Tivoli Lichtspiele

Tivoli Lichtspiele

Friedrich - Karl - Straße  2 - 3

Tivoli - Lichtspiele in der Friedrich- Karl- Straße in Berlin - Tempelhof. Aufnahme des Kinos von 1930

Tivoli Lichtspiele


Vom Tanzlokal zum Kino

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Tanzlokal1

 1 | Vom Tanzlokal zum Kino


 

Wann genau und in welcher Form die Umnutzung des 1893 als Tanzlokal "Tivoli" eröffneten Saalbaus am damaligen Lankwitzer Weg (heute Friedrich - Karl - Straße) zu einem Kino erfolgte, ist unklar. Gut möglich, das die oft zitierte Umgestaltung im Jahre 1911 eine eher provisorische Anpassung an das seinerzeit immer beliebter werdende Medium "Kino" darstellte.

 

Der große, tief in die Bausubstanz eingreifende Umbau zu einem vollwertigen Lichtspieltheater erfolgte jedoch erst nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. 1920 wird der ehem. Saalbau durch dessen Besitzer, dem Likörfabrikanten Paul H. Wilke, für die Kino - Betreibergesellschaft Meyer-Weinholz & Werbslow grundlegend zu einem Lichtspieltheater mit 800 Sitzplätzen umgebaut. 

 

Paul Wilke setzt eine neue, parallel zur Straße verlaufende Bestuhlung in den Saal. Zudem wird die Zwischenwand zur Kegelbahn durchbrochen, um so Platz für den neuen Bühnenbereich zu erhalten, der von aufwendigen Profilen gerahmt wird. Die Logen werden entfernt und durch eine Wandelhalle ersetzt, die nun einen Übergang zum Foyer bildet. 

 

Die Wand- und Deckenflächen werden in ihrem üppigen Dekor reduziert und im Stil der Zeit versachlicht. Weitere Akzente setzt ein umlaufendes Lichtband, welches die gesamte Saalbeleuchtung übernimmt.

 

Auch der linke, zuvor bereits als Haupteingang genutzte Anbau des Saalgebäudes wird komplett im Stil der Zeit umgestaltet. Ein modernes Foyer mit Garderoben- und Kassenbereich entsteht, von dem man in die neue Wandelhalle gelangte. Um das Kino auch äußerlich stärker kenntlich zu machen, erhielt der Vorbau eine vorspringende Wandscheibe, welche den in Neonschrift ausgeführten Namenszug des Kinos trug. Die über den Eingangstüren mit ihrem Vordach liegende, fensterlose Fläche hingegen wird mit einer großformatigen Plakatfläche und einer auf dem Dach montierten, vorkragenden Beleuchtungsanlage versehen, um so auf die neuesten Kinofilme wie auch auf das Kino selbst aufmerksam zu machen.

 

Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Fassadenfront des Kinos.

| Der linke, nun zum Eingangsbereich umgestaltete Anbau des ehem. Saalbaus. Angesichts der hier beworbenen Filme muss die Aufnahme bei Wiedereröffnung des Kinos 1949 endstanden sein. 

 


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 2 | Die Zeit nach dem Krieg bis zur Schließung des Kinos


Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Blick in den Kinosaal.

| Der zum Kinosaal umgestaltete ehem. Saalbau 1949.

 

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bleibt das Kino zunächst geschlossen. Eine Wiedereröffnung erfolgt erst nach dem Ende der Luftbrücke 1949. 1950 wird das Kino an Antonie Juhnke übergeben, deren Geschäfte Anne Gabrunas führte. Neben Filmen werden auf der vorhandenen Bühne auch Theater- und Varieté - Vorführungen den Zuschauern präsentiert. Ab 1957 können im Kino sogar CinemaScope – Filme gezeigt werden. In den 1960er Jahren, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Kinobetriebe hatten längst begonnen, kam es zum Zusammenschluss mit den Kurfürst - Lichtspielen, welche sich in dem markanten Eckhaus an der Berliner Straße und Dorfstraße (Heute Tempelhofer Damm Ecke Alt - Tempelhof) befanden.

 

Im Zusammenhang mit dem allgemeinen Kinosterben kam jedoch 1968 auch das Ende für das Tivoli. Wie so oft wurden die Räumlichkeiten durch eine Supermarktkette übernommen, die keine Rücksicht auf vorhandene Bausubstanz nahm. Rücksichtslos wurde die Raumhöhe durch eine eingezogene Gipskartondecke begrenzt. Der alte Saalbau verschwand nun fast vollständig hinter Anbauten, die man auf der freien Vorfläche an der Friedrich - Karl - Straße errichtete. Ein Ende also, das auch eines Tages das Aus für den alten, im Grunde bereits nachhaltig veränderten Saalbau bedeuten könnte. Doch es sollte anders kommen. Im Jahre 2002 wurde das Gebäude aufwendig saniert, die eingezogene Decke bis auf eine Galerie weitgehend entfernt und störende Anbauten entfernt. Derzeit beherbergt das nun wieder beeindruckende Gebäude den "Selfmade Näh- und Creative - Store".

 


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 3 | Ein Kinoprospekt des Tivoli von 1924


Ein altes Kinoprogramm der Tempelhofer Kinos "Tivoli" und "Kurfürst - Lichtspiele" aus dem Jahre 1924. Gezeigt wird in den "Kurfürst - Lichtspielen" an der Dorfstraße (heute Alt - Tempelhof) der 1924 erschienene 2-teilige Spielfilm "Helena", dessen 2. Teil auch inhaltlich beschrieben wird. Gleichfalls 1924 erschien der Film "Lord Reginalds Derbyritt", der im Tivoli für den August angekündigt wird.

 

Neben den damals gespielten Filmen ist aber auch das "Drumherum" des Prospektes, wie etwa die Werbung längst vergangener Geschäfte, interessant. So z. B. des "Kaufhauses Tempelhof" des jüd. Kaufmannes Edmund Elend, welches dieser zunächst als Ladengeschäft eröffnete. 1913 errichtete Elend dann an der heutigen Ecke Tempelhofer Damm / Kaiserin - Augusta - Straße ein neues großes Warenhaus, das in den 1930er Jahren unter dem Namen "Sera" zwangsarisiert wurde. Nach dem Krieg von Carl Walden weitergeführt, wird das Kaufhaus 1967 durch Karstadt übernommen.

 

Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 1.
Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 2.

Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 3.
Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 4.
Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 5.
Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 6.

Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 7.
Das Tempelhofer Tivoli an der Friedrich - Karl - Straße. Kinoprogramm Seite 8.

Das noch heute erhaltene  Wohn- und Geschäftshaus "Zum Kurfürst" an der heutigen Straßenecke Tempelhofer Damm / Alt - Tempelhof gab sowohl dem Restaurant und Café "Zum Kurfürst" als auch den "Kurfürst - Lichtspielen" seinen Namen. Es wurde 1911 - 1912 durch Carl und Emil Schneider an Stelle des für die Tempelhofer Dorfgeschichte bedeutsamen Gasthofes der Familie Kreideweiß errichtet. 

 

Der im Tivoli gezeigte Film "Im letzten Augenblick" von 1923 gehörte zu einer Reihe von ca. 40 national wie international höchst erfolgreichen "Stuart Weebs" - Kriminalfilmen, in denen der namensgebende Gentleman- Detektiv Stuart Weebs meist durch den Schauspieler Ernst Reicher verkörpert wird. Reicher schrieb auch einige der Drehbücher der "Stuart Weebs" - Filme und führte zudem Regie.

 

Gedruckt wurde das Kinoprospekt im Übrigen von der Mariendorfer Druckerei Franz Bärenwald, Chausseestraße (Mariendorfer Damm) 306. 

 



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