Eisenwarengeschäft Weger am Breitenbachplatz



I. Eine Institution nicht nur am Breitenbachplatz

Bild und Text: Lutz Röhrig 

Es ist immer eine traurige Angelegenheit mit meiner Kamera in Geschäfte zu gehen, die man schon seit langem kennt und in denen demnächst die Ladentüren für immer geschlossen werden. Ein solcher Fall ist auch das Eisen- und Haushaltswarengeschäft „Weger“ am Breitenbachplatz, das seit seiner Gründung im Jahr 1931 längst zu einer örtlichen Institution geworden ist.

Berlin Weger Breitenbachplatz


Berlin Weger Breitenbachplatz

Herr Reinhard Weger hinter seinem dem Verkaufstresen. Ein Inhaber mit Humor: Soll ich den Bauch für die Aufnahme einziehen? Rechts vorn befand sich übrigens die ehem. Garderobe des Kinos. Zum Kinosaal ging es dann nach rechts hinten.

II. Einer der letzten Fachhändler am Platz gibt auf

Eigentlich hätte Reinhard Weger sein Geschäft noch ein wenig länger betrieben. Aber da die Hausverwaltung ihm eine Mietserhöhung von 200 Euro im Monat angekündigt hat, ist dies der Anlass, das von seinem Vater gegründete Geschäft nun aufzugeben. Wer weiß, so Reinhard Weger, wie lange auch die Gesundheit noch mitgemacht hätte. Bin jetzt 72…

 

Sein Sohn hat als studierter Betriebswirt längst andere Pläne, als sich um den Laden zu kümmern, dessen Kundenvolumen bald nach der Wende mit dem verstärkten Aufkommen des Internets stark zurückgegangen ist.



III. Das Kino Lida und die Vergrößerung des Geschäfts

Einst, so Weger, standen sie zu viert im Laden, der damals noch im Haus Breitenbachplatz 17 untergebracht war und von seinem Vater und ihm sowie zwei Angestellten betrieben wurde. Mit der Schließung des benachbarten Kinos „Lida“ 1965 nutzte der Vater die Möglichkeit, das gut gehende Geschäft in neue, größere Räumlichkeiten zu verlegen.

 

Genutzt wurden nun, so zeigt es der Blick in meine Unterlagen, das ehem. Foyer des Kinos sowie ein großer Raum daneben, der einst dem Miterbauer und Eigentümer des Hauses, Ferdinand Radzig, als Architekturbüro diente (zur Geschichte des Kinos und des Gebäudes siehe den Artikel "Das Kino Lida am Breitenbachplatz").

 

Den Rest des ehem. Kinos einschließlich des großen Saals nutzte zunächst eine Bank und heute eine Orthopädie - Praxis. Über 220 Kunden, so Weger, waren in den neuen, erheblich größeren Geschäftsräumen nun pro Tag zu bedienen. Ein Trend, der noch bis zur Wende anhielt. Aktuell jedoch sind es jedoch, so der Inhaber, wenn es hoch kommt, nur noch rund 20 am Tag.

Berlin Weger Breitenbachplatz

Das Innere des Eisen- und Haushaltswarengeschäftes "Weger".  Hier gab es nichts, was es auf dem Gebiet nicht gab. Die Säule links mit der eleganten Verkleidung stammt noch aus jener Zeit, als sich in den Geschäftsräumen von Reinhard Weger noch das ehem. Foyer des Kinos "Lida" (siehe den Bericht "Das Kino Lida am Breitenbachplatz") befand. 



Berlin Weger Breitenbachplatz

Der Kassenbereich des Eisen- und Haushaltswarengeschäftes Weger. Gerade sucht Reinhard Weger (links hinter dem Verkaufstresen) für eine während meiner Fotoarbeit den Laden betretende Kundin einen neuen Wasserhahn für den Garten mit Schlauchanschluss.

IV. Kundenbesuch...

In diesem Moment betritt eine Kundin den Laden. Sie sucht

einen Wasserhahn mit Schlauchanschluss für ihren Garten.

 

Mit kundigen Blick erkennt Reinhard Weger schnell alles Notwendige. Gewindedurchmesser, Art des Anschlussventils...

 

Ein paar Schritte nach links, der Blick geht in eine Kiste - und schon hat Weger das gewünschte Teil parat. Einnahme: 5 Euro….



V. Moderne Zeiten

Der Breitenbachpatz befindet sich im wirtschaftlichen Niedergang. Der Weggang zweier Bankhäuser am Breitenbachplatz, so Weger weiter, habe ihm allein ein Drittel seiner Kundschaft gekostet. Aber auch andere Geschäfte in der Umgebung haben längst aufgeben müssen.

 

Vor allem durch das Internet hätten Weger wie auch viele andere Inhaber am Breitenbachplatz Kunden verloren. Beratung im Laden gern, aber gekauft wird wegen einer auch noch so geringen Ersparnis online.

Berlin Weger Breitenbachplatz

Ein Relikt des ehem. Kinos "Lida", das sich zuvor in den Räumlichkeiten des Ladens befand, ist die kunstvoll umkleidete Säule. Diese hatte Weger mit mehreren Glasregalen für die Warenpräsentation umgeben lassen.



Berlin Breitenbachplatz Weger

Der Breitenbachplatz um 1934. Heute teilt inmitten des Bildes eine gewaltige Autobahnbrücke die Platzanlage. Damals jedoch hatte der Platz ein ganz besonderes Flair. Es gab das Kino "Lida" (links, außerhalb der Karte), das bekannte Café Telchow und Geschäfte wie den Eisen- und Haushaltswarenladen "Weger". Vom Breitenbachplatz aus (auf der Karte ist die Wendeschleife zu sehen) fuhr die O - Buslinie A34 über Steglitz und Lankwitz nach Marienfelde.

VI. Der Breitenbachplatz im Wandel

Mit zum Niedergang des Breitenbachplatzes hat aber auch die den Platz teilende Autohochstraße und deren zunehmend ungepflegt wirkenden Unterbau beigetragen. Dabei ist die Notwendigkeit dieser Schnellstraße bis heute umstritten. Aus diesem Grund setzen sich viele Anwohner und Initiativen für einen Abriss des monströsen Bauwerks ein.

 

Unterstützung findet dieses Projekt allerdings auch bei der Bezirksverordnetenversammlung des Bezirks Steglitz – Zehlendorf, die sich in ihrer letzten Beschlussempfehlung für einen Abbruch des Bauwerks einsetzten. Für Weger kommt dies indes zu spät. Ende Juni 2017 hat er nach dem Abverkauf der Ware für immer seinen Laden geschlossen…



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