Das Thalia

in Lankwitz



Das Thalia in Lankwitz


Inhalt und Kapitelübersicht



Das Kino -

Teil der Familiengeschichte



Bild und Text: Lutz Röhrig 

Das Thalia in der Lankwitzer Kaiser-Wilhelmstraße 71, Ecke Thaliaweg, gehört zu den wohl meistbesuchten Stadtteilkinos Berlins und kann durchaus auch auf eine bewegte Geschichte zurückblicken, an welcher neben einem namhaften Architekten auch ein Familienmitglied seinen Anteil haben sollte.

Berlin. Thalia - Kino. Lankwitz


Das Capitol

Kinogeschichte bis 1943



Berlin. Thalia- Kino. Lankwitz. frontansicht.

| Zwischen zwei Wohnblöcken eingepasst: Front des Thalia - Kinos in Lankwitz.

Ab 1933 entstand an der Lankwitzer Kaiser- Wilhelm- Straße ein umfangreicher Wohnhauskomplex. In einer Baulücke zwischen den im Entstehen begriffenen Wohnblöcken wurde zugleich ein 984 Plätze fassendes Großkino errichtet, das den Namen "Capitol" erhielt.

 

Die Fassade des sich über drei Geschosse erstreckenden Kinos entsprach der umliegenden Wohnhausbebauung und schloss mit dieser bündig ab, während sich der eigentliche Kinosaal in den Hof erstreckte. Das noch 1933 fertiggestellte "Capitol" besaß ein hufeisenförmigen Grundriss. Von dem der Straße zugewandten Foyer gelangten man zu den seitlichen, den ovalen Zuschauerraum umschließenden Umgängen. Die beiden von den Umgängen aus erreichbaren Treppenhäusern führten zu den Rängen, die insgesamt 300 Plätze fassen konnten.

 

Das von Bruno Junhke und dem Grundstücks- und Kinoeigentümer Ludwig Semotam betriebene Capitol besaß eine Bühne und war so nicht nur für Filmvorführungen, sondern auch für Theatervorstellungen geeignet. 1943 wurde das "Capitol" vollständig zerstört.


Berlin. Thalia- Kino. Seitenfront

| Seitenfront mit Schaukästen

Berlin. THalia - Kino. Seitenfront

| Seitenfront aus Richtung Kaiser- Wilhelm- Straße mit Schaukästen und Leuchtschrift



Wiederaufbau

Der Architekt Prof. Klaus Müller - Rehm



1953 beschloss die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft DeGeWo, zur Aufwertung ihrer umliegenden Wohnungen wieder ein Kino an Stelle des zerstörten "Capitol" zu errichten. Bauherr und Inhaber des für 708 Plätze geplanten Kinos war der Braunschweiger Kinobetreiber H. Seinke, Chef der Gloria- Theater- Gesellschaft mbH.

 

Als Architekt konnte der Berliner UdK – Professor Klaus Müller-Rehm für das Projekt verpflichtet werden. Müller-Rehm, welcher u. a. bei Heinrich Tessenow und Hans Poelzig an der TH Charlottenburg studiert hatte, gehörte im Bereich des Wohnungsbaus zu den namhaftesten Berliner Architekten der 1950er Jahre. Durch Max Taut an die Hochschule der Künste berufen, hatte Müller – Rehm zudem maßgeblichen Einfluss auf Forschung und Lehre vor allem im Bereich des Wohnungsbaus.

 

Für die Berliner Interbau im Hansaviertel entwarf er 1957 zusammen mit dem Architekten G. Siegmann das „Junggesellenhaus“, das ein von ihm entworfenes „Sicherheitstreppenhaus“ erhielt. Eine Maßnahme, die Eingang in die Bauordnung fand und seitdem zum Standard im Hochhausbau gehört.

Berlin. Thalia- Kino. Front bei Nacht.

| Gläserner Vorbau bei Dunkelheit


Berlin. Thalia- Kino. Fenster. Neueste Filme.

| Schaukasten am Eingang

Berlin. Thalia- Kino. Seitenfront II

| Seitenfront aus Richtung Kaiser- Wilhelm- Straße bei Dunkelheit



Familiengeschichte

Heino Arnold



Berlin. Thalia - Kino. Kleiner Saal

| Kleiner Kinosaal mit der als Notausgang dienenden "Schlupftreppe" zur einstigen Wohnung der Familie Arnold jun. im Nachbarhaus

1957 trat als Geschäftsführer Heino Arnold in das Thalia ein, welcher nach dem Ausscheiden H. Seinkes schließlich 1962 das Kino übernahm. In den Familien - Überlieferungen hat sich der Hinweis erhalten, das eine heute als Notausgang dienende Treppe vom kleinen Kinosaal in das Nachbarhaus führte, um so dem ältesten Sohn des Inhabers einen bequemen Zugang zu seiner Privatwohnung zu ermöglichen.



Krise

und Umbau



1969 erfolgte ein weiterer Eigentümerwechsel. Doch langsam begann sich die allgemeine Krise der Kinos auch auf das Thalia auszuwirken. 1979 stand das Kino schließlich vor dem Aus. Vor die Wahl gestellt, das Kino zu schließen oder einem umfassenden Umbau zu unterziehen, entschloss man sich, das Kino ab 1980 einem generellen Umbau zu unterziehen.

 

Der große Saal wurde während des Umbaus in vier kleine Säle unterteilt, die, einem allgemeinen Trend folgend, eine wirtschaftlich bessere Ausnutzung des Raumangebotes versprachen.

Berlin. Thalia- Kino. Lankwitz. Goßer Saal

| Modern und geschmacksvoll: Der große Kinosaal



Das Thalia

heute



Berlin.Thalia- Kino. Vorhalle.

| Der Wartebereich im Foyer

Inzwischen zeigt sich das Thalia in einer modernen und ansprechenden Form, die offenbar auch beim Publikum ankommt. Hinzu kommt ein attraktives Filmangebot, zu dem überwiegend neuesten Hollywood - Produktionen zählen. Seit 1998 wird das Thalia von Peter Wagner (Kino Trend FTB) und seinem Theaterleiter  Emanuel Fernandes betrieben.

 

Meine charmante Begleiterin Franzi, die im Thalia auf den Spuren Ihres Großvaters wandelte, sowie ihr Jüngster und auch der Autor dieser Zeilen nahmen die Marvel - Verfilmung des "Doktor Strange" zum Anlass, uns einen gemütlichen Kinoabend zu machen. Ja, unsere Erwartungen sind sowohl im Hinblick auf das Kino als auch auf dem Film voll erfüllt worden...

 



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