 | Die Echse - schnappt zu...


Die Echse und  Michael Hatzius in der ufaFabrik

| ...und mit einmal war sie da: Die Echse und der sie zum Leben erweckende Michael Hatzius. Scharf ins Visier wurden von der Echse alle Zuspätkommer, Chipsesser - und auch irgendwelche Fritzen mit Kamera, wie der diese Zeilen Schreibende...

 

Nun saßen wir beide da, trotz allem immerhin pünktlich, aber erschöpft, in einem riesigen Zelt im Garten des Ufa – Geländes. Vor uns auf der Bühne ein abgewetzter Tisch und ein mindestens ebenso schäbiger Schreibtischstuhl – und man wusste: die Requisiten der Echse.

 

Und dann kam sie. Nach entsprechend würdevoller Begrüßung und Würdigung ihrer eigenen Persönlichkeit ging es zu Sache. Wer zu spät kam, noch dazu mit einem Bier- oder Sektglas in der Hand, bekam ebenso sein Fett weg wie knisternde Chipsesser oder ich, dessen Kamera scharfsichtig erblickt und ebenso bissig kommentiert wurde. Das Publikum, es schmunzelte, es lachte und jubelte – genauso so wie der Schreiber dieser Zeilen. Die Echse  und der ihr Leben einhauchende Michael Hatzius, sie lieben das Spiel mit dem Publikum.

 

Klar, dass bei der Millionen von Jahren umfassenden Erfahrung des Echsenreptils diese derart viel Wissen angehäuft hat, dass sie einem Kandidaten aus dem Publikum dessen Zukunft vorauszusagen wünschte – per vom Kandidaten selbst ausgesuchter Piratenente. Und Enten, unter uns gesprochen, waren ja schon viele Millionen Jahre vor den Dinosauriern und den Echsen die beherrschende Spezies auf unseren Planeten. Das Publikum und auch Franziska und ich, wir kamen kaum aus dem Lachen heraus.

 


Schalala3


 3 | "Schalala - das Mitsingding" und die "Gorillas" 


Ebenso kurzweilig ging es bei „Schalala - Das Mitsingding“ zu. Gegenstände wurden ins Publikum geworfen, wer etwas gefangen hatte, durfte bestimmen, welches Lied aus einer langen Liste vorgetragen werden durfte. Und dann hieß es für alle – Mitsingen bitte! Klar, dass auch das nicht ohne manchen Lacher abging. Nicht jeder war so ganz – trotz eingeblendeten Textes – sicher im

Vortrag und auch die musikalischen Talente fielen, wie auch bei mir selbst, sehr unterschiedlich aus. Aber das tat der Stimmung keinen Abbruch.

 

Immerhin, der Titel „Schuld war nur der Bossa Nova“ kam dem Schreiber dieser Zeilen etwas leichter von den Lippen, bereicherte doch ausgerechnet diese Schallplatte der Sängerin „Manuela“ die mütterliche Schallplattensammlung. Warum, keine Ahnung. Vielleicht, weil Frau Doris Wegener, so der bürgerlicher Name von "Manuela", des Öfteren in den 1960er Jahren im nahe liegenden Club „Atelier 13“ im Taut – Haus am  Kottbusser Damm aufgetreten war. Ob sie diesen Club einst mit meinen Vater …ach, zuviel der Spekulation.

 

Der Abend hatte aber noch ein weiteren Höhepunkt zu bieten: Die Gorillas, eine gleichfalls von der Improvisation lebende Truppe. In einem Stück mussten vorher vom Publikum auf Zetteln geschriebene Sätze eingebaut werden. Klar, dass das nicht eben die einfachsten Grammatikschöpfungen waren. Die Lachmuskeln des Publikums wurden auf eine harte Probe gestellt.

 

Dies erst recht, als es nach der Pause hieß, dass die Echse und die Gorillas nun gemeinsam ein Stück aufführen sollten. Die Echse natürlich in der Hauptrolle. Das Publikum wies ihr aber eine völlig neue Charaktereigenschaft zu: Sensibel. Und als Beruf: Imker. Das konnte nur ins Chaos führen mit einem wahrhaft episch - theatralischen Heldentod am Ende... 

 

Ein gelungener Abend, an dem man wieder so richtig lachen konnte und sich die Frage stellte, warum man nicht öfter einmal in die ufaFabrik ging, die Comedians gern eine Bühne bietet. Ja warum eigentlich nur ab und an einmal? Franziska und ich werden das beide für uns ändern, ganz gewiss…

 

ufaFabrik und Echse, Gorillas & Co.

| Die Darsteller des Abends beim Schlußapplaus. Die beiden links und die Dame mit Gitarre in der Mitte bildeten das Trio "Schalala - Das Mitsingding, der Herr hinter der Gitarre und die leider verdeckte Dame gehörten zu den "Gorillas" und im Vordergrund rechts die Echse und Michael Hatzius. Tolle Akteure eines wunderbaren Abends.

 

Die Echse und  Michael Hatzius in der ufaFabrik beim Fototermin

| Echse Backstage mit ihrem Alter Ego Michael Hatzius. Abseits der Bühne scheint die Echse feinfühliger zu sein - aber eine dicke Zigarre, klar, die gönnt sie sich auch hier. Foto: Christine Fiedler

 


Die Echse und  Michael Hatzius in der ufaFabrik beim Fototermin mit typischer Zigarre

| Echse Backstage mit ihrem Alter Ego Michael Hatzius. Wie schon gesagt, kann Echse auch anders. Als Zeitzeuge des Urknalls (man war der laut...) verfügt die Echse über eine unendliche Weisheit und riskiert daher nicht immer eine dicke Lippe. Spätestens wenn der Zigarrenvorrat sich dem Ende neigt, muss man mal kurzfristig nett sein. Aber nur kurz, es soll ja nicht zur Gewohnheit werden... Foto: Christine Fiedler

 


Möchten Sie regelmäßig über alle Neuigkeiten auf zeit-fuer-berlin.de informiert werden? Dann melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an - und lesen Heute, was Morgen nur noch Geschichte ist...

Sie möchten gern einen Kommentar oder Hinweis zu meinen Artikeln geben? Sie wünschen, dass auch über Ihr  Unternehmen berichtet wird? Nutzen Sie einfach das Kontaktformular