Blue Moon Shoes


Inhalt und Kapitelübersicht



...der einst Doc Martens

zu uns brachte



Bild und Text: Lutz Röhrig 

Zu den im Umfeld des Kurfürstendamms angesiedelten Läden, die das besondere Flair dieser Gegend ausmachen, gehören auch jene Geschäfte, die sich an eine ganz bestimmte Szene - Klientel richten, wie das geradezu legendäre „Blue Moon Shoes“ in der nahe des Kurfürstendamms gelegenen Damaschkestraße 24.

 

Schade, dass auch dieser Laden, welcher als erstes den Import und Verkauf der geradezu kulthaften „Doc Martins Schuhe“ in Berlin betrieb und damit in den 1980ern einen regelrechten Hype auslöste, bald der Vergangenheit angehören wird…

Berlin. Blue Moon Shoes. Titelblatt


Ein Gespräch über

Finanzämter und die Zeit...



| Eines jener Geschäfte, das die Mode der alternativen Szene prägte - das Blue

Moon von Berlins ersten Doc Martens Importeur Armin Andersch. Er machte die englischen Arbeiterschuhe erst bekannt.

Es ist ja mitunter eine heikle Mission, diese letzten Perlen einstiger Handelsvielfalt am Rande des Kurfürstendamms zu dokumentieren. So mancher gibt sich zugeknöpft und bedarf erst guten Zuredens, ehe er bereits ist, sich meinen Fragen und vor allem meiner Kamera zu stellen.

 

Helfen mag dabei mitunter auch, dass ich durch mein Interesse für die Stadt zu einer Art Sachzeugen der Entwicklung des Boulevards geworden bin. Doch im Falle des Blue Moons liegen die Dinge völlig anders.

 

Statt reserviert oder prätentiös wird man hier durch den Inhaber Armin Andersch herzlich und mit offenen Armen empfangen. Die Kamera stört überhaupt nicht, vielleicht ist man sogar froh, für ein paar Minuten der trockenen Buchführung, mit der man gerade beschäftigt war, zu entkommen.

 

Die Frage, ob man angesichts der geplanten Ladenschließung ein paar Bilder machen könne, ist schnell mit „ja“ beantwortet und ehe man sich versieht, befindet man sich tief in einem Gespräch über Finanzämter, Steuern und natürlich der Geschichte des in dieser Form nicht nur in Berlin wohl einzigartigen Schuh-Ladens.



Der 

Laden...



Wer bei Schuhen an die bekannten Ladenketten mit Ihren eintönigen Regalreihen denkt, erleidet hier geradezu einen Kulturschock. Vor der Ladentür steht ein Gartenzwerg, ein Schild im Schaufenster lockt mit der Aussage: „Ey Alter, willste ma'n Paar geile Botten abteichen?" Dazu ein Angler und ein Neon- Fisch, welche den nicht ganz gebräuchlichen Ausspruch auf plastische Weise erklären.

 

Man merkt, hier hat jemand Humor. Denn auch im Inneren des Ladens geht es keineswegs konventionell zu. Es locken alte Filmplakate, eine auf Knopfdruck sich in Bewegung setzende Dampflokomotive oder ein von der Decke hängender Strick mit typischem Knoten á la „Spiel mir das Lied vom Tod" - high noon an der Damaschkestraße…

| Nicht nur Schuhe werden im Blue Moon verkauft - auch Bekleidung und allerlei Sammelsurium.



Outfit für

den Musiker...



Berlin. Blue Moon Shoes. Laden. Innen. Dekoration. Damaschkestraße

| Neben Schuhen der Eigenmarke "Rockabilly" werden u. a. auch originale

Vintage Schuhe verkauft. Die Ladendekoration hingegen ist, sagen wir,

eher "gewöhnungsbedürftig"...

In einer Ecke finden Sie sich dann: Modelle und Schuhkartons des eigenen Labels „Rockabilly“, aber auch von Marken wie George Cox oder gar originale Vintage Schuhe. Alles, was man als Rockfan oder Musiker so an typischem Outfit im Stil der 1950er und 1960er Jahre braucht und wozu auch passende Textilien wie Hosen, Shirts und Röcke angeboten werden.

 

Wichtig sind Andersch dabei vor allem die Qualität, wie zum Beispiel die Güte des Leders oder die Art der Verarbeitung – Dinge, auf die man im Zeitalter der Massenfertigung kaum mehr achtet.



Vom Ingenieur zum

Doc Martens Importeur



Ein alter Kreuzberger wie ich kennt das Blue Moon noch aus seinem ehemaligen Heimatbezirk. Denn seit 1978 betreibt Armin Andersch, der eigentlich über eine Ingenieurs- Ausbildung verfügt, seinen Schuh- Handel. Ein London-Aufenthalt brachte die Kehrtwende und ließ Andersch seinen Ingenieurberuf an den Nagel hängen.

 

Denn damals war Andersch vor allem als Importeur der insbesondere in den 1980ern und 1990ern angesagten „Doc Martens Boots“ schnell bekannt geworden. Er war der erste, der die englischen Arbeiterschuhe nach Berlin holte. Entsprechend illuster war mitunter auch seine Szene- und Musikerkundschaft, die zunächst in seinem ersten Laden in der Belziger Straße 23, dann in Kreuzberg und in Friedrichshain und seit 2010 schließlich in der Charlottenburger Damaschkestraße sich die Klinke in die Hand gaben.

 

Hier fand auch all jener so sympathische Krimskrams sein Zuhause, der sich im Laufe der Zeit in seiner Berliner Wohnung angesammelt hatte und welcher nun das Geschäft so einzigartig macht.

| Armin Andersch in für ihn typischer Pose im "Büro" seines Ladens...



Ein Laden 

in Auflösung



| Humor wird bei Andersch groß geschrieben. Zum vor dem Laden platzierten

Zwerg meinte er: "endlich jemand, der kleiner ist als ich..."

Sukzessiv beginnt Andersch nun damit, wie er erzählt, all diese kuriosen Dinge aus seinem Laden zu veräußern. Schade, aber verständlich. Denn Zuhause wartet eine kranke Freundin. Und Andersch möchte sich bald nach Templin zurückziehen, wo er so manche Immobilie sein eigen nennen kann.

 

Mein Besuch war nur kurz, aber schon heute empfinde ich Bedauern bei dem Gedanken, das mit dem „Blue Moon Shoes“ in Charlottenburg bald ein  unwiederbringliches und vor allem ungewöhnliches Stück Berliner Stadtgeschichte für immer verschwunden sein wird… 



Bilder zum

Schluss...



...es werden wohl die letzten sein



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