Atelier Günter Adam



I. Der Schneider der Stars

Bild und Text: Lutz Röhrig 

Das Gewerbe am Kurfürstendamm und dessen Nebenstraßen unterliegt einem steten Wandel. Längst gibt es so manches Kino oder Fachgeschäft nicht mehr, das wir aus unserer Jugendzeit vielleicht noch kannten. Anderes ist bis in die Gegenwart weiterhin präsent und bildet so eine Brücke zwischen dem Vergangenem und dem Hier und Jetzt.

 

Zu den wenigen, seit Jahrzehnten bestehenden Gewerbeläden gehörte bis vor kurzem auch das Atelier des Maßschneiders Günter Adam in der Meinekestraße 6, welcher u. a. Stars wie Udo Lindenberg, Harald Junke, Wolfgang Völz, Meret Becker, Klaus Löwitsch oder den Komponisten Jack White zu seinen Kunden zählen konnte. Doch nun, im stolzen Alter von 81 Jahren, geht er in den wohlverdienten Ruhestand. Am letzten offenen Tag besuchte ich ihn. 

Berlin. Günter Adam. Schneider.Titelblatt


Berlin. Günter Adam Interview. Im Atelier Meinekestraße 6

Günter Adam in seinem Atelier. Gediegene Atmosphäre und wenige, ausgesuchte Stilmöbel bildeten die elegante Kulisse für ein Beratungsgespräch mit seinen Kunden

II. Das Atelier

Das Ambiente seines Geschäftes strahlt eine vornehme Gediegenheit aus und man merkt, hier hat ein Kenner der Materie besonders ausgesuchte Stilmöbel wirkungsvoll platziert. Kein Wunder, Günter Adam ist Antiquitätensammler aus Leidenschaft. Was gefiel, wechselte mitunter für ein oder zwei Maßanzüge seinen Besitzer.

 

Seit dem 1. April 1967, dem Tag, als er beschloss, ein eigenes Atelier zu erwerben, ist Günter Adam hier in der Meinekestraße als selbständiger Schneider ansässig. Zunächst erwarb Günter Adam für 3000 DM das Nachbargeschäft. Doch 1984 wurden sämtliche Wohnungen in Eigentumswohnungen umgewandelt. Auch die Ladenlokale mussten von den damaligen Inhabern übernommen werden. Günter Adam beschloss, den kleineren Nachbarladen zu kaufen, in dem er bis heute geblieben ist. Eine Entscheidung, die er nie bereut hat.

 

Im hinteren Teil seines Geschäftes, in dem sich das Atelier befindet, fühlt sich der Verfasser dieses Artikels an seine ersten Berufsjahre erinnert - denn an der Stirnseite steht neben vielem anderen, scheinbar aus der Zeit gefallenen Gerätschaften, auch eine alte Pfaff-Nähmaschine. Eine Reparatur dieser voll funktionsfähigen, etwa 40 Jahre alten Handwerker-Maschine wäre für mich, der einst unweit in der Wielandstraße (Pfaff - Zentrale Berlin) und in der Wilmersdorfer Straße (Pfaff -Stand im Hertie - Kaufhaus) tätig war, noch immer kein Problem... 



III. Keine Stoffhäuser mehr in Berlin

Günter Adam schneiderte Damenkostüme (Stückpreis ca. 1600 Euro), ebenso wie Herrenanzüge (1700 Euro), die er in der Regel mit mehrfacher Anprobe in ca. 4 Wochen fertigstellte. Doch mit der Zeit wurde es immer schwieriger, wirklich gute Stoffe für seine hohen Qualitätsansprüche zu bekommen. Einst gab es in Berlin, wie Günter Adam erklärt, sieben Stoffhäuser. Heute kein einziges mehr.

 

Ob Günter Adam auch das Stoffhaus, in dem einst die Großmutter des Verfassers als Direktrice arbeitete, kannte? Ja, natürlich. "Zimmerling", im Kaisereck an der Rankestraße Ecke Kurfürstendamm (heute H & M Moden), war damals als Nachfolger von Seiden - Michels ein Begriff. Denn in dem wohl exklusivsten Stoffhaus der Stadt gaben sich die Stars von Film und Bühne die Klinke in die Hand. Carl Zimmerling  schloss 1970 nach dem Tod seines Sohnes für immer seine Türen.

 

Günter Adam, dessen Tochter den Laden nicht übernehmen möchte, schloss nun am 20. Mai 2016 sein Atelier. Sein letzter Anzug, den er vor seinem gemeinsamen Sizilien - Urlaub mit Ehefrau Beate noch fertigt, geht an Max Raabe. Dann ist wieder eine traditionelle Berliner Modeinstitution für immer erloschen. 

Berlin. Günther Adam. Außenansicht des Atelier Meinekstraße 6

Außenansicht des Ateliers Meinekestraße 6 am letzten Öffnungstag



Möchten Sie regelmäßig über alle Neuigkeiten auf zeit-fuer-berlin.de informiert werden? Dann melden Sie sich für den kostenlosen Newsletter an - und lesen Heute, was Morgen nur noch Geschichte ist...

Sie möchten gern einen Kommentar oder Hinweis zu meinen Artikeln geben? Sie wünschen, dass auch über Ihr  Unternehmen berichtet wird? Nutzen Sie einfach das Kontaktformular