Das Lokal "Marienfelder Mühle"

und die Suche nach dieser


Das Lokal "Marienfelder Mühle"

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Das Lokal "Marienfelder Mühle"

und die Suche nach dieser


Inhalt und Kapitelübersicht



Ein Besuch

und eine Frage



Bild und Text: Lutz Röhrig 

An der Hildburghauser Straße, gleich hinter der Kreuzung mit der Friedenfelser Straße, befindet sich das Lokal „Marienfelder Mühle“, das wir vor kurzem besuchten. Es ist gemütlich, das Ambiente stimmt und das Essen schmeckte.

 

Doch wo stand einst die namensgebende Mühle? Dokumente des verdienstvollen Marienfelder Heimatforschers Hans – Werner Fabarius helfen hierbei weiter. Zudem konnte ich selbst noch eine zweite Aufnahme der alten Mühle ausfindig machen...

Lokal "Marienfelder Mühle" Außenansicht

Die Gaststätte "Marienfelder Mühle" wirft mit ihrem Namen Fragen nach dem Aussehen und dem Standort der einstigen Mühle Marienfeldes auf.



Das Dorf

Marienfelde



Lokal "Marienfelder Mühle" Innenansicht

Blick auf die Bar der "Marienfelder Mühle". Insbesondere das gemütlich - urige Ambiente einschließlich der alten Laterne hat uns sehr angesprochen.

Natürlich besaß Marienfelde, wie beinahe jede größere Ansiedlung, auch eine eigene Windmühle. Doch wo befand sich diese? Begeben wir uns auf eine Spurensuche. Das Dorf Marienfelde wurde einst zusammen mit Mariendorf um 1220 von den in Tempelhof in ihrer Comturei ansässigen Tempelrittern begründet. In Marienfelde zeugt noch immer eine – mehrfach umgebaute - alte Feldsteinkirche aus dem 13. Jahrhundert von der Religiosität der Tempelritter.

 

Rund um diese Kirche befinden sich Bauernhäuser, Gaststätten, Schule usw. Es ist der historische Kern Marienfeldes: Alt - Marienfelde. Und ja, auch ein Müllerhaus hat es hier gegeben. Wo also stand die Mühle?



Der Johanniter - Orden

und die Marienfelder Mühle



Die ältesten schriftlichen Überlieferungen einer Windmühle in Marienfelde erwähnen die Nachfolger der Tempelritter, den sie am 23. Januar 1318 ablösenden Johanniter - Orden. So heißt es von der Marienfelder Mühle, dass der „Commendator des Johanniterordens zu Tempelhof "seit Menschengedenken" einen halben Wispel Roggen erhielt.

 

Doch auch die Johanniter sollten nicht ewig die Herren über Marienfelde bleiben. Ihre 1435 gegen die Doppelstadt Berlin und Cölln geplante Schlacht wurde verraten, die Städte übernahmen durch Kauf die Besitzungen des Ordens. 1455 wurde im Kaufvertrag geschrieben: "...dat dorp Margenfelde med der windmoelen darvor gelegen... Die Mühle bleibt nun im Besitz der Städte Berlin und Cölln, wobei Cölln einen Anteil von einem Drittel (8 Scheffel) und Berlin zwei Drittel erhielt.

Lokal "Marienfelder Mühle" Blick zur Bar

Ein weiterer Blick in den Innenraum des Lokals "Marienfelder Mühle". Ein Besuch lohnt sich...



Marienfelder Müller

und der Abbruch der Mühle



Von 1568 bis 1632 ist der Müller Joachim Peetzke Pächter der Mühle im Auftrag der Doppelstadt. 1590 werden die Anteile Berlins an Cölln Verkauft, 1636 wird Peter Richenow Müller in Marienfelde – eine Wahl, die wohl nicht ganz von ungefähr kam, war doch Richenow mit der Marienfelder Schulzen- und Schulmeistertochter Anna Randow verheiratet.

 

1648 wird Thomas Gebert Mühlenbesitzer. Die Familie bleibt für 200 Jahre im Besitz der Mühle, bis sie diese 1841 verkaufen. Die Gebertstraße in Marienfelde erinnert heute an diese Familie.

 

Um 1900 siedelten dann noch zwei bzw. drei weitere Mühlen südlich der Hildburghauser Straße an, die jedoch nur kurze Zeit bestanden. 1920 wurde schließlich die sich mittlerweile im Besitz des Marienfelder Rittergutes befindliche erste Mühle wegen Baufälligkeit abgebrochen.

 

Leider gibt es nur wenige Fotos der alten Mühle. Die Postkarte links oben zeigt die Rückseite der Mühle. Im Hintergrund rechts ist der Turm der Klosterkirche zu sehen. Unmittelbar hinter der Mühle befinden sich die (heute noch erhaltenen) Landarbeiterhäuser an der Marienfelder Allee.



Der Standort der Mühle

und das alte Müllerhaus



Und wo stand sie nun? Auch hier gibt Herr Fabarius Auskunft:

Am Diedersdorfer Weg, kurz hinter den heute im hellen gelb gestrichenen Landarbeiter – Häusern an der Marienfelder Allee. Auf seiner Karte ist der Standort mit "A" vermerkt.

 

Das Haus des Müllers hingegen befand sich direkt im Dorf. Der Buchstabe "B" weißt auf dessen Standort hin. Das heutige Gebäude Alt - Marienfelde 49 - 47 (früher Dorfstraße 7) blieb, sorgsam restauriert und in neuerer Zeit genutzt u. a. durch den Bäcker Polenz und dem Kohlenhändler Thiede, bis heute erhalten. Das benachbarte, ursprünglich zum Haus gehörige Grundstück mit Stallgebäude und Waschküche wurde nach der Einstellung des Kohlenhandels 1972 von Frau Lilo Thiede an den Schrotthändler Hermann Miether verpachtet, ehe sie es 1977 an einen Bauträger veräußerte.

LageSkizze der ersten Marienfelder Mühle und des Müllerhauses

Das ehemalige Marienfelder Müllerhaus in Alt - Marienfelde

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