Bunker Eiswaldtstraße


I. Vorgeschichte



I. Vorgeschichte

Bild und Text: Lutz Röhrig 

Nur noch bedingt verständlich ist heute, warum es ausgerechnet in den dem südlichen Stadtrand zuzuordnenden, seinerzeit eher beschaulichen Lankwitz während des Zweiten Weltkriegs zum Bau einer ganzen Reihe von Bunkeranlagen kam. Ein Blick in die Akten zeigt jedoch schnell, dass gerade diese Lage den Militärs sehr gelegen kam, hatten sie hier doch - so die damalige Meinung - mit weniger großflächigen Bombenangriffen zu rechnen. Darüber hinaus konnten sie in Lankwitz auf verhältnismäßig moderne Kasernenanlagen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs zurückgreifen, die sich schnell den aktuellen Bedürfnissen anpassen ließen. 

 

Somit beginnt die Geschichte des Bunkers in der Eiswaldtstraße 17 im Grunde bereits mit dem Beschluss der Lankwitzer Gemeindeversammlung von 1912, zur Steigerung der Einkünfte dem Militär die Grundstücke für zwei Kasernenneubauten zur Verfügung zu stellen. Die Soldaten sind diszipliniert, bringen Geld in die Gemeinde und die Lankwitzer Töchter erhalten die Gelegenheit, eine gute Partie mit einem Offizier zu machen...

 

Es entstanden in den Jahren 1913 – 15 durch das Militär-Neubauamt u. a. auf dem 5,43 ha großen Gelände Gallwitzallee - Eiswaldtstraße - Malteserstraße umfangreiche, heute durch die Berliner Polizei genutzte Kasernenbauten, die für das neu aufzustellende 2. Garde - Train - Bataillon bestimmt waren. 

 

Während der NS - Zeit und im Zuge der allgemeinen deutschen Aufrüstung erfolgte 1937 ein Umbau der nun als "Hindenburgblock" bezeichneten Kaserne für das Flakregiment 12. In diesem Zusammenhang entstand 1940/41 auch ein der Kasernenanlage gegenüberliegender Hochbunker des Bautyps "M500" an der Eiswaldtstraße.

Der Bunker Eiswaldstraße im Jahr 2015. Noch trägt er, obgleich bereits schon zum Verkauf stehend, das Zeichen des Zivilschutzes.

Die Kasernenanlagen an der heutigen Gallwitzallee nach Fertigstellung im Ersten Weltkriegs.



Der Bunker in der Seitenansicht im Jahr 2015. Gut zu sehen der Konsolfries unter der Traufkante.

Der Bunker nach Kriegsende - ohne Zaun und Absperrung.

Der vergitterte Bunkereingang im Jahr 2015. 

II. Der Bunker

Der durch die "Baugruppe Langer" errichtete, dreigeschossige, rund 752 qm große Bunker war zur Tarnung mit einem Walmdach versehen worden. Zudem sollte er durch das Aufgreifen von klassischen Architekturmotiven - zu dem auch der unter der Traufkante verlaufende Konsolfries gehörte - besser in eine künftige Bebauung integrierbar sein. Denn auch nach dem Ende des Kriegs war keineswegs ein Abbruch des Bunkers vorgesehen. 

 

Der für 500 Menschen ausgelegte Bunker ist nicht unterkellert, der gleichfalls aus Beton bestehende Dachstuhl war nur eingeschränkt

nutzbar und daher auch während des Krieges nicht zugänglich. Obgleich der Bunker zum Schutz für die Mannschaften der gegenüberliegenden Kaserne gedacht war, stand er auch den Anwohnern während der schweren Bombenangriffe ab 1943 zur Verfügung. Die Anlage war zugleich Teil eines Bunkernetzwerkes, das aus 4 weiteren Bunkern und einem Militärbunker bestand.

 

Nach dem Krieg diente der Bunker an der Eiswaldtstraße zunächst den sowjetischen Truppen. Im Oktober 1945 wurde der Bunker durch den ehemaligen Mitropa- Angestellten Rudolf Barth zum „Mitropa-Bunker Hotel“ mit 103 Zimmern für 160 Gäste umgebaut. Er stand nun vor allem Partei - Delegierten aus dem Ostteil der Stadt als preiswerte Unterkunft zur Verfügung. Die Küche dieses Hotels versorgte zudem ca. 4000 Kinder des Bezirks mit Essen. Vier Jahre später wurde das Hotel aufgegeben. Der Bunker diente nun den Amerikanern als Kasino, wozu er u. a. mit einem Salon ausgerüstet worden war.

 

Ab 1955 nutzte das in der Nachbarschaft befindliche Synchronstudio Wenzel Lüdecke den Bunker als Filmlager, dann griff der Kalte Krieg auch nach dieser Anlage. Ab 1989 wurde der Bunker Eiswaldstraße zur Zivilschutzanlage umgebaut, 2009 endete auch diese Nutzung. Der Bunker ist derzeit für eine Summe von 100.000 Euro zum Verkauf ausgeschrieben worden…

Der Bunker als Mitropa - Hotel nach 1945.



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