Die Herstellung von Seide im Königreich Preußen


im 18. Jahrhundert

Die Herstellung von Seide

im Königreich  Preußen im 18. Jahrhundert

Inhalt und Kapitelübersicht

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1Editorial. Eine Abiturarbeit

Text: Fabian Strehlow, Bild: Lutz Röhrig 

Irgendwann kommt der Moment. Die Schulzeit eines unserer Kinder ist fast zu Ende und die Abiturprüfungen stehen an. Seit 2006 bestehen diese Prüfungen aus einer fünften Komponente, einem mediengestützten Vortrag. Der Schüler hat anhand von Vorgaben fächerübergreifend einen in der Regel auf PowerPoint gestützten Vortrag auszuarbeiten. Er ist auf Grund der hier möglichen Punktzahlen ein wesentlicher Bestandteil der Abiturprüfung, da in ihm ein wichtige Vorbereitung auf einen möglichen universitären oder beruflichen Werdegang gesehen wird. 


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2020 stand diese Thematik auch bei unserem Sohn Fabian an. "Fächerübergreifend" bedeutete hier, das Bezüge zu seinen Leistungsfächern "Wirtschaft" und "Geschichte" vorhanden sein mussten. Vorgabe war das 18. Jahrhundert im Königreich Preußen - mithin also die Zeit Friedrich des II. Da auch wirtschaftliche Gesichtspunkte zu betrachten waren, kam schnell der Gedanke auf Friedrichs Autarkiebestrebungen und der in diesem Zusammenhang zu sehenden Seidenherstellung - einem Thema, das selbst in der offiziellen Geschichtsforschung trotz seiner Bedeutung noch immer nicht umfassend untersucht worden ist und daher nicht nur in der öffentlichen Wahrnehmung auf kleinere Einzelabhandlungen und vereinzelte Ausstellungen begrenzt ist. Entsprechend begeistert waren die Lehrkräfte unseres Sohnes über das gewählte Thema.

 

Mit ein wenig Unterstützung von mir hinsichtlich der Quellen - Provenienz  stellte dies jedoch kein größeres Problem dar - und unser Sohn ist fleißig, was die Aufarbeitung dieser Quellen betrifft. Zu danken haben wir dem Knoblauchhaus in Berlin - Mitte, dem Schloß Britz im Bezirk Neukölln und vor allem dem Heimatmuseum Zehlendorf, das zu diesem Thema auf Grund einer eigenen Ausstellung vor einigen Jahren einen kleineren Katalog mit interessanten Anmerkungen zur Seidenproduktion herausgab. Alle drei Orte standen jeweils für einen eigenen Teil der preußischen Seidenproduktion: Der kleinteiligen Seidenherstellung eines Dorfschullehrers, der Großproduktion eines wohlhabenden Gutsbesitzers und dem Handel mit Seidenbändern und Tüchern einer bedeutenden Berliner Kaufmannsfamilie.

Musikhaus Bading in Berlin - Neukölln, Karl - Marx - Straße. Rittergut und Schloß Britz um 1860

| Das in den 1920er Jahren errichtete Haus Hranitzkystraße / Kirchstraße. Der Eingang zum Tierkunde - Museum liegt links in der Hranitzkystraße. 

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Leitfrage: Die Seidenherstellung im Königreich Preußen (18. Jh.) - eine ökonomische Chance für den Staat?


2Einleitung. Bedeutung der Seide für Preußen

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Dies ist die Geschichte von einem kleinen Insekt, dass den Preußischen Staat wirtschaftlich autark werden lassen sollte von der Einfuhr von teuren Seidenstoffen und seidenen Ordensbändern.

 

Denn der Preußische Staat musste viel Geld für die Einfuhr dieser Stoffe aufwenden, da insbesondere höhere Militärs auf möglichst prachtvolle Auszeichnungen Wert legten und hierfür ebenso prachtvolle Seidenbänder brauchten, an denen die Ordensstücke befestigt worden waren. Zudem gehörten aufwendige seidene Garderoben zur erwarteten Ausstattung des Hochadels. Vom besonderem Reichtum des Besitzers zeugte es wenn sein Adelssitz oder Schloss mit seidenen Damast Tapeten ausgestattet war.

 

Für die Beschaffung dieser Seidenstoffe wurden alljährig hohe Beträge an ausländische Seidenproduzenten ausgegeben, die Friedrich der Große lieber im eigenen Lande behalten hätte. 

 

Eine kleine Raupe sollte ihm dabei helfen.


3Ursprung der Seidenherstellung - China vor ca. 5000 Jahren

Wer die Seide entdeckt hat, darüber gibt es verschiedene Geschichten, die aber alle einen sagenhaften Charakter haben und bereits 3.000 vor Chr. Ihren Ursprung haben sollen.

 

Das reicht von der bekannten Geschichte einer chinesischen Kaiserin, der ein Seidenkokon in ihren heißen Tee gefallen ist und die den Seidenkokon aus ihrer Tasse wieder herausfischen wollte und dabei bemerkte, wie sich durch das heiße Teewasser ein feiner Faden abspulte.

 

Bis hin zu Kaiserinnen, denen einfach dieser feine glänzende Faden aufgefallen sein soll und welche die Idee hatten, daraus Kleidung für sich anfertigen zu lassen.

Man kann nachweisen, dass es die Seidenproduktion in China seit 3.000 vor Chr. gibt.

 

Die Geheimnisse der chinesischen Seidenproduktion haben byzantinische Mönche nach Italien und nach Frankreich gebracht - Länder, die sich fortan zu den bedeutendsten Standorten der Seidenproduktion in Europa entwickeln sollten.