Schönebergs erste Rathäuser



I. Das erste Rathaus

Bild und Text: Lutz Röhrig 

Das Dorf Alt-Schöneberg wurde 1264 erstmals urkundlich erwähnt und erlebte auf Grund seiner Lage an der Straße von Berlin nach Potsdam in den letzten 200 Jahren ein schnelles Wachstum. 1751 kam das bislang eigenständige Neu-Schöneberg, welches auf Befehl Friedrich des Großen zur Aufnahme von 500 Böhmischen Siedlern aus Berlin eigens entlang der Hauptstraße (zwischen dem heutigen Kaiser-Wilhelm – Platz und der Grunewaldstraße) angelegt worden war, hinzu.

 

Beide Dörfer wurden von aus der Bauernschaft gewählten Schulzen geleitet, die ihre Amtsgeschäfte aus ihren Privathäusern heraus versahen. Ihnen zur Seite standen zumeist zwei Schöffen. Mit dem stetig wachsenden Zustrom an Einwohnern, vor allem von wohlhabenden Berlinern, die in Schöneberg ihre Landvillen errichteten, reichte diese Art der administrativen Führung jedoch bald nicht mehr aus.

Schönebergs Rathäuser. Titelblatt


Rathäuser Schöeneberg. Karte

Karte Schönebergs von 1879

Eine einschneidende Verbesserung der Verhältnisse sollte der Beschluss der Kreiskommission des Landkreises Teltows am 6. August 1851 erbringen, Alt- und Neu- Schöneberg zu einem selbständigen Gemeindebezirk zusammenzulegen. Doch angesichts der Verhältnisse sollte die Umsetzung dieses Beschlusses noch volle zwanzig Jahre in Anspruch nehmen.

 

Wie wichtig jedoch ein Veränderung der Verwaltungs- und Gemeindestruktur gewesen wäre, zeigten besonders deutlich die Verhandlungen um die Abtretung des Schöneberger Niederungslandes an Berlin, dem die tradierte Verwaltung beider Schöneberger Gemeinden nicht gewachsen war. So war die Eingemeindung des Schöneberger Zum Wörterbuch hinzufügen, des sog. „Potsdamer Viertels“ wegen seiner Nähe zum Potsdamer Tor nach Berlin zum 1. Januar 1861 letztlich unausweichlich.

 

Schönebergs Einwohnerzahl sank damit von etwa 8000 auf lediglich 4500 Einwohner. Doch sollte es noch zehn weitere Jahre dauern, ehe eine Änderung der Schöneberger Verhältnisse erreicht werden konnte. Denn erst 1871 erfolgte in Alt-Schöneberg die Wahl der ersten Gemeindevertretung. 1874, nach dem Rücktritt des letzten Alt- Schöneberger Dorfschulzen Willmann trat der vormalige Bürgermeister von Zossen, Adolf Feurig, sein Amt als erster Bürgermeister Schönebergs an. Am 7. Dezember 1874 erfolgte per „Allerhöchstem Erlass“ auch endlich die längst überfällige Zusammenlegung der Gemeinden Alt- und Neu- Schöneberg zu einer administrativen Einheit.



Zu den vordringlichsten Aufgaben Feurigs gehörte die Schaffung eines Amtshauses, in dem nun endlich die Verwaltung der weiter rapide wachsenden Gemeinde – zu der mittlerweile auch die Amtsbezirke Wilmersdorf und Friedenau gehörten - untergebracht werden sollte.

 

Im Frühjahr 1874 wurde neben dem damaligen Schulhaus an der Bahnstraße (ab 1958 Crellestraße) am heutigen Kaiser-Wilhelm-Platz (erhielt seinen heutigen Namen am 7.4.1892) eine Parzelle für 25000 Taler von einem Gemeindemitglied erworben, das dieser sog.

"Millionenbauer" erst kurz zuvor für eine erheblich geringere Summe von einem benachbarten Büdnergut erworben hatte...

Schönebergs Rathäuser. Dorfansicht

Blick auf den Kaiser - Wilhelm - Platz. Links verläuft die Kolonnenstraße (vor 1860 Kolonnenweg). Diese wird in Bildmitte von der ehemaligen Bahnstraße (ab 1958 Crellestraße) gekreuzt, an der neben dem ersten Rathaus (rechts) auch die Gemeindeschule (erstes Haus an der Straßenecke) liegen.



Schönebergs Rathäuser. Erstes Rathaus

Das 1874 erbaute erste Rathaus. Links ist im Anschnitt gerade noch die Gemeindeschule zu erkennen.

Für die Summe von 28116 Mark entstand nun ein einfaches Amtshaus mit angeschlossenem Gefängnis. Hierdurch war es möglich der Auflage nachzukommen, Gefangene nicht mehr an Berlin abzugeben. Die für den Grundstückskauf und dem Bau notwendigen Gelder wurden per Anleihe von der wohlhabenden Schöneberger Pfarrei zur Verfügung gestellt.

 

Das rapide Wachstum der Gemeinde Schöneberg – die Einwohnerzahl war inzwischen von 4500 auf 29000 gestiegen, bewirkte jedoch, dass das fast beschaulich wirkende erste Amtshaus den Aufgaben kaum noch gewachsen war. Die Gemeinde Schöneberg entschloss sich daher zu einem repräsentativen Neubau, der auch die gestiegene Bedeutung Schönebergs nach außen widerspiegeln sollte.

 

1891-1892 entstand nach den Plänen des Baurat Friedrich Schulze ein 480.000 Mark teurer Neubau, dem das alte Amtshaus sowie Teile der Dorfschule Weichen mussten. Ein kleines, aber durchaus bedeutendes Stück Schöneberger Geschichte fand damit sein Ende.



II. Das zweite Rathaus

Dem rapiden Wachstum der Gemeinde Schöneberg – die Einwohnerzahl war seit dem Bau des ersten Amtshauses von damals 4500 auf nun 29000 gestiegen – und den stetig steigenden Anforderungen an eine differenzierte Verwaltung vermochte das alte Amtshaus am heutigen Kaiser-Wilhelm-Platz nicht mehr gerecht zu werden. Die Gemeinde Schöneberg entschloss sich daher zu einem repräsentativen Neubau, der auch die gestiegene Bedeutung Schönebergs nach außen widerspiegeln sollte.

 

1891-1892 entstand nach den Plänen des Baurat Friedrich Schulze

ein 480.000 Mark teurer Neubau im Stil der Deutschen Renaissance, dem sowohl das alte Amtshaus als auch Teile der benachbarten Dorfschule (ein kleiner Seitenflügel blieb auf der Grundstücksrückseite zunächst erhalten) weichen mussten.

 

Der Materialaufwand war zeittypisch. Während für die Straßenfassade teure Laubaner Ziegel Verwendung fanden, wurden sämtliche Architekturteile, zu denen u. a. Fenstergewände, Brüstungen Gesimse und Bildhauerarbeiten zählten, aus Cottaer Sandstein hergestellt.

Zweites Schöneberger Rathaus

Das zweite Rathaus um die Jahrhundertwende



Schönebergs Rathäuser. Zweites Rathaus

Der Kaiser-Wilhelm-Platz um 1910 mit dem zweiten Schöneberger Rathaus. Längst verschwunden ist die Gemeindeschule an der Straßenecke.

Mit diesem Gebäude, das außer dem Magistrats- und dem großen Sitzungssaal im zweiten Obergeschoß sowie weitere kleinere Säle für Ausschüsse und Deputationen in der Ersten Etage, 60 Diensträume für allgemeine Verwaltungsaufgaben beinhaltete glaubte man, für eine lange Zeit Vorsorge getroffen zu haben – ein Irrtum.

 

Die Bedeutung Schönebergs stieg ständig. 1905 lebten in Schöneberg über 141.000 Personen. Am 1. April 1898 wurden zudem der aufstrebenden Gemeinde Schöneberg die Stadtrechte verliehen. Am 20. Dezember 1901 beschloss die nunmehrige Stadt, eine Deputation aus drei Magistratsmitgliedern und sechs Stadtverordneten zu bilden, die den Bau eines neuen Rathauses vorbereiten sollten.

 

Damit nahmen die ersten Vorbereitungsarbeiten zum Bau des dritten, noch heute existierenden Schöneberger Rathauses ihren Anfang. Doch es sollte noch 13 Jahre dauern, bis die Einweihung dieses Bauwerks gefeiert werden konnte, das später geradezu zu einem Symbol vor allem des westlichen Teil Berlins werden sollte…



III. Krieg und Zerstörung

Das zweite Schöneberger Rathaus am Kaiser-Wilhelm-Platz indes, 1914 nach Fertigstellung des Neuen längst anderer Nutzung zugeführt, sollte im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs untergehen. 

 

Die Ruine wurde in den Nachkriegsjahren beseitigt. Der Kaiser-Wilhelm-Platz verlor damit endgültig jede Erinnerung an seine Funktion als politisches Zentrum Schönebergs...

Schönebergs Rathaus. Zerstörung des zweiten Rathaus.

Das zerstörte zweite Schöneberger Rathaus in der Nachkriegszeit



Schönebergs Rathäuser. Aktuell

Der an Stelle des zerstörten zweiten Schöneberger Rathaus errichtete Neubau am neu gestalteten Kaiser- Wilhelm - Platz

Heute erhebt sich an jener Stelle, an der einst Schönebergs erstes und zweites Rathaus standen, ein Neubau. Immerhin wurde vor einigen Jahren der Kaiser- Wilhelm - Platz neu gestaltet. Der Platz lädt nun Dank Verkehrsberuhigung, Bänken und Springbrunnen, ein zum Verweilen.

 

Und an das zweite Rathaus - das erste an gleicher Stelle hat man glatt vergessen - erinnert eine Gedenktafel, die auch auf die Opfer des Kapp - Putsches verweist.



Gedenktafel Rathaus Schöneberg

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